Zwischen Konversation und Urlaut – Studien zum musikalisierten Sprechen im Composed Theatre des 21. Jahrhunderts mittels musikwissenschaftlicher und phonetischer Methoden

Das Projekt untersucht Strategien der Musikalisierung von gesprochener Sprache und Sprechstimme im avancierten Musiktheaterder letzten 50 Jahre und beleuchtet Rolle und Funktion des Autors, des Interpreten und des Rezipienten.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Intersections de la musique contemporaine
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée 01.12.2012 - 31.12.2015
  • Responsable du projet Xavier Dayer
  • Direction du projet Xavier Dayer
  • Équipe du projet Daniela Pedemonte
    Leopold Dick
    Cyrill Lim
    Kostis Dimos
  • Partenaire LMU München, Institut für Phonetik
    Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Musik, Musik Akademie Basel
    IRCAM Sound analysis-synthesis
    Universität Bern, Institut für Musikwissenschaft
    ULC Speech, hearing and phonetic sciences
    Phonetisches Laboratorium, Institut für Computerlinguistik, Universität Zürich
    Schweizerischer Nationalfonds SNF
  • Mots-clés Neues Musiktheater, Sprechstimme, gesprochene Sprache, experim. Phonetik, Wahrnehmung

Situation

Ein zentrales Experimentierfeld des zeitgenössischen Composed Theatre ist die Suche nach einem musikalisierenden Umgang mit der Sprechstimme bzw. mit Sprechklang und Sprechvortrag als szenischem Parameter. Hierin steht es in der Tradition der klassischen Sprechkünste: Zwar gliedert sich die Sprechpraxis im Composed Theatre nicht etwa in ein klassisches ästhetisches Bezugssystem der gehobenen Rede oder Rhetorik ein, sondern experimentiert scheinbar ganz frei mit Lautsprachlichkeit in all ihren elementaren und soziokulturellen Facetten. Gleichwohl haben sich – bei aller experimentellen Heterogenität – seit den sechziger Jahren gewisse kompositorische, aufführungspraktische und wirkungsästhetische Stilprinzipien und Konventionen verfestigt, die als genretypisch gelten dürfen. Das Forschungsprojekt Zwischen Konversation und Urlaut unternimmt den Versuch, einige dieser Merkmale aus wissenschaftlicher Perspektive genauer zu fassen.

Approche

Bei der Untersuchung dieser Thematik tut sich die Musikwissenschaft alleine schwer: Mit einem bisher noch verhaltenen performative turn vollzieht die Disziplin langsam auf theoretischem Gebiet nach, was in der künstlerischen Praxis der Neuen Musik bereits seit den fünfziger Jahren zur Diskussion gestellt wurde: die Hinwendung zu einer Auffassung vom Musizieren nicht nur als Umsetzung symbolischer Klangstrukturen, sondern als performativem Akt ritualisierter sozialer Interaktion zwischen Akteuren auf der Bühne sowie zwischen Bühne und Publikum. Erst methodische Anleihen bei benachbarten geisteswissenschaftlichen Disziplinen und darüber hinaus eine interdisziplinäre Kooperation mit anderen Fachgebieten ermöglichen eine adäquate Auseinandersetzung mit dem Sprechen als musikalischer Performance. Das vorliegende Projekt geht in dieser Hinsicht eine naheliegende Symbiose ein: Zur Untersuchung lautsprachlicher Äusserungen auf der Bühne des Composed Theatre tritt musiktheaterwissenschaftliches Denken in Dialog mit der experimentellen Phonetik, die sich strukturell mit der Kommunikation mittels gesprochener Sprache auseinandersetzt. Institutionell verankert ist diese inhaltliche Zusammenarbeit in der Kooperation des Forschungsschwerpunktes Interpretation und des Studienganges Théâtre Musical der Hochschule der Künste Bern mit dem Phonetischen Laboratorium der Universität Zürich.

Résultat

Von zentraler Bedeutung für das Forschungsvorhaben sind die Dimensionen der Intentionalität, Wahrnehmung und Performativität von Sprechereignissen bzw. Sprechhandlungen im Bereich Musiktheater. Im Fokus steht dabei der Aspekt des historischen Wandels: Was in Blütezeiten der gehobenen Bühnensprache zu Beginn des 20. Jahrhunderts normbildende Kraft für jede Art von öffentlicher Rede besass, soll auf seine derzeitige gesellschaftliche Funktion, Wirkung und Relevanz hin neu befragt werden. Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik soll ferner dazu beitragen, eine bisher theoretisch nur vage bestimmte ästhetische Richtung genauer zu fassen.