Ausbildungsbedarf an Hebammen Kt. Basel-Stadt

Die BFH hat im Auftrag des Kantons Basel-Stadt den Bestand und Bedarf an Hebammen, Studierenden und Praktikumsplätzen analysiert – für eine sichere Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Steckbrief

Ausgangslage

Um eine sichere und zufriedenstellende Betreuung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu gewährleisten, ist eine ausreichende Anzahl an Hebammen erforderlich. Ein Personalmangel kann die Qualität der mütterlichen und neonatalen Versorgung erheblich beeinträchtigen, wie Studien mit Schweizer Daten zeigen (Abderhalden-Zellweger et al., 2024; de Labrusse et al., 2022; Grylka-Baeschlin et al., 2025). Zahlreiche Studien weisen zudem darauf hin, dass die Versorgungsqualität das Geburtserlebnis und damit langfristig auch die psychische Gesundheit der Mütter und ihrer Kinder beeinflussen kann (Bohren et al., 2017; Meyer et al., 2022; Oelhafen et al., 2021). Die Berufszufriedenheit von Hebammen ist ein zentraler Faktor für die langfristige Sicherung der Versorgung: Höhere Zufriedenheit geht nachweislich mit längerer Berufsverweildauer und geringerem Fachkräftemangel einher (Bloxsome et al., 2019; Peter et al., 2021). Im Kanton Basel-Stadt wurde die Wichtigkeit des Angebots an Praktikumsplätzen für die Ausbildung von Hebammen erkannt. Aufgrund fehlender nationaler und kantonaler Zahlen wurde die Notwendigkeit erkannt, den Bestand und den Bedarf an Hebammen, Hebammen in Ausbildung und Praktikumsplätzen zu evaluieren.

Vorgehen

Zur Erreichung der Projektziele wurden quantitative und qualitative Methoden kombiniert. Die Datenerhebung umfasste öffentlich zugängliche Statistiken zu Bevölkerung, Geburten und Hebammenbestand, Daten des Schweizerischen Hebammenverbands (SHV) sowie Informationen der Berner Fachhochschule (BFH) und der ZHAW zu Studierendenzahlen und Praktikumsplätzen. Ergänzend wurden Fragebogendaten von drei geburtshilflichen Institutionen (Universitätsspital Basel, Bethesda Spital, Geburtshaus Matthea) erhoben. Interviews mit Vertreterinnen dieser Institutionen sowie mit Familystart beider Basel, der SHV-Sektion Beide Basel und der BFH lieferten vertiefte Einblicke in die Versorgungssituation und die Praktikumsbewirtschaftung. Die quantitativen Daten wurden statistisch analysiert, um den zukünftigen Bedarf an Hebammen, Studierenden und Praktikumswochen zu prognostizieren. Die qualitativen Interviews wurden transkribiert, ausgewertet und thematisch gegliedert, um Einschätzungen der Expertinnen und institutionelle Perspektiven zu erfassen.

Ergebnisse

Der aktuelle Hebammenbestand im Kanton Basel-Stadt reicht nur knapp aus, um den bestehenden Bedarf zu decken. Im stationären Bereich sind rund 150 Hebammen tätig, im ambulanten etwa 119. Die Rekrutierung erfolgt häufig über Berufseinsteigerinnen oder Fachkräfte mit ausländischem Diplom. Belastungsspitzen und personelle Ausfälle stellen eine erhebliche Herausforderung dar. Während die ambulante Versorgung grundsätzlich gewährleistet ist, treten insbesondere in Ferienzeiten Engpässe auf. Prognosen bis 2033 lassen eine moderate Zunahme des Hebammenbestands erwarten – vor allem durch eine steigende Zahl an Studienabgängerinnen. Gleichzeitig könnten Entwicklungen wie frühere Spitalaustritte oder eine verstärkte Nachfrage nach hebammengeleiteter Geburtshilfe auch den Bedarf erhöhen. Auch bei den Praktikumsplätzen zeigt sich ein leichter Mangel. Schwankungen in der Verfügbarkeit von Berufsbildnerinnen erschweren eine verlässliche Planung. Eine langfristige Sicherung und bedarfsgerechte Erweiterung der Praktikumsangebote erscheint daher dringend geboten.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 3: Gesundheit und Wohlergehen