From Field to Fiddle - Neue Musiksaiten aus Schafdarm: mit Hightech-Verfahren zum Originalklang des 19. Jahrhunderts.

Musik für Streich- und Zupfinstrumente erklang bis weit ins 20. Jahrhundert auf Saiten aus zusammengedrehtem Schafsdarm.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Interprétation et pratiques d'exécution
  • Centre BFH Centre BFH Arts in Context
  • Organisation d'encouragement Innosuisse
  • Durée 01.08.2017 - 30.11.2019
  • Responsable du projet Kai Köpp
  • Direction du projet Kai Köpp
  • Équipe du projet Johannes Gebauer
    Jane Achtman
    Bernhard Kainzbauer
  • Partenaire Geigenbauatelier Schürch
    Innosuisse
    Stiftung CAMERATA BERN

Situation

Rohmaterial und Herstellungsweise von Darmsaiten haben grosse Auswirkung auf Klangqualität und Spieleigenschaften einer Saite. Heutige Saiten unterscheiden sich grundlegend von ihren historischen Vorgängerinnen – nicht nur bei synthetischen Fasern, sondern gerade auch bei industriell hergestellten Darmsaiten, die als Verschleissmaterial beispielsweise im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis, bei Harfen, aber auch bei herkömmlichen Saiten als Kern eingesetzt werden. Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen hat Rinderdarm seit den 1960er-Jahren den ursprünglichen Schafsdarm als Rohmaterial verdrängt. Die Veränderung von Elastizität, Obertonstruktur und Modulationsfähigkeit wurde von Musikern zwar als Qualitätsverlust beschrieben, aber in Ermangelung von Alternativen hingenommen, zumal Veränderungen in der Herstellung den Kunden damals nicht ausdrücklich mitgeteilt wurden.

Approche

Um Saiten aus Schafsdarm für den anspruchsvollen Klassik-Musikmarkt wieder verfügbar zu machen, werden die spezifischen Herstellungsverfahren anhand expliziter Quellen aus dem 19. Jahrhundert erforscht. Die handwerklichen Arbeitsschritte, die durch wenige betagte Wissensträger überliefert sind, werden im Projekt dokumentiert, mit schriftlichen Quellen in Beziehung gesetzt und möglichst originalgetreu maschinell nachgebildet. Als Rohmaterial dient qualitativ hochwertiger Schweizer Schafsdarm, der bislang entsorgt wurde und nun erstmals in der Schweiz für dieses Projekt aufbereitet und weiterverwertet wird. Entwicklungsziel ist ein durch modernste Sensorik überwachter, maschinell stark unterstützter Prozess, mit dem sich Darmsaiten sowohl wirtschaftlich als auch mit bisher unerreichter Qualität produzieren lassen. Ein Doppelblindtest mit professionellen MusikerInnen soll die Überlegenheit dieser Saiten anhand eines Kriterienkatalogs nachweisen.

Résultat

Die Quellenforschung zu Rohmaterial und Herstellungsverfahren von Schafsdarm-Saiten wird anhand einer Publikation dokumentiert. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die Zielsetzungen des Projekts gewichtet. Sie bilden die Grundlage für die Erprobung von Konservierungstechniken und die Entwicklung einer Prozess-Strasse, welche die historischen Herstellungsverfahren teilweise automatisiert und mit computergestützter Sensorik kontrolliert. Die experimentellen Saiten werden der HKB-Forschung zur Verfügung gestellt und in einem Konzert der Camerata Bern der Öffentlichkeit präsentiert.