RESPOND – Massnahmen auf geschlechtsspezifische Gewalt
Das Projekt untersucht, wie Pflegefachpersonen und weitere Gesundheitsfachpersonen im Deutschschweizer stationären Gesundheitswesen mit gewaltbetroffenen Frauen umgehen.
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Gesundheit
- Institut(e) Pflege
- Forschungseinheit(en) Innovationsfeld Psychische Gesundheit und Psychiatrische Versorgung
- Förderorganisation Andere
- Laufzeit (geplant) 01.03.2026 - 31.03.2029
- Projektleitung Karin McEvoy
- Projektmitarbeitende Karin McEvoy
- Partner Uni Bern
Ausgangslage
Geschlechtsspezifische Gewalt stellt ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit dar, von der weltweit etwa jede dritte Frau und in der Schweiz jede fünfte Frau betroffen ist. Geschlechtsspezifische Gewalt kann schwerwiegende körperliche, psychische und soziale Folgen nach sich ziehen. Es ist nach wie vor unklar, wie Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsfachkräfte in europäischen Spitälern wirksam auf geschlechtsspezifische Gewalt reagieren und inwiefern organisatorische Rahmenbedingungen ihre Reaktionen beeinflussen. Europäische Gesundheitssysteme kämpfen nach wie vor mit strukturellen Lücken: Versorgungspfade, Protokolle und Überweisungswege sind häufig nicht vorhanden oder zu wenig harmonisiert. Dies kann zur Folge haben, dass Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsfachkräfte in der Praxis auf ein fragmentiertes System treffen, was die Anwendung von Wissen und Kompetenzen in der Betreuung von Betroffenen geschlechtsspezifischer Gewalt zusätzlich erschwert.
Vorgehen
Dieses Projekt zielt darauf ab, den Umgang von Pflegefachpersonen und weiteren Fachpersonen mit gewaltbetroffenen Frauen hinsichtlich (1) der klinischen Umsetzung im Alltag, organisationale Strategien innerhalb der Organisation, Überweisungsstrategien und Zusammenarbeit mit spitalexternen Stellen, sowie kontextuale Faktoren im deutschschweizer stationären Gesundheitswesen zu untersuchen. Das Projekt ist dreiteilig aufgebaut. Scoping Review: Zuerst erstellen wir eine literaturbasierte Übersicht mit dem Fokus auf das europäische stationäre Gesundheitswesen, die als Grundlage für die weiteren Schritte dient. 2. Qualitative Interviews: Anschliessend führen wir bis zu 30 Einzelinterviews und Fokusgruppeninterviews mit Expertinnen durch. Die Gespräche decken folgende Themenbereiche ab:Klinische Umsetzung im Alltag, Organisationale Strategien innerhalb der Institution, Überweisungsstrategien und Zusammenarbeit mit spitalexternen Stellen, Kontextuale Faktoren im Gesundheitssystem. Im Fokus steht dabei, wie Fachpersonen vorgehen, welchen Herausforderungen sie begegnen, welche Faktoren ihre Arbeit erleichtert und inwiefern Führungspersonen und Organisationskultur dazu beitragen können. 3. Entwicklung des Schulungsprogramms: Auf Basis der erhobenen Daten wird ein digitales Schulungsprogramm für Pflegefachpersonen der Deutschschweiz entwickelt.
Ergebnisse
Die Projektergebnisse beleuchten drei zentrale Dimensionen: (1) Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Reaktionsmustern europäischer und deutschschweizer stationärer Gesundheitsorganisationen, (2) systemische und organisatorische Faktoren, die eine optimale Versorgung von Betroffenen geschlechtspezifischer Frauen begünstigen oder behindern, sowie (3) bestehende Forschungslücken im Feld. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen in zwei konkrete Vorhaben ein: die Entwicklung künftiger Forschungsschwerpunkte und die Entwicklung eines digitalen Schulungsprogramms für Pflegefachpersonen in Deutschschweizer Spitälern.