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Wie von Zauberhand: Selbstorganisation in Supervision und Coaching
16.02.2026 Selbstorganisation klingt nach Flow, ist aber oft ein Balanceakt zwischen Chaos und Kreativität. In Systemischer Supervision und Systemischem Coaching zeigt sie sich als Kunst des Loslassens: Raum halten statt steuern, Fragen stellen statt Lösungen liefern – damit sich auf wundersame Weise neue Lösungen finden können.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit Systemischer Supervision und Systemischem Coaching entstehen tragfähige Lösungen aus dem Prozess heraus – auch wenn der Weg dorthin oft unsicher, chaotisch und ungewohnt ist.
- Supervisor*innen und Coaches steuern nicht, sondern halten den Raum: durch Zurückhaltung, neugierige Fragen, Aushalten von Stille und Vertrauen in die Eigenkompetenz der Beteiligten.
- Vertrauen und Sicherheit, ein klarer Rahmen bei gleichzeitigem Loslassen, Fehlertoleranz sowie kontinuierliche Reflexion fördern gelingende Selbstorganisation.
Selbstorganisation klingt nach Flow und nach Teams, die sich wie von selbst koordinieren und Entscheidungen treffen. In der Praxis ist es manchmal eher wie die spontane Suche nach einem Restaurant auf einer Gruppenreise: chaotisch, kreativ, phasenweise anstrengend – und am Ende gibt es trotzdem irgendwie etwas zu essen.
In komplexen Arbeitswelten, die von Wandel, Unsicherheit und hoher Eigenverantwortung geprägt sind, gewinnen Selbstorganisationsprozesse zunehmend an Bedeutung. Die Fähigkeit der Selbstorganisation sozialer Systeme ist ein Grundpfeiler der Systemischen Supervision und des Systemischen Coachings. Doch wie organisieren sich Menschen, Teams und Organisationen selbst? Was ist die Aufgabe von Supervisor*innen und Coaches? Wie können sie diese wundersamen Prozesse sinnvoll begleiten und unterstützen? Wer mit einer systemischen Haltung arbeitet, weiss: Die besten Lösungen entstehen oft dort, wo niemand sie vorgegeben hat. Der Weg dahin ist meist gleichermassen spannend wie auch herausfordernd, denn mit Ungewissheit umzugehen, ist für viele ungewohnt. Manchmal entsteht dabei das Gefühl, sich völlig verirrt zu haben.
DAS/MAS Systemische Supervision und Systemisches Coaching
Nächster Start im Juni 2026
Was ist Selbstorganisation?
Selbstorganisation beschreibt die Fähigkeit von Systemen – seien es Individuen, Gruppen, Teams oder Organisationen, sich ohne zentrale Steuerung zu strukturieren, zu steuern und auf Veränderungen zu reagieren. Dabei entstehen Strukturen, Muster und Lösungen nicht durch externe Vorgaben, sondern durch die Interaktion innerhalb des Systems selbst. Klingt gut? Ist es auch. Aber es bedeutet, Kontrolle abzugeben, Prozesse zuzulassen und Geduld zu haben. Dabei kann die Versuchung gross sein: Ein kluger Impuls hier, ein hilfreicher Vorschlag dort – und schon ist man mitten im Steuerungsmodus. Dabei lebt Selbstorganisation gerade davon, dass sich Lösungen aus dem System selbst entwickeln, denn systemisch betrachtet ist Selbstorganisation kein Ausnahmezustand, sondern ein Grundprinzip lebendiger Systeme.
Die hohe Kunst der Zurückhaltung
Supervisor*innen und Coaches sind trainiert darin, Muster zu erkennen und Dynamiken zu deuten. Die Herausforderung: Das System organisiert sich nicht, wenn jemand ständig die Richtung zeigt – auch nicht , wenn der- oder diejenige dies mit den besten Absichten tut. Das macht Zurückhaltung zu einer hohen Kunst. Sie bedeutet, den Raum zu halten, statt ihn zu füllen, Stille auszuhalten, Fragen zu stellen, statt Antworten zu geben, zu beobachten statt zu bewerten und mit all dem die Supervisand*innen und Coachees auf ihren eigenen Erkundungswegen zu unterstützen.
Die Dozierenden haben uns systemisch begleitet, was in der Praxis bedeutet: Sie haben uns sorgsam ins Ungewisse geschickt, uns mit klugen Fragen verwirrt und dann ganz entspannt zugeschaut, wie wir uns selbst organisieren. Überraschend: Es hat funktioniert!
Was fördert gelingende Selbstorganisation?
Um die Selbststeuerungskräfte von Supervisand*innen und Coachees zu stärken und deren systemeigene Dynamiken zu unterstützen, sind bestimmte Rahmenbedingungen unabdingbar:
Vertrauen und Sicherheit
Durch eine wertschätzende Haltung, ein transparentes Vorgehen und eine verantwortungsvolle Verlässlichkeit bieten Supervision und Coaching Menschen einen sicheren Raum, um neue Denk- und Handlungsansätze auszuprobieren.
Struktur und Loslassen
Systemische Supervisor*innen und Coaches bieten einen klaren Rahmen, ohne unnötig zu übersteuern. Auch wenn es chaotisch wirkt, müssen sie innerlich loslassen. Nur wer freie Hände hat, kann Dinge auffangen, die sonst zwischen die Stühle fallen.
Fehlertoleranz und Lernkultur
Selbstorganisation bedeutet auch: ausprobieren, scheitern, abschütteln und nochmal anfangen. Eine Kultur, die Noch-nicht-Gelungenes als Lernchance versteht, fördert die Entwicklung und stärkt die Eigenverantwortung.
Reflexion als Superkraft
Die Systemische Supervision und das systemische Coaching unterstützen die Fähigkeit, das eigene Handeln zu beobachten und zu hinterfragen – sowohl individuell als auch im Team. Wenn das System sich selbst beobachtet, wird es spannend. Fragen wie «Was passiert hier gerade?» oder «Was bedeutet das für uns?» lenken die Aufmerksamkeit und bringen behutsam Bewegung in den Prozess.
Die Rolle guter Gastgeber*innen
Systemisch arbeitende Supervisor*innen und Coaches sind keine Dirigent*innen, sondern eher wie gute Gastgeber*innen: In der Balance zwischen Zurückhaltung und Strukturierung halten sie den Raum, bieten Impulse an und laden zur Reflexion ein. Damit agieren sie als aussenstehende Ermöglicher*innen, nicht als eigenmächtige Problemlöser*innen. Auf der Suche nach einem Unterschied, der einen Unterschied macht, vertrauen systemisch arbeitende Supervisor*innen und Coaches darauf, dass Lösungen aus dem System selbst entstehen können, wenn hilfreiche Fragen gestellt und passende Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Kein Zaubertrick, aber ziemlich magisch
Selbstorganisationsprozesse sind lebendig, manchmal chaotisch, oft überraschend und fast immer lehrreich. In der Supervision und im Coaching geht es darum, diese Prozesse sichtbar zu machen, zu stärken und zu begleiten – mit einer systemischen Haltung, mit neugierigen Fragen und mit dem Vertrauen in die Fähigkeit von Menschen und Teams, sich selbst zu organisieren, denn oft entstehen die besten Lösungen dort, wo niemand sie vorgegeben hat.