Zwischen Trockenstress und Innovation

27.05.2026 Wie lässt sich der Wassermangel in der Schweizer Landwirtschaft wirksam bewältigen? Mit dem Ausbau eines Systems von Bodensonden und der Gründung der AgriAqua AG entsteht derzeit ein Modell, das landwirtschaftliche Betriebe bei einer standortangepassten und essourcenschonenden Bewässerung unterstützen soll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wasser wird zur knappen Ressource in der Schweizer Landwirtschaft, da heissere Sommer, unregelmässige Niederschläge und Nutzungskonflikte den Druck auf Betriebe erhöhen.

  • Datenbasierte Bewässerung durch ein Netz von Bodenfeuchtesonden ermöglicht eine präzise und ressourcenschonende Wassernutzung.

  • AgriAqua AG professionalisiert Betrieb und Weiterentwicklung des Bewässerungsnetzes und schafft eine gemeinsame Plattform für standortangepasstes Wassermanagement.

Die Sommer werden heisser, die Niederschläge unregelmässiger – und für die Schweizer Landwirtschaft wird Wasser zunehmend zum limitierenden Faktor. Was lange als verlässliche Ressource galt, entwickelt sich in vielen Regionen zur Herausforderung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Bewässerung nicht nur an Bedeutung, sondern wird strategisch neu gedacht: mit technischen Netzwerken, datenbasierter Steuerung und nun auch einer neuen organisatorischen Struktur.

Wasser wird zur knappen Ressource

Trockenperioden wie in den vergangenen Jahren setzen Böden und Kulturen zunehmend unter Stress. Besonders betroffen sind wasserintensive Produktionszweige wie der Gemüsebau, aber auch Wiesen und Ackerflächen leiden unter fehlenden Niederschlägen.

Gleichzeitig verschärfen sich Nutzungskonflikte: Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und Ökologie greifen auf dieselben Ressourcen zu. Die Folge ist ein wachsender Druck auf landwirtschaftliche Betriebe, ihre Produktion abzusichern – und auf Politik sowie Organisationen, tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Als Antwort auf diese Entwicklung wurde im gesamten Mittelland ein Bewässerungsnetz im Sinne eines Systems aus Bodenfeuchtesonden aufgebaut. Diese Sonden senden ein schwaches elektrisches Signal in den Boden. Je nach Wassergehalt verändert sich dieses und wird in einen Feuchtigkeitswert umgerechnet – ganz ohne Bodenkontrolle vor Ort.
 

Sonden zeigen an, wann es Zeit ist die Kulturen zu wässern. (Bild: BFH-HAFL)
Sonden zeigen an, wann es Zeit ist die Kulturen zu wässern. (Bild: BFH-HAFL)


Zwei Werte sind entscheidend: Die Bewässerungsschwelle zeigt an, wann gegossen werden sollte. Sie liegt bei 70 Prozent der Feldkapazität – dem zweiten wichtigen Wert –, also jener Wassermenge, die ein gesättigter Boden nach zwei bis drei Tagen noch halten kann. «Die Messungen erfolgen alle zehn Zentimeter bis in 60 Zentimeter Tiefe. So lässt sich erkennen, wie tief die Wurzeln je nach Kultur und Boden Wasser aufnehmen», erklärt Andreas Keiser, Dozent für Ackerbau und Pflanzenzüchtung an der BFH-HAFL.

Bereits seit 2016 liefert bewaesserungsnetz.ch digital gesammelt verlässliche und spezifische Bodenfeuchte-Daten für die Standorte. Da immer mehr landwirtschaftliche Betriebe digitale Unterstützung nutzen, um Wasser gezielt und ressourcenschonend einzusetzen, wird nun das Angebot und dessen Weiterentwicklung mit der Gründung der AgriAqua AG langfristig gesichert.

Vom Netzwerk zur Aktiengesellschaft

Nun steht ein nächster Entwicklungsschritt an: Das bestehende Bewässerungsnetz soll in den kommenden Wochen und Monaten in die neu gegründete AgriAqua AG überführt werden.

Mit dieser Umwandlung sind mehrere Ziele verbunden. Zum einen soll die Organisation professionalisiert werden – etwa durch klarere Strukturen, effizientere Entscheidungsprozesse und eine langfristige strategische Ausrichtung. Zum anderen eröffnet die Rechtsform einer Aktiengesellschaft neue Möglichkeiten in der Finanzierung und Weiterentwicklung der Infrastruktur.

Die AgriAqua AG soll künftig eine zentrale Rolle in der Koordination, im Betrieb und im Ausbau der Bewässerungssysteme übernehmen. «Es geht dabei auch um den Aufbau einer gemeinsamen Daten- und Wissensgrundlage für eine standortangepasste Bewässerung in der Schweizer Landwirtschaft», sagt Silke Fieseler-Hein, Geschäftsführerin von AgriAqua. Gleichzeitig biete die neue Struktur Potenzial, Innovationen schneller voranzutreiben und stärker mit Forschung und Entwicklung zu verknüpfen.
 

Das Bewässerungsmanagement wird verbessert. (Bild: BFH-HAFL)
Das Bewässerungsmanagement wird verbessert. (Bild: BFH-HAFL)

Zukunft der Bewässerung: vernetzter und datenbasiert

Klar ist: Die Bedeutung von Bewässerung wird in der Schweizer Landwirtschaft weiter zunehmen. Gleichzeitig entwickeln viele Kantone derzeit Wasserstrategien, die neben einzelbetrieblichen Massnahmen auch gemeinschaftliche Lösungen fördern – etwa Bewässerungsgenossenschaften, gemeinsame Wasserspeicher oder regionale Bewässerungsinfrastrukturen.

«Die Zukunft liegt deshalb in einer gezielten, datenbasierten und standortangepassten Nutzung von Wasser. Dafür braucht es verlässliche Informationen, regionale Zusammenarbeit und gemeinsame Infrastrukturen», sagt Silke Fieseler-Hein.

AgriAqua AG werde hierzu künftig eine digitale und unabhängige Plattform bereitstellen, welche Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführe und für unterschiedliche Nutzergruppen aufbereitet. Ziel sei es, Betriebe bei einer standortangepassten Bewässerung zu unterstützen und gleichzeitig eine Grundlage für überbetriebliche Kooperationen zu schaffen.

Das Bewässerungsnetz und seine Weiterentwicklung in der AgriAqua AG stehen exemplarisch für den Wandel hin zu einer stärker vernetzten und datenbasierten Bewässerung in der Landwirtschaft. Sie zeigen, wie technische Infrastruktur und wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen können, einzelbetriebliche und regionale Interessen besser miteinander zu verbinden.
 

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