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«Digitalisierung ist kein Selbstzweck»
19.10.2026 Gemeinsam mit der Berner Fachhochschule BFH entwickelte Quadra Ligna AG eine digitale Lösung zur Automatisierung eines Arbeitsschritts bei der Renovation historischer Fenster. Nach Projektabschluss wurde die Lösung bei Quadra Ligna weiter ausgebaut. Im Interview spricht Mitinhaber und VR-Präsident Jochen Ganz darüber, was Digitalisierung im Betriebsalltag bewirkt und was andere Holzunternehmen daraus lernen können.
Das Wichtigste in Kürze
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Digitalisierung bietet Holzunternehmen die Chance, betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Qualität ihrer Leistungen sicherzustellen.
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Am Beispiel von Quadra Ligna zeigt sich, dass nicht allein die Automatisierung einzelner Arbeitsschritte, sondern vor allem durchgängige digitale Prozesse Effizienzgewinne ermöglichen.
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Der Praxiskurs «Digitalisierung für Holzunternehmen» der BFH unterstützt Unternehmen dabei, Digitalisierungspotenziale im eigenen Betrieb zu erkennen und nächste Schritte gezielt zu planen.
Ihr nächster Digitalisierungsschritt im eigenen Unternehmen
Wo bietet Digitalisierung im eigenen Betrieb Potenzial und welche Vorhaben sollten Priorität haben? Im Praxiskurs «Digitalisierung für Holzunternehmen» analysieren Sie Ihre eigene Ausgangslage, betrachten mögliche Handlungsfelder aus unterschiedlichen Fachperspektiven und entwickeln daraus Ihren individuellen Digitalisierungs-Fahrplan.
Kursstart: 22. Januar 2027
Mehr erfahren und anmelden: Praxiskurs Digitalisierung für Holzunternehmen
Herr Ganz, welche Rolle spielt Digitalisierung für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens?
Wir wollen immer besser werden! Das bedeutet für uns, unsere Leistung – die Renovation erhaltenswerter Fenster – möglichst effizient und in sehr guter Qualität zu erbringen. Damit begeistern wir unsere Kunden, was unsere Daseinsberechtigung als Unternehmen ist. Die Digitalisierung sehen wir als einen Teil der Lösung auf diesem Weg.
Bei der Renovation historischer Fenster ist vieles individuelle Handarbeit. Wie erkennen Sie, bei welchen Prozessen Digitalisierung oder Automatisierung einen Mehrwert bringen kann?
Das setzt zunächst ein gutes Verständnis der bestehenden Prozesse voraus. Entscheidend ist, den Mitarbeitenden genau zuzuhören und bei ihrer Arbeit aufmerksam zuzuschauen. Im nächsten Schritt geht es darum, vom heutigen Ablauf zu abstrahieren und sich vorzustellen, wie der Prozess mit den Möglichkeiten der Digitalisierung künftig aussehen könnte. Auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, wo Digitalisierung oder Automatisierung tatsächlich einen Mehrwert schaffen.
«Entscheidend ist, den Mitarbeitenden genau zuzuhören und bei ihrer Arbeit aufmerksam zuzuschauen.»
Beim Ausglasen historischer Fenster haben Sie einen solchen Prozess identifiziert und gemeinsam mit der BFH eine digitale Lösung entwickelt. Was war damals aus Sicht von Quadra Ligna ausschlaggebend dafür, genau dort anzusetzen?
Wir hatten ein sehr klares Bild, wie das gehen könnte und sahen die Chance, diesen Prozess um den Faktor 5 effizienter zu machen. Zudem zeigte sich das Team interessiert, wenn auch zunächst skeptisch. Was sicher geholfen hat: Das Herausfräsen der Fensterscheiben ist handwerklich nicht attraktiv und bringt ein Gesundheitsgefährdungspotenzial mit sich, wenn man sich nicht korrekt schützt.
Nach Abschluss des Forschungsprojekts haben Sie die Lösung im eigenen Betrieb weiterentwickelt – unter anderem mit einer neuen App für die Datenaufnahme und der Erweiterung des Prozesses auf weitere Fenstertypen. Was hat Sie zu diesen nächsten Schritten bewogen?
Im Forschungsprojekt konnten wir prototypisch zeigen, wie unsere Vision umsetzbar ist. Mit dieser Basis galt es, den Prozess fertig zu industrialisieren und für unsere tägliche Arbeit masszuschneidern.
Welche Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag sind in diese Weiterentwicklung eingeflossen – und welche Rolle spielten dabei Ihre Mitarbeitenden?
Die Mitarbeitenden mit an Bord zu holen, ist zentral. Wenn etwas nicht so genutzt wird wie vorgesehen, gilt es zu klären, woran das liegt: Wurde die Lösung nicht optimal implementiert, besteht ein Missverständnis oder muss eine Vorgabe konsequenter durchgesetzt werden?
Dieser Prozess ist nie wirklich abgeschlossen. Im Team entstehen immer wieder neue Ideen, wie sich Abläufe weiter verbessern lassen.
Was hat sich durch die Digitalisierung dieses Prozesses im betrieblichen Alltag konkret verändert? Wo sehen Sie heute den grössten Nutzen?
Wir sind ein sehr handwerklich orientierter Betrieb mit einer über 45-jährigen Tradition. Arbeitet nun plötzlich ein oranger Industrieroboter mit, verändert das bereits das Selbstverständnis des Betriebs erheblich.
Was dabei gerne übersehen wird: Der Roboter ist nur die sichtbare, physische Manifestation der Digitalisierung. Genauso wichtig ist der digitale Workflow, der sich durch das ganze Unternehmen zieht – erst das erlaubt den grossen Effizienzsprung.
Was haben Sie aus diesem Prozess für weitere Digitalisierungsvorhaben bei Quadra Ligna gelernt? Gibt es heute Dinge, die Sie anders angehen würden als zu Beginn?
Natürlich lernt man immer dazu. Ich glaube aber nicht, dass wir mit dem damaligen Kenntnisstand etwas fundamental anders machen würden.
«Der Roboter ist nur die sichtbare, physische Manifestation der Digitalisierung.»
Viele Holzunternehmen sehen Möglichkeiten für Digitalisierung, wissen aber nicht unbedingt, wo sie anfangen sollen. Was würden Sie einem KMU empfehlen, das seinen nächsten Digitalisierungsschritt angehen möchte?
Etwas plakativ formuliert: Wenn ich mir die digitalisierten Holzbauunternehmen anschaue, dann habe ich den Eindruck, dass primär verlagert wird – von der Produktion ins Büro. Damit verschenkt man eine grosse Chance, wirklich effizienter zu werden.
Grundsätzlich ist die Digitalisierung kein Selbstzweck: Man muss den Blick aufs Ganze haben – sowohl was die eigenen Prozesse als auch was die Optimierungsoptionen betrifft. Ich bin als Maschinenbauingenieur selbst branchenfremd. Der Blick über den Tellerrand, zum Beispiel in die Maschinenindustrie, kann sehr inspirierend sein!
Über Quadra Ligna AG
Quadra Ligna ist auf die Renovation und Rekonstruktion historischer Fenster spezialisiert. Dabei verbindet das Unternehmen traditionelles Handwerk mit modernen Technologien und entwickelt Lösungen für den Erhalt historischer Fenster.
Mehr erfahren: quadraligna.ch