Italienisches Provinztheater im Risorgimento – Organisation, Repertoire und Bühnenausstattung von Feltres Teatro sociale (1797–1866)

Das Projekt erforscht Praktiken von Provinztheatern und ihre soziohistorische Bedeutung im 19. Jh. am Beispiel des Theaters in Feltre.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Interprétation et pratiques d'exécution
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée (prévue) 01.02.2020 - 31.01.2024
  • Responsable du projet Annette Kappeler
  • Direction du projet Annette Kappeler
  • Équipe du projet Raphaël Bortolotti
    Giulia Brunello
  • Partenaire Comune di Feltre
    Fondazione Giorgio Cini
    Universität Basel
    Schweizerischer Nationalfonds SNF

Situation

Im norditalienischen Feltre hat ein «Provinztheater» die Zeit überdauert, das nicht nur für eine italienische, sondern auch für eine europäische Theaterpraxis des 19. Jahrhunderts repräsentativ ist. Die Besonderheit dieses Theaters liegt in der Konservierung seiner originalen Bühnenmaterialien und der Überlieferung vielfältiger schriftlicher Quellen zu Theaterorganisation und -aufführungen. Diese Dokumente eröffnen den Blick auf einen Theaterbetrieb, der zu einer Zeit der «Fremdherrschaft» und der «nationalen Einheit» den Mittelpunkt der Stadt bildete. (Provinz-)Theater sind im 19. Jahrhundert gesellschaftliche Brennpunkte der Städte. Norditaliens Regierungsmächte (Österreich 1798–1805/1813–1866, Frankreich 1805–1813) schätzen und fürchten sie als Ort der Meinungsbildung und nehmen Einfluss auf Theaterbauten, Organisationsformen, Repertoire und szenisches Material. Wie in vielen anderen «fremdregierten» Städten formiert sich in Feltre Anfang des Jahrhunderts eine Gesellschaft von Logenbesitzern, die das Theater renoviert und mit szenischem Material ausstattet, so dass es Räume zur Unterhaltung und Versammlung sowie Amateur- und Profi-Wandertruppen eine Bühne für Aufführungen bietet.

Approche

Die Vielfältigkeit der Quellen macht ein transdisziplinäres Vorgehen notwendig, das soziokulturelle Praktiken im Spannungsfeld von Herrschaftstechniken und nationalem Aufbegehren beleuchtet. Sie erlauben es, das Theater Feltres unter drei Gesichtspunkten zu erforschen: 1. Mikro-soziohistorische Studie: Ausgehend von einem Netzwerk an Akteuren, deren Kommunikationsformen und Begegnungsräumen zeichnet das Forschungsteam den Spielbetrieb nach und stellt das Theater in einen soziohistorischen Kontext. 2. Aufführungskritische Studie: Innerhalb dieses Netzwerks analysiert das Team theatrale Formen und Aufführungspraktiken und bestimmt ihre Bedeutung für das Theater als gesellschaftliche Institution. 3. Bildkritische Studie: Das originale Bühnenmaterial wird in seinem Konzeptions-, Herstellungs- und Verwendungskontext untersucht und die Bedeutung szenografischer Entwicklungen für eine Praxis der «Provinztheater» ausgelotet.