- Story
Bestehendes neu denken: BFH-Architekturstudentinnen überzeugen mit «Stübli»
11.08.2026 Ein Pavillon aus einem Schwimmbad? Was zunächst ungewöhnlich klingt, wurde für zwei Architekturstudentinnen der Berner Fachhochschule zum Siegerprojekt. Mit ihrem Re-Use-Pavillon «Stübli» gewannen Sarah Steiner und Caroline Stauffer den Wettbewerb für einen Pavillon der neuen Stadtachse unterhalb des Autobahnviaduktes Ausserholligen in Bern. Ihr Entwurf zeigt, wie Studierende bereits während des Studiums an realen Projekten mitarbeiten und wertvolle Praxiserfahrungen sammeln können.
Das Wichtigste in Kürze
-
Zwei BFH-Architekturstudentinnen gewinnen mit ihrem Projekt «Stübli» den Wettbewerb für einen Pavillon der neuen Stadtachse Ausserholligen in Bern.
-
Das Siegerprojekt entstand im Architekturatelier «Re-Use» und zeigt, wie bestehende Bauteile durch zirkuläres Bauen sinnvoll weiterverwendet werden können.
-
Der Wettbewerb ermöglichte den Studentinnen, bereits während des Studiums an einem realen Bauprojekt mitzuarbeiten und wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln.
Der Start eines besonderen Projekts
Ihr Projekt «Stübli» entwickelten Sarah und Caroline im 6. Semester des Teilzeit-Architekturstudiums an der Berner Fachhochschule (BFH) im Atelier «Re-Use». Ziel war es, einen Pavillon für die neue Stadtachse Ausserholligen in Bern zu entwerfen – ausschliesslich aus Bauteilen des rückzubauenden Weyermannhaus-Schwimmbads. Das Projekt sollte das Potenzial des zirkulären Bauens aufzeigen und bestehenden Materialien durch eine neue Nutzung ein zweites Leben geben.
Über die Studentinnen
Sarah Steiner, aus Boll (BE) und Caroline Stauffer, aus der Nähe von Liestal (BL) studieren Architektur an der Berner Fachhochschule (BFH) im Teilzeitmodell und befinden sich bald im 7. Semester. Parallel zum Studium arbeiten beide als Zeichnerinnen in Architekturbüros.
Für das Projekt hatten die beiden Studentinnen ein Semester Zeit. Als Grundlage des Wettbewerbs, der ausschliesslich für die Teilzeitstudierenden des 6. Semesters ausgeschrieben war, stellte die Stadt Bern umfangreiche Pläne sowie ein digitales Modell des Weyermannhaus-Schwimmbads zur Verfügung. Mithilfe der 3D-Software Matterport konnten Sarah und Caroline das Gebäude virtuell erkunden, sämtliche Bauteile vermessen und systematisch dokumentieren. Sie kategorisierten die Bauteile in einer Excel-Datei, unter anderem nach Haupttragwerk, Sekundärtragwerk, Fassade, Fenstern oder Flächen.
Auf dieser Grundlage konnten sie beurteilen, welche Elemente sich für welche Funktion eigneten und wiederverwendet werden konnten. Diese Analyse bildete die Grundlage für den weiteren Entwurfsprozess.
«Eine der grössten Herausforderungen war das parametrische Denken. Statt ein klassisches Gebäude zu entwerfen, mussten wir ein System entwickeln, das sich an die vorhandenen Bauteile anpasst», sagt Sarah Steiner.
Vom Bauteilkatalog zum architektonischen Konzept
Auf Basis dieser Analyse entwickelten die Studentinnen verschiedene Tragwerksvarianten, gestalteten Fassaden, den Dachaufbau und kombinierten die vorhandenen Bauteile zu einem schlüssigen architektonischen Gesamtkonzept. Der Pavillon durfte eine bestimmte Grösse nicht überschreiten und die vorhandenen Bauteile sollten möglichst unverändert und wenn immer möglich in ihrer ursprünglichen Funktion weiterverwendet werden. Neben den technischen Anforderungen mussten die Studentinnen auch die Vorgaben des Wettbewerbs berücksichtigen.
«Es reicht nicht, einfach Bauteile wiederzuverwenden. Am Ende muss auch ein schöner Pavillon entstehen.»
Während des gesamten Projekts wurden Sarah und Caroline von einem interdisziplinären Betreuungsteam begleitet. Dieses setzte sich aus wissenschaftlichen Mitarbeitenden und verschiedenen Fachspezialisten zusammen und unterstützte sie dabei, ihre Ideen weiterzuentwickeln und anspruchsvolle Fragestellungen zu lösen. «Das Studium hat uns das nötige Fundament gegeben, um ein solches Projekt anzugehen. Gleichzeitig wurden wir während des gesamten Projekts von unseren Dozierenden eng begleitet und gecoacht», sagen Sarah und Caroline.
Ein Pavillon für alle
Aus den Bauteilen des ehemaligen Schwimmbads entstand ein neuer Pavillon: Die ausgeschnittene Betonwände bilden das Tragwerk, Garderobengittertüren prägen die Fassade und zahlreiche weitere Elemente wurden im Dach- und Innenausbau wiederverwendet.
Mit «Stübli» überzeugten die beiden Studentinnen die Jury nicht nur durch den konsequenten Re-Use-Gedanken, sondern auch durch die Nutzungsflexibilität. Der Pavillon versteht sich als «Wohnung für alle», ein Ort, der je nach Bedarf als Café, Arbeitsraum, Treffpunkt oder Spielbereich genutzt werden kann und so das Quartier belebt.
«Unser Pavillon kann wirklich alles sein.»
Die offene Gestaltung mit grosszügigen Sichtbeziehungen und beweglichen Fassadenelementen schafft einen einladenden Ort ohne Barrieren.
«Die Menschen sollen sich sicher fühlen und merken: Dieser Ort ist für alle offen»
Blick in die Zukunft
Bis der Pavillon gebaut werden kann, sind jedoch noch einige Schritte notwendig. Gemeinsam mit Fachplanenden wird der Siegerentwurf weiterentwickelt. Gleichzeitig müssen die Bauteile des Weyermannhaus-Schwimmbads gesichert und zwischengelagert werden, bevor sie Mitte 2028 wieder eingebaut werden können.
«Vieles ist noch offen, und wir wissen noch nicht genau, was uns erwartet. Umso mehr freuen wir uns darauf, den weiteren Prozess mitