Aussen bunt, innen weiss? Eine diversitätsanalytische Untersuchung von Repräsentationslogiken im institutionellen Kunstsektor der (Deutsch-)Schweiz

Eine integrative Kulturpolitik ist in aller Munde. Die Studie fragt nach dem Ein- und Ausschluss bestimmter Zugehörigkeitsgruppen in Kunstinstitutionen. Mittels eines qualitativen Methodenmix und anhand von zehn Fallbeispielen.

Fiche signalétique

Situation

Diversität kann als intersektionale Differenzkategorie unter Einschluss von Geschlecht, Ethnie, Hautfarbe, Sexualität, sozialer Herkunft oder Behinderung verstanden werden. Kunstinstitutionen bekennen sich heute zu einer entsprechenden Förderung kultureller Diversität. Diese Bemühungen lassen sich jedoch hauptsächlich an ihren Vermittlungsaktivitäten festmachen. Diversität auf allen Ebenen umzusetzen – von Akteuren über Programmation bis hin zur Rezeption –, ist eine aktuelle Herausforderung. Auch mangelt es an einer Bestandsaufnahme von Diversitätsstrategien und Best Practice-Beispielen an Kunstinstitutionen. Daher erkundet diese Studie, um welche Diversitätspolitik sich (Deutsch-) Schweizer Kunstinstitutionen bemühen und wie sie diese realisieren. Dabei interessieren Fragen nach der Organisation und Programmierung sowie der An- oder Abwesenheit diversitätsfördernder Konzepte. Wie definieren die Kunstinstitutionen Diversität? Welche Handlungsfelder identifizieren sie und welche mehrdimensionalen Strategien entwickeln sie mit welcher Zielsetzung? Inwiefern können sozial-konstituierende Selektionsmechanismen als bewusste Strategien, als «willful work» (Ahmed, 2012) der wechselseitigen In- und Exklusion beschrieben werden?

Approche

Um uns einen Überblick über die Diversitätsbemühungen in den zehn Institutionen zu verschaffen, arbeiten wir mit einem Methodenmix aus Dokumentenerhebung und Interviews. Die Untersuchung von Dokumenten (Programme, Jahresberichte, Pressetexte der letzten fünf Jahre) ermöglicht einen Einblick in die Narrative, die sich auf Künstler*innen-Auswahl, Ausstellungen, Thesen, Zielpublika etc. beziehen. Die Interviews dienen dazu, die Haltungen und die Vorstellungen innerhalb der Institution zu erfassen. Dabei stützen wir uns auf Theorien der intersektionalen Exklusion, der sozialen Schliessung sowie der Reproduktion sozialer Ungleichheit.

Résultat

Ziel ist es, den Handlungsbedarf hinsichtlich einer intersektionalen Repräsentation in Kunstinstitutionen abzuschätzen. Dazu leistet diese Studie einen wichtigen Beitrag, indem sie Fragen stellt zur kulturellen Teilhabe in der Gesellschaft und mehrdimensionale Strategien diversitätssensibler Öffnungen vorschlägt. Diese können anschliessend der Ausarbeitung von Umsetzungsmassnahmen dienen. Zudem werden die jeweiligen Kunstinstitutionen durch die ethnografische Feldarbeit und Interviews für die Umsetzung kultureller Diversität sensibilisiert.