Wie Landwirtschaft klimafit wird

12.06.2026 Wie kann Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen und gleichzeitig mit den Folgen des Klimawandels umgehen? Ein europäisches Forschungsprojekt ist gemeinsam mit Landwirt*innen dieser Frage nachgegangen. Die BFH-HAFL leitete das Projekt in der Schweiz. Nach vier Jahren liegen nun konkrete Ansätze für die Praxis vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klimafitte Landwirtschaft ist möglich, wenn Klimaschutz und Anpassung zusammengedacht und am ganzen Betrieb umgesetzt werden.
  • Austausch und praxisnahes Wissen sind entscheidend, damit Landwirt*innen neue Lösungen übernehmen.
  • Das Projekt ClieNFarms zeigt konkrete Ansätze, wie Betriebe ihre Produktion klimaresilient weiterentwickeln können.

Von Ackerbau über Tierhaltung bis hin zum Gemüseanbau: Im EU-Projekt ClieNFarms arbeiteten Forscher*innen europaweit mit Landwirtschaftsbetrieben zusammen. Ziel war es zu verstehen, welche Klimaschutzlösungen in der Praxis funktionieren – und wie sie umgesetzt werden können.

Ein Blick aufs Ganze

Welche Kulturen werden angebaut? Wie ist die Tierhaltung organisiert? Welche Energie kommt zum Einsatz? In Gesprächen mit Betriebsleiter*innen wurde erfasst, wie unterschiedlich die landwirtschaftliche Praxis ist. Insgesamt flossen über 600 solcher Einblicke in die Analyse ein.

Die erhobenen Informationen wurden systematisch ausgewertet. Dabei kam unter anderem das von der BFH-HAFL entwickelte Nachhaltigkeitstool RISE zum Einsatz. «Mit RISE können wir einen Betrieb ganzheitlich analysieren – von der Produktion über den Ressourceneinsatz bis hin zu Biodiversität oder Arbeitsorganisation», erklärt Jan Grenz, Projektleiter für die Schweiz an der BFH-HAFL. Die neue Version des Tools bietet mehr Transparenz und Flexibilität und unterstützt Höfe dabei, ihre Entwicklung gezielt weiterzuverfolgen.

Ausgewählte Betriebe wurden zudem über vier Jahre hinweg begleitet. Gemeinsam mit ihnen wurden konkrete Massnahmen umgesetzt und ihre Entwicklung auf dem Hof verfolgt.

Landwirtschaft ist Teil der Lösung im Umgang mit dem Klimawandel.
Die Landwirtschaft ist Teil der Lösung im Umgang mit dem Klimawandel. (Bild: Adobe Stock)

Was Veränderungen ermöglicht

Die Auswertungen zeigen drei zentrale Faktoren: Entscheidend ist vor allem Wissen. Landwirt*innen setzen Lösungen eher um, wenn sie verstehen, wie diese funktionieren und welchen Nutzen sie im Alltag bringen.

Ebenso wichtig ist der Austausch untereinander. Wer sich mit anderen Betrieben vernetzt und Erfahrungen teilt, übernimmt neue Ansätze eher für den eigenen Hof. «Wir haben gesehen, dass nicht nur neue Technologien den Unterschied machen, sondern in dem sich die Landwirt*innen austauschen und voneinander lernen», sagt Anna Braun, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der BFH-HAFL.

Gleichzeitig wird deutlich: Klimaschutz lässt sich nicht isoliert betrachten. Es geht immer um den gesamten Betrieb – etwa darum, wie die Arbeit organisiert ist, wie produziert wird und wie Ressourcen eingesetzt werden.

Wer sich mit anderen vernetzt, übernimmt neue Ansätze eher für den eigenen Hof.

  • Jan Grenz Projektleiter für die Schweiz an der BFH-HAFL
Einblicke vor Ort zeigen, wie neue Ansätze umgesetzt werden.
Einblicke vor Ort zeigen, wie neue Ansätze umgesetzt werden: Pyrolyseanlage (Bild: BFH-HAFL)

Wissen teilen, Lösungen testen

Ein zentraler Teil des Projekts bestand darin, Wissen greifbar zu machen und den Austausch zwischen den Bauernhöfen zu fördern. Dazu organisierten die Schweizer Projektpartner verschiedene Veranstaltungen. Landwirt*innen konnten beispielsweise in Stettlen eine Pyrolyseanlage besichtigen, mit der Pflanzenkohle hergestellt wird. In Brunnen erhielten Interessierte Einblicke in den Einsatz von Batteriespeichern – etwa aus wiederverwendeten Batterien aus der Elektromobilität. «Solche Einblicke zeigen konkret, wie neue Ansätze im Alltag umgesetzt werden können», so Anna Braun. In einigen Pilotbetrieben wurden entsprechende Lösungen auch direkt erprobt. Wie solche Veränderungen im Alltag aussehen können, zeigt ein Beispiel aus der Schweiz.

Klimaschutz lässt sich nicht isoliert betrachten. Es geht immer um den gesamten Betrieb.

  • Anna Christina Braun wissenschaftliche Mitarbeiterin an der BFH-HAFL

Ein Betrieb im Wandel

Bei einem Schweizer Biohof brachte die hohe Arbeitsbelastung die Betriebsleiterfamilie an ihre Grenzen. Im Verlauf des Projekts wurde die Produktion angepasst: Die Mutterkuh- und Schafhaltung wurde aufgegeben und mit einem Partnerbetrieb zusammengespannt. «Damit konnte die Arbeitsplanung verbessert werden», erklärt Jan Grenz. Gleichzeitig wurde durch die Zusammenarbeit die Fruchtfolge vielfältiger.

Wissen weiter nutzen

Das Beispiel zeigt: Veränderungen entstehen oft im Austausch und im Zusammenspiel verschiedener Massnahmen. Das im Projekt gesammelte Wissen steht nach Projektabschluss allen zur Verfügung. Auf der Website von ClieNFarms finden Landwirt*innen einen Katalog mit konkreten Lösungen sowie ein Tool, das sie bei der Umsetzung von Klimalösungen unterstützt.

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