Wie fand das Farbpigment Ägyptisch Blau den Weg in die Schweiz?

10.08.2021 Kürzlich wiesen die Kunsttechnologin Dr. Petra Dariz (HKB) und der analytische Chemiker Dr. Thomas Schmid (HU Berlin) in einem frühmittelalterlichen Wandmalereifragment Ägyptisch Blau nach.

Im Pigment konnten Spuren der Rohmaterialien analysiert werden, die Rückschlüsse auf den Herstellungsort erlauben. Nun überprüfen die Forscher*innen, ob sich auch Verbindungslinien von in der Schweiz verwendetem römischem Ägyptisch Blau zu den vermutlichen Produktionsstätten in den Phlegräischen Feldern bei Neapel (Kampanien, Süditalien) nachweisen lassen. 


«Ägyptisch Blau» ist eines der ersten vom Menschen künstlich hergestellten Farbpigmente. Es wurde von der Frühdynastischen Periode an in Ägypten erzeugt und verarbeitet. Antiken römischen Quellen zufolge brachte ein gewisser Vestorius das Produktionsgeheimnis nach Italien und fertigte monopolisiert in Pozzuoli nahe Neapel (Kampanien) Pigmentkügelchen. Das notwendige Herstellungswissen scheint sich nach dem Ende des Römischen Reiches zu verlieren und das meistverwendete Blaupigment der römischen Antike wird erst im 19. Jhdt. durch archäologische Funde wiederentdeckt.

Mittels bildgebender Ramanmikrospektroskopie untersuchten die Kunsttechnologin Petra Dariz und der analytische Chemiker Thomas Schmid kürzlich frühmittelalterliches Ägyptisch Blau in einem Wandmalereifragment aus der Kirche St. Peter ob Gratsch (Südtirol) und gewannen so bisher nicht mögliche Einblicke in das komplexe Spektrum an Spurenbestandteilen. Diese lassen Verbindungslinien zu Rohstoffen aus den Phlegräischen Feldern bei Neapel vermuten. Ihre darüber hinaus abgeleiteten «biografischen» Informationen publizierten sie im Nature Research Journal Scientific Reports. In einem Folgeprojekt, das im August 2021 an der HKB startet, vergleichen sie die Resultate nun mit Pigmentkugeln und Wandmalereifragmenten aus Augusta Raurica und Avenches. Sie prüfen, ob auch das in der Schweiz verwendete Ägyptisch Blau Verbindungen zu den vermutlichen Produktionsstätten in Kampanien aufweist. Diese Forschungsarbeiten werden von der Goethe-Stiftung für Kunst und Wissenschaft sowie der UBS Kulturstiftung unterstützt.

Petra Dariz hat Konservierung und Restaurierung an der Hochschule der Künste Bern studiert und an der ETH Zürich über Industrielle Bauornamentik der Schweiz unter besonderer Berücksichtigung von Kunststein aus hochhydraulischen Gussmassen promoviert. An der HKB führte sie Forschungsprojekte zu mittelalterlichen und frühindustriellen Mörteln durch (Phasenzusammensetzung mittelalterlicher Hochbrandgipse, Hochofenschlacke als Mörtelzuschlag).

Ägyptisch Blau - Abbildung 1
Ägyptisch Blau - Abbildung 2

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Fachgebiet: Forschung, Konservierung + Restaurierung
Rubrik: Forschungsprojekt