Bewegungsfördernde Architektur im Alter
Architektur orientiert sich an Auflagen der Hindernisfreiheit, um einen längeren Verbleib in der Wohnung zu ermöglichen. Gleichzeitig hält stete Bewegung Menschen gesund. Wie soll man Architektur denken, die zur Bewegung anregt?
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Architektur, Holz und Bau
- Institut(e) Institut für Siedlung, Architektur und Konstruktion ISAK
- Forschungseinheit(en) Fachgruppe Entwurf und Gestaltung FGEG
- Förderorganisation BFH
- Laufzeit (geplant) 01.07.2024 - 30.06.2025
- Projektleitung Henriette Lutz
-
Projektmitarbeitende
Prof. Dr. Ulrike Schröer
Arza Hajdarevic
Anita Schürch
Prof. Dr. Heidi Kaspar
Dr. Marina Paula Bruderer
Giulio Galasso - Schlüsselwörter Architektur, Gesundheit, Citizen Scientists, Alter, Entwurf, Forschendes Entwerfen, Bewegungsfördernde Architektur
Ausgangslage
Der schweizerische Wohnungsmarkt ist gefordert, sich auf eine zunehmend ältere Bevölkerung auszurichten. Dabei gilt, dass ältere Menschen in ihren (Wohn-)Bedürfnissen genauso vielfältig sind wie jüngere Menschen und so lange wie möglich selbstbestimmt in einem passenden Umfeld leben möchten. Gesellschaftliche Entwicklungen wie die Digitalisierung und Technologisierung unserer Lebenswelt, der gestiegene Wohlstand wie auch der starke Ausbau von Dienstleistungen aller Art tragen zu einem bewegungsarmen Alltag bei. Es ist jedoch belegt, dass Bewegung im Hinblick auf die Entwicklung körperlicher und kognitiver Einschränkungen eine präventive Wirkung entfaltet und sich förderlich auf den Erhalt der Selbstständigkeit im Alter auswirkt.
Vorgehen
Das Forschungsprojekt entwickelt sich direkt aus der Lehre im Bachelorstudiengang Architektur und arbeitet mit der Methode des Forschenden Entwerfens. Das Entwurfsatelier zu bewegungsfördernder Architektur wurde im Herbstsemester 2024/25 erstmalig interdisziplinär und departementsübergreifend entwickelt und durchgeführt. Um die Studierenden zu sensibilisieren, brachten neben Mitarbeitenden des Kompetenzzentrums Partizipative Gesundheitsversorgung (PART) und des Fachbereichs Physiotherapie auch fünf ältere Menschen in der Rolle von Citizen Scientists ihre Expertise als potenzielle Nutzer:innen in die Diskussion der Entwürfe ein. Für die Entwurfsaufgabe wurde eine typische Berner Siedlung der 1950er-Jahre ausgewählt. Der Auftrag an die Studierenden bestand darin, die bestehenden Bauten mit massvollen Ergänzungen - einem Ergänzungsbau bzw. dem Ersatz des Steildaches durch eine Aufstockung – zu verdichten und hierdurch das Quartier durch andere Wohnungstypen zu bereichern. Die Entwürfe der Studierenden loten die Potentiale von bewegungsfördernder Architektur aus und erforschen, in wie fern Architektur die Lebensqualität älterer Menschen aktiv verbessern kann.
Ergebnisse
Im Projekt zur bewegungsfördernden Architektur für das Alter haben wir uns gefragt, welchen Beitrag die Gestaltung von Wohnungen und Wohnumgebungen leisten kann, damit ältere Menschen möglichst lange in ihrem eigenen Zuhause alt werden können (Aeging in Place). Denn genau das ist der Wohnwunsch der allermeisten Menschen. Aber Voraussetzung dafür, ist eine möglichst lange Mobilität und Selbstständigkeit im Alter. In dem Projekt zeigte sich: Mehr Bewegung wirkt sich nicht nur direkt positiv auf die Gesundheit aus, sondern fördert auch Begegnungen und soziale Interaktionen. Das sind zentrale Faktoren für die Förderung des individuellen Wohlbefindens. Bewegungsmangel und Einsamkeit betrifft dabei längst nicht nur ältere Menschen, sondern zunehmend auch Kinder, Jugendliche und Personen in der Lebensmitte, etwa durch vermehrtes Arbeiten im Homeoffice. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass wir Barrierefreiheit weiterdenken müssen: Es geht nicht darum, sie grundsätzlich in Frage zu stellen, sondern Barrierefreiheit so zu gestalten, dass Menschen entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten gefördert werden, ohne sich dabei zu überfordern. So kann der Verzicht auf das Treppensteigen den Mobilitätsrückgang beschleunigen. Entscheidend ist bei dem Thema der bewegungsfördernden Architektur zudem, dass die Anreize einen positiven und motivierenden Charakter haben und die Bewegung ganz selbstverständlich in den Alltag integriert wird.