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«Es geht um positive Wirkung für die Gesellschaft»
14.10.2026 Als engagierte Hochschule fördert die BFH das Unternehmertum. Was das bedeutet und wie die Gesellschaft davon profitiert, erklären Christine Geissbühler und Lorenz Probst vom BFH-Entrepreneurship Office.
Das Wichtigste in Kürze
- Die BFH versteht unter Entrepreneurship eine Haltung, die darauf zielt, wirksame Lösungen für gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Herausforderungen zu finden.
- Unternehmerisches Handeln geht über Unternehmensgründungen hinaus; es zeichnet sich aus durch Neugier, Eigeninitiative und den Mut, neue Wege.
- Das Entrepreneurship Office bietet gezielte Unterstützung für Studierende, BFH-Mitarbeitende und externe Interessenten mit unternehmerischen Fragestellungen.
Die BFH setzt auf Entrepreneurship. Warum ist das so? Und was steckt hinter dem Begriff?
Christine Geissbühler: Entrepreneurship bedeutet für uns an der BFH, Chancen und Ideen in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Mehrwert zu verwandeln und Wirkung zu erzielen. Es geht darum, mit Kreativität und kritischem Denken Herausforderungen zu lösen und dabei Verantwortung zu übernehmen, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen zu beweisen.
Lorenz Probst: Dadurch stellen wir der Gesellschaft unsere Forschungs- und Innovationskraft zur Verfügung. Neue Produkte, Prozesse oder gar Arbeitsplätze entstehen. Aber: Unternehmerisches Handeln beschränkt sich nicht auf die Gründung neuer Unternehmen – für uns ist für uns eine Form des gesellschaftlichen Engagements, dem wir uns als Hochschule verpflichtet fühlen.
Wo steht die BFH bezüglich Entrepreneurship heute?
Lorenz Probst: Mitarbeitende und Studierende finden bei uns und den Entrepreneurship Facilitators in den Departementen zunächst einmal Beratung, aber auch Unterstützung mit Infrastruktur, bei der Suche nach Partnern oder Finanzierung. Auch externe Gründer*innen gelangen an uns, weil sie ihr Vorhaben gemeinsam mit BFH-Fachpersonen weiterentwickeln wollen. Wir arbeiten eng mit der Standortförderung Bern zusammen.
Christine Geissbühler: In der Internationalen GUESS-Studie (Global University Entrepreneurial Spirit Students’ Survey) spielt die BFH im Schweizer Vergleich ganz weit vorne mit. In solchen Rankings zählen messbare Kriterien, wie die Anzahl von Spin Offs. Dies widerspiegelt aber nur die halbe Ernte unserer Tätigkeit, denn Erfolg zeigt sich nicht allein in Unternehmensgründungen. Ebenso wichtig sind die Absolvent*innen, die in Unternehmen und Organisationen mit unternehmerischem Denken Herausforderungen kreativ lösen und die Zukunft aktiv mitgestalten. Genau diese Kompetenzen will die BFH künftig noch gezielter fördern.
Wie soll das Entrepreneurship noch stärker gefördert werden?
Lorenz Probst: Es beginnt beim Begriffsverständnis. Entrepreneurship ist keine Branche und keine Rechtsform, sondern eine Haltung. Es geht darum, Probleme, die für einzelne Gruppen oder die Gesellschaft relevant sind, zu identifizieren und sie zu verstehen, um darin Möglichkeiten und Chancen zur Veränderung und Verbesserung zu erkennen. Um dann mit einer Vielzahl von potenziellen Beteiligten Lösungen zu entwickeln.
Christine Geissbühler: Entrepreneurship soll noch stärker Teil der BFH-Kultur werden. Dazu gehören Neugier, Eigeninitiative und der Mut, neue Wege zu gehen. Eine solche Haltung entsteht allerdings nicht allein durch Appelle. Wir müssen auch die Rahmenbedingungen so weiterentwickeln, dass unternehmerisches Handeln im Hochschulalltag möglich und attraktiv wird: indem wir Innovation und Wirkung sichtbarer machen, entsprechende Leistungen anerkennen und Freiräume für die Zusammenarbeit mit Praxispartnern schaffen. So kann Entrepreneurship in der Breite gelebt werden und Wirkung entfalten.
Über die Interviewpartner*innen
Christine Geissbühler und Lorenz Probst sind Co-Leitende des Entrepreneurship Office der BFH.
Sie sind Ansprechstelle für alle Anliegen zu den Themen Entrepreneurship, Spin-off, Start-up und Gründung. Dabei spielt es keine Rolle, wie weit die Vorhaben im unternehmerischen Prozess fortgeschritten sind. Das Entrepreneurship Office unterstützt bei jedem Schritt: von der Problemanalyse über die Ideengenerierung und Geschäftsmodellierung bis hin zur Gründung.
