Alpsommer kommt, Personal fehlt

20.04.2026 Kühe auf saftigen Alpweiden stehen sinnbildlich für den Schweizer Sommer. Doch dieses Idyll gerät unter Druck: Auf immer mehr Alpen fehlt qualifiziertes und erfahrenes Personal. Eine Studie der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften BFH‑HAFL zeigt, warum – und wo angesetzt werden kann.

Jeden Sommer bewirtschaften in der Schweiz rund 17’000 Älplerinnen und Älpler etwa 6’500 Sömmerungsbetriebe. Doch viele Alpverantwortliche berichten zunehmend von Schwierigkeiten, die Stellen zu besetzen. Besonders betroffen sind qualifizierte Funktionen mit Verantwortung für Tierhaltung und Käseproduktion.

Leben und arbeiten dort, wo viele sehnsüchtig in der Freizeit hochwandern: Doch warum fällt es immer schwerer, qualifiziertes Personal zu finden? Und weshalb kehren viele erfahrene Älplerinnen und Älpler nicht mehr auf eine Alp zurück? Diesen Fragen sind die Forschenden der BFH‑HAFL gemeinsam mit dem Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) in einer Studie nachgegangen, die nun abgeschlossen ist. Grundlage bilden eine Umfrage unter Alppersonal sowie vertiefende Interviews.

Trotz Idylle: Auf immer mehr Alpen fehlt qualifiziertes Personal. (Foto: Linda Schüpfer)
Trotz Idylle: Auf immer mehr Alpen fehlt qualifiziertes Personal. (Foto: Linda Schüpfer)

Zwischen Alp und Tal

Die Befragung mit insgesamt rund 360 Teilnehmenden kommt zum Schluss: Es ist nicht nur die Arbeit auf der Alp, die eine Herausforderung ist, sondern die Vereinbarkeit der Alpsaison mit dem Leben im Tal. «Wer mehrere Monate im Jahr auf der Alp arbeitet, muss für den Rest des Jahres tragfähige Lösungen finden – beruflich wie privat», sagt Sandra Contzen, Dozentin an der BFH‑HAFL und Mitautorin der Studie. Mit zunehmender Lebensverantwortung – etwa durch Familiengründung – wird diese hybride Lebens‑ und Arbeitsform für viele schwieriger. Hinzu kommt, dass ein Leben auf der Alp in gewissen sozialen Milieus noch immer als eine Art «Aussteigertum» wahrgenommen wird. Diese Faktoren erschweren gemäss Contzen eine Rückkehr.

Auch die Bedingungen auf der Alp selbst rückt die Studie in den Fokus. «Ob das Personal zurückkehrt, hängt auch davon ab, wie die Arbeit organisiert ist. Die Anstellungsbedingungen, die Arbeitsorganisation und das Personalmanagement sind drei relevante Ursachen, dass frühere Angestellte nicht mehr auf die Alpen gehen», resümiert Alexander Röösli, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der BFH‑HAFL und ebenfalls Mitautor der Studie. Wichtig sei den Alpangestellten Wertschätzung, Planungssicherheit, transparente Kommunikation und eine professionelle Personalführung. Nicht zuletzt brauche es auch angemessene Löhne, die sich mit der Erfahrung entwickelten.  

Arbeit auf der Alp muss als qualifizierte Berufserfahrung sichtbarer werden.
Arbeit auf der Alp muss als qualifizierte Berufserfahrung sichtbarer werden. (Foto: Pexels)

Bleibt die Kontinuität des Personals aus, hat das Folgen für die Betriebe. Häufige Personalwechsel führen gemäss Studie zu Wissensverlusten, was die effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen zusätzlich erschwert.

Mögliche hilfreiche Angebote der Branche …

Dem Personalmangel in der Alpwirtschaft lässt sich nur begegnen, wenn mehrere Massnahmen zusammenspielen. Die Studie zeigt, wo angesetzt werden kann. Ein zentraler Hebel liegt im Übergang zwischen Alpsaison und Tal. «Für viele entscheidet sich hier die Rückkehrfrage. Es braucht einerseits bessere Vermittlungsangebote, andererseits eine stärkere Anerkennung der auf der Alp erworbenen Kompetenzen», fasst Contzen zusammen und spricht hier die Alpwirtschaftsbranche an - Vorlagen von Arbeitszeugnissen und andere Dokumente für die Alpverantwortlichen könnten dabei helfen. Ebenso zentral ist, Alparbeit als qualifizierte Berufserfahrung sichtbar zu machen, damit sie auch ausserhalb der Alpwirtschaft am Arbeitsmarkt zählt – etwa über Arbeitszeugnisse und anerkannte Qualifizierungswege.

… und auf den Alpen

Auch auf den Sömmerungsbetrieben selbst lassen sich die Rahmenbedingungen verbessern. Investitionen in Infrastruktur bleiben wichtig, reichen jedoch nicht aus. Wichtig ist, wie die Arbeit organisiert und das Personal geführt wird. «Mit einer lösungsorientierten Kommunikation, die gegenseitige Bedürfnisse berücksichtigt, lassen sich viele Herausforderungen proaktiv angehen. Gezielte Weiterbildungen können Alpverantwortliche in solchen Personalführungsthemen unterstützen», so Röösli.

Die Studie macht deutlich: Ob auf den Schweizer Alpwiesen auch künftig Kühe weiden, entscheidet sich nicht nur auf den Alpen selbst. «Gefragt sind Rahmenbedingungen, die der anspruchsvollen Arbeit des Alppersonals ebenso gerecht werden wie den Anforderungen von Familie, Beruf und Leben im Tal», resümiert Contzen.

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Fachgebiet: Agronomie + Wald