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«Innovation entsteht, wo Theorie und Praxis zusammenkommen»

02.02.2026 Yacine Michaelis arbeitet als Experte für Entrepreneurship an der BFH-TI. Als ehemaliger Präsident des Vereins «Startup Weekend Schweiz» und Experte bei der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» ist der 37-Jährige breit vernetzt. Die Energie der Menschen, die mit ihrer Idee die Welt verändern wollen, treibt ihn bei seiner Arbeit an.

«Neugier, Eigeninitiative und kritisches Denken fördern»: Yacine Michaelis begleitet Studierende auf ihrem Weg zur unternehmerischen Tätigkeit. (Foto: Guy Perrenoud) Bild vergrössern
«Neugier, Eigeninitiative und kritisches Denken fördern»: Yacine Michaelis begleitet Studierende auf ihrem Weg zur unternehmerischen Tätigkeit. (Foto: Guy Perrenoud)

Herr Michaelis, Sie sind an der BFH-TI Experte für Entrepreneurship. Was genau tun Sie in dieser Funktion?

Ich begleite Studierende, Mitarbeitende und Forschende auf ihrem Weg, unternehmerisch tätig zu sein – sei es bei der Gründung eines Start-ups oder beim Vorantreiben einer Innovation. Ein wichtiger Faktor meiner Arbeit ist das Networking. Einerseits bringe ich mein Netzwerk ein, andererseits zeige ich auf, welche Förderangebote in der Schweiz bestehen. Ich verstehe mich als Sparringspartner, schärfe im Rahmen von Modulen und Coachings Projektideen und unterstütze bei Geschäftsmodellen und Marktchancen.

Welche Fähigkeiten wollen Sie weitergeben?

Ich möchte Neugier, Eigeninitiative und kritisches Denken fördern. Angehende Unternehmer*innen sollen Chancen erkennen sowie mit Unsicherheiten, Fehlern und Rückschlägen umgehen können. Entrepreneurship ist eine Haltung. Der Wille, zu gestalten, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten.

Was macht diese Haltung aus?

Der Unternehmergeist ist das, was die Menschen von sich aus mitbringen sollten. Es geht um Eigeninitiative und um die Verantwortung für die eigenen Ideen. Ich arbeite seit ungefähr 15 Jahren mit Start-ups zusammen. Unternehmer*innen wollen etwas bewegen, etwas Sinnstiftendes tun. Sie sind lösungsorientiert, wollen Sachen gestalten und handeln auch mal pragmatisch. Solche Menschen treiben mich an, unabhängig von ihrer Idee. Ihre Einstellung, mit ihrer Idee, die Welt im Grossen oder im Kleinen zu verändern, ist unheimlich inspirierend und gibt mir Energie.

Die BFH ist eng mit der Wirtschaft und den Unternehmen verbunden. Warum ist das wichtig?

Innovation entsteht dort, wo Theorie und Praxis zusammenkommen. Die BFH-TI arbeitet in der Praxis eng mit der Wirtschaft und den Unternehmen zusammen und vermittelt als Hochschule Theorie und Wissenschaft. Die Studierenden an der BFH lernen bereits während des Studiums, gemeinsam mit Industriepartnern Projekte umzusetzen und Lösungen zu entwickeln. Und für die Unternehmen ist es wertvoll, Zugang zu den wissenschaftlichen Kompetenzen zu haben. Das schafft einen Mehrwert für beide. Im grösseren Kontext geht es auch darum, Arbeitsplätze und Innovationen zu schaffen. Die Start-ups, die aus der BFH entstehen, tragen dazu bei. In den letzten sieben bis acht Jahren sind ungefähr 25 Start-up-Projekte, die sich in verschiedenen Phasen befinden, aus der BFH-TI hervorgegangen.

«Angehende Unternehmer*innen sollen Chancen erkennen sowie mit Unsicherheiten, Fehlern und Rückschlägen umgehen können..»

  • Yacine Michaelis Experte Entrepreneurship

Auf welches davon sind Sie besonders stolz?

Da gibt es viele. Eines davon möchte ich besonders hervorheben, weil mich das Engagement der Forschenden beeindruckt. Wissenschaftler*innen der BFH-TI entwickelten das Produkt «Pace Locator», das die Implantation von Herzschrittmachern einfacher und sicherer macht. Als sie das Produkt lancierten, passte es nicht. Die Ärzt*innen und Spitäler brauchten etwas anderes. Wenn so etwas passiert, gibt es drei Möglichkeiten: Aufgeben, die Idee durchzusetzen versuchen oder Produkt und Geschäftsmodell anpassen. Die Forschenden haben sich für Letzteres entschieden. Mich faszinierten die Geschwindigkeit und die Energie, die alle Beteiligten an den Tag legten. Das Start-up ist aus einem Forschungsprojekt der BFH-TI entstanden und wird von der Gebert Rüf Stiftung finanziert. Für solche Finanzierungen sehen wir an der BFH grosses Potenzial.

Was meinen Sie damit?

Es zeichnet sich ein Muster ab: Projekte von Masterstudierenden, die gleichzeitig bei uns an der Fachhochschule in einem Forschungsprojekt mitarbeiten, haben gute Chancen, eine Finanzierung der Stiftung zu erhalten. Die Arbeiten entwickeln sich aus der Forschungsrichtung: Basierend auf solchen Masterarbeiten haben wir in den letzten vier Jahren acht von zehn Förderungen erhalten.

Welche weiteren Angebote gibt es an der BFH-TI, in denen unternehmerisches Denken und Handeln gefördert wird?

Die Angebote sind vielfältig. «Inspire Inside» zum Beispiel ist ein Programm für Mitarbeitende, in dem sie im Rahmen ihrer Anstellung an einer Start-up-Idee arbeiten können. Dann organisieren wir regelmässig Start-up-Lunches für Studierende und Mitarbeitende und laden Gründer*innen ein, die über ihre Erfahrungen berichten. Weiter gibt es Wahlmodule wie zum Beispiel «Kickstart your idea» oder die «Start-up Summer School», die wir mit dem Departement Wirtschaft organisieren. Die Studierenden arbeiten dabei während einer Woche intensiv an einer Idee. Am Ende präsentieren sie ihr Projekt vor echten Investor*innen und Expert*innen. Das fand diesen Sommer zum zweiten Mal statt. Im ersten Jahr wurden drei oder vier Projekte von gesamthaft sieben weiterentwickelt – teilweise im Rahmen von studentischen Arbeiten.

Zusammenarbeit mit Youngpreneurs

Die BFH-TI arbeitet seit Herbst 2025 mit Youngpreneurs zusammen. Sie führt das Nachwuchsförderungsprogramm für angehende Unternehmer*innen durch, das verschiedene Schulen als Wahlfach anbieten. Die BFH-TI sieht in dieser Zusammenarbeit grosses Potenzial. Sie bringt engagierte Jugendliche mit technischen Ausbildungen in Kontakt, was die BFH als Treiber von Innovation sieht.

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