Die BFH bietet auch eine Heimat für Start-ups und Spin-offs und damit einen einfachen Zugang zu fachlicher Expertise und Infrastruktur.
Wie wird diese Haltung für die Studierenden spürbar?
Christine Geissbühler: In der Aus- und Weiterbildung spielt Challenge Based Learning eine Schlüsselrolle. Das bedeutet, dass man nicht beliebige Aufgaben aus dem Lehrbuch löst, sondern reale Herausforderungen von Unternehmen, Organisationen und anderen Praxispartner*innen der BFH. Die Studierenden lernen im Dialog mit Betroffenen Probleme zu verstehen und daraus Chancen zu erkennen, Problemlösungen zu generieren und zu validieren. Um dann umzusetzen und wenn nötig anzupassen. Das sind die Erfahrungen, wo sie am meisten lernen im Studium.
Lorenz Probst: Ein schönes Beispiel ist Lucas Renfer, ein Alumne des Departements Technik und Informatik. Basierend auf seiner Master-Thesis gründete er das Spin off Auto Mate. Auto Mate entwickelt benutzerfreundliche Roboterlösungen, die ohne Code-Kenntnisse bedient werden können. Das soll die Wettbewerbsvorteile der Automatisierung auch für KMU nutzbar machen. Diese Nähe zur Praxis plus die Verknüpfung mit der Forschung positioniert die Fachhochschulen einzigartig und besser als andere Bildungsinstitutionen für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen.
Inwiefern zeigt sich Unternehmertum in der Forschung?
Lorenz Probst: In der Forschung liegt der Schlüssel im Einbezug von Praxispartner*innen und ganz allgemein den Gruppen, die von der zu entwickelnden Lösung profitieren sollen. Werden diese frühzeitig und auf Augenhöhe einbezogen, fördert dies den so genannten problem-solution-fit. Eine der grössten Fallen im Entrepreneurship lauert nämlich, wenn ich das Problem nicht richtig verstanden habe. Dann wird die Lösung nicht zur Praxis passen. Oder aber ich habe eine Lösung im Visier, die aber nicht die wirklich relevanten Herausforderungen der Praxis adressiert.
Christine Geissbühler: Unternehmerisches Denken ist in der Forschung auch deshalb wichtig, weil Projekte und Finanzierungen irgendwann enden, Forschende vielleicht auch weiterziehen. Damit die gefundenen Lösungen dann auch in der Breite Wirkung erzielen, braucht es oft weitere Schritte. Ein aktuelles Beispiel ist die neu gegründete AgriAqua AG, die eine an der HAFL entwickelte Bewässerungslösung für Landwirte dauerhaft nutzbar macht. Durch Entrepreneurship kommt Forschung in Form von Innovationen und Prozessen in die Gesellschaft.
Was ist eure Vision von der unternehmerischen Hochschule BFH?
Christine Geissbühler: Wir wollen noch mehr Studierenden Erfahrungen mit Entrepreneurship ermöglichen. Entrepreneurship soll eine Selbstverständlichkeit werden. Nochmal: es geht nicht nur um Unternehmensgründungen. Wenn unsere Kolleg*innen im Departement Soziale Arbeit erfolgreich neue Ansätze zur Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen entwickeln und diese in der Breite angewandt werden, dann ist das auch unternehmerisch.
Lorenz Probst: In der unternehmerischen Hochschule steht der Impact im Vordergrund, also die positive Wirkung für die Gesellschaft. Natürlich werden Prüfungen, Noten und Publikationen für uns als Hochschule immer relevant bleiben. Doch das Engagement für die Gesellschaft und der Impact sind ebenso wichtige Zielgrössen und Massstäbe einer unternehmerischen Hochschule.
Was motiviert euch persönlich, euch immer wieder für Entrepreneurship zu engagieren?
Christine Geissbühler: Wenn ich bei Studierenden spüre, dass eine Idee da ist, die umgesetzt werden will - dieses Leuchten in den Augen berührt mich. Wenn junge Menschen grosse Projekte anpacken, von der Finanzierung bis zur Ausführung, geht es auch um Selbstwirksamkeit: Dass sie die Zuversicht haben, mit ihren Fähigkeiten Probleme zu lösen und die Welt zu gestalten, das ist gerade in der heutigen Zeit unheimlich wertvoll und stimmt mich optimistisch.
Lorenz Probst: Mich fasziniert, täglich mit inspirierten Leuten zusammenkommen, die Ideen haben und etwas umsetzen wollen. Ich lerne Sachen kennen, von denen ich gar nicht ahnte, dass es sie gibt. Wer weiss, vielleicht hat ja auch jemand, die oder der dieses Interview liest eine Idee und meldet sich bei uns auf der Suche nach Unterstützung. Uns würde es freuen.