Growing Up - Die Emanzipation des Jazz in der Schweiz 1965-1980

Erstmals wird ein zentrales Kapitel der Schweizer Jazzgeschichte mittels Quellenstudien, Oral History und kulturtheoretischen Ansätzen eingehend wissenschaftlich erforscht und in einen europäischen Kontext gestellt.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Pop et jazz dans son contexte
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée 01.03.2013 - 29.02.2016
  • Responsable du projet Thomas Gartmann
  • Direction du projet Thomas Gartmann
  • Équipe du projet Christian Steulet
    Britta Sweers
    Angelika Güsewell
  • Partenaire University of Salford
    Zentralbibliothek Zürich
    Hochschule Luzern
    Suisa
    TCB Music
    Jazz Archives in Europe /Siena Jazz
    Jazzinstitut Darmstadt
    Universität Bern, Institut für Musikwissenschaft
    Haute Ecole de Musique Vaud Valais Fribourg
    Fonoteca Nazionale Svizzera
    Intakt
    SRG
    SwissJazzOrama
    Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Musik, Jazz
    ZHDK Musik
    Schweizerischer Nationalfonds SNF
  • Mots-clés Jazz, Schweiz, Rezeption, Gesellschaft, Aufführung, Oral History, Dokumentation

Situation

Die Jahre 1965–1980 bedeuteten für den Schweizer Jazz einen Wendepunkt: Die Musiker (vereinzelt auch Musikerinnen) emanzipierten sich von den amerikanischen Vorbildern und spielten eigene Kompositionen, sei es als erfolgreiche Unterhaltungsmusiker wie Hazy Osterwald oder als sogenannte «Avantgardisten». Free Jazz wurde in der Schweiz nicht nur rezipiert, hier wurde auch Geschichte geschrieben: Akteure wie Irène Schweizer, Pierre Favre, Urs Blöchlinger und später Werner Lüdi wurden zu prägenden Vertretern der europäischen Free-Jazz-Bewegung. Schweizer Bands wie Magog oder OM leisteten einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Jazz-Rock. In diese Zeit fällt die Gründung der Festivals von Montreux und Willisau: Drehscheiben für avancierten Jazz in Europa, die einen regen Austausch zwischen hiesigen und ausländischen Musikern ermöglichten und für Aufbruch und Revolte – und später auch für die Nobilitierung des Jazz – standen. Das Projekt geht der zentralen Frage nach, wie konzertveranstaltende Jazz-Institutionen in der Schweiz entstanden und funktionierten, wie stark sie die Etablierung eines neuen Berufsstands begünstigten und welche Echos sie auslösten. Eine Dissertation untersucht, welche Bedeutung Festivals und Clubszenen für die Ausprägung des Schweizer Jazz und seine Vernetzung hatten.

Approche

Das Projekt ermittelt und sichert schriftliche und audiovisuelle Quellen zur Entstehung und weiteren Entwicklung exemplarisch ausgewählter Festivals wie Montreux, Nyon, Willisau, Zürich sowie einer vielfältigen Clubszene am Beispiel Zürich im europäischen Kontext. In strukturierten Interviews werden repräsentative Personen zu Geschichte und Bedeutung dieser Institutionen befragt, wobei auch Fragen der Syndikalisierung, Lebensund Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden. Quellen verschiedenster Herkunft werden so dokumentiert, aufgearbeitet und die Befunde in kulturtheoretische Diskurse integriert.

Résultat

Ein zentraler Abschnitt der Schweizer Musikgeschichte wird als Übersicht unter verschiedenen Blickwinkeln aufgearbeitet, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem die Hauptzeugen bzw. deren Nachkommen, Schüler und Mitspieler noch leben. Durch die Sicherung und Digitalisierung von Tonaufnahmen und das Zusammentragen zusätzlicher Dokumente können die Quellen der weiteren Forschung zugänglich gemacht werden. Die Studien zu einzelnen Festivals, Szenen und Problemstellungen dieses Pilotprojektes bilden die Grundlage für eine spätere Gesamtdarstellung dieser Epoche. Die beteiligten Jazzabteilungen der Schweizer Hochschulen planen Themenworkshops zum Jazz in der Schweiz und erhoffen sich durch die Aktualisierung des historischen Materials kreative Impulse für das eigene aktuelle Schaffen und den Unterricht. Ausserdem beabsichtigen die Schulen, künftig Schweizer Jazz in ihren Curricula zu verankern und so das Bewusstsein für den europäischen Jazz wie für ein historisches Denken überhaupt zu wecken und zu stärken.