Digitizing Preoperative Assessment (DPA)

App zur Erfassung präoperativer Gesundheitsdaten. Patienten können vor einem Eingriff Daten selbstständig erfassen und weitergeben. Im Rahmen einer Zusammenarbeit der Schweizer Muskel Stiftung und des Unispitals Basel entwickelt.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Technik und Informatik
  • Institut(e) Institute for Cybersecurity & Engineering (ICE)
  • Forschungseinheit(en) ICE / Software Engineering and Development
  • Förderorganisation Andere
  • Laufzeit 01.07.2019 - 30.06.2021
  • Projektleitung Prof. Dr. Ulrich Fiedler
  • Partner Schweizerische Maligne Hyperthermine Vereinigung (SMHV)
  • Schlüsselwörter präoperative Abklärung, Anästhesie, digitale Gesundheit, mobile App, iOS, Android, Smartphone, Tablet, Patientendaten, Swiss Personalized Health Network, SPHN, Scrum, agile Entwicklung, PDF-Export, JS

Ausgangslage

Die Erfassung präoperativer, für die Anästhesie relevanter Gesundheitsdaten ist sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für das klinische Fachpersonal von erheblichem Interesse. Anhand eines strukturierten digitalen Aufnahmeprozesses können die präoperativen Arbeitsabläufe optimiert, die Versorgungsqualität verbessert und die Patientensicherheit erhöht werden. Im Januar 2019 wurden in einem Workshop mit leitenden Ärztinnen und Ärzten für Anästhesie aus Basel, Lausanne und Zürich die wichtigsten Anforderungen an eine spezielle App definiert. Die Entwicklung der App Digitizing Preoperative Assessment (DPA) wurde in Zusammenarbeit mit der Schweizer Muskel Stiftung unter Mitwirkung des Departements für Anästhesiologie des Universitätsspitals Basel lanciert. Was als gezieltes Entwicklungsprojekt begann, hat sich zu einer langfristigen Partnerschaft entwickelt. Seitdem hat das Projekt mehrere Phasen, von DPA 1 bis DPA4, durchlaufen: Der Funktionsumfang wurde in jeder Phase erweitert. Es wurde zudem sichergestellt, dass die App den Plattformanforderungen und den klinischen Bedürfnissen weiterhin gerecht wird.

Vorgehen

Im Rahmen des Projekts setzte man auf eine agile Softwareentwicklungsmethodik auf Basis von Scrum. Die technischen Anforderungen wurden in Form von User Storys mit entsprechenden Abnahmekriterien formuliert und anschliessend in Zusammenarbeit mit dem Kunden weiterentwickelt und priorisiert. Status-Meetings zur Besprechung der Projektfortschritte umfassten eine Bewertung der abgeschlossenen Arbeiten, eine Feedbackrunde sowie die Planung der nächsten Schritte. Das Team der BFH stellte den Scrum Master wie auch die Entwickler zur Verfügung, die klinischen Partner hingegen den Product Owner. JM2.1 FU2.2 Sofern nichts anderes vereinbart wurde, fanden die Meetings und Besprechungen online über Microsoft Teams statt. Ausgehend von einem ersten Workshop und der Definition der Anforderungen in der Phase DPA1, baute jede nachfolgende Phase (DPA2, DPA3, DPA4) auf der vorherigen Version auf. Dabei wurden Funktionen hinzugefügt, die Plattformkonformität (Compliance) sichergestellt und Rückmeldungen aus der klinischen Praxis berücksichtigt. Um die langfristige Pflege und Weiterentwicklung der App sicherzustellen, wurde eine umfassende Entwicklerdokumentation erstellt. Sie erleichtert neuen Teammitgliedern die Einarbeitung und trägt dazu bei, dass die Entwicklung auch bei personellen Veränderungen im Team kontinuierlich fortgeführt werden.

Ergebnisse

Im Rahmen des Projekts wurde eine plattformübergreifende mobile App für Smartphones und Tablets (iOS und Android) entwickelt, die die strukturierte, orts- und zeitunabhängige Erfassung persönlicher Gesundheitsdaten ermöglicht, die für präoperative Anästhesieberatungen relevant sind. Die Patientinnen und Patienten können die Fragebögen selbstständig ausfüllen und ihre medizinischen Daten sowie Stammdaten direkt an das klinische Team weiterleiten. Die App unterstützt Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Englisch. Die DPA-App ist seit 2021 im Apple App Store und im Google Play Store erhältlich und wird seitdem regelmässig gepflegt und aktualisiert. In den Projektphasen DPA1 bis DPA4 wurden wesentliche funktionale Verbesserungen umgesetzt, darunter: lokale und verschlüsselte Zwischenspeicherung der Fragebogeneinträge (durch Passwort oder PIN geschützt), um Datenverluste beim Neustart der App zu vermeiden; Export der ausgefüllten Fragebögen als PDF und als strukturiertes, maschinenlesbares JSON-Dokument zur Vereinfachung der Auswertung im Spital und zur Prozessoptimierung; schrittweise Angleichung der Datenstrukturen an die Datensatzversion des Swiss Personalized Health Network (SPHN) im Hinblick auf eine zukünftige Interoperabilität.

Ausblick

Die DPA-App wurde für eine umfassendere Integration in die digitale Infrastruktur des Gesundheitswesens konzipiert. Künftige Erweiterungen könnten eine engere Anbindung an das Ökosystem des elektronischen Patientendossiers (EPD) und die vollständige Einhaltung der SPHN-Datenstandards umfassen, was für einen reibungslosen Datenaustausch zwischen Patientinnen bzw. Patienten, Spitälern und Gesundheitsnetzwerken sorgen würde. Der Export in die maschinenlesbaren Formate PDF und JSON ermöglicht es Spitälern, standardisierte Risikoberechnungen durchzuführen und präoperative Prozesse in grossem Massstab zu optimieren. Bei Bedarf könnten zudem mit relativ geringem Aufwand PDF-Anmerkungen auf Basis des JSON-Formats implementiert werden. Im Rahmen von Weiterentwicklungen könnte die direkte Datenübermittlung an Klinikinformationssysteme oder die Integration in nationale Gesundheitsdatenplattformen geprüft werden, wobei auf der bereits bestehenden Zusammenarbeit mit dem Departement für Anästhesiologie des Universitätsspitals Basel aufgebaut werden könnte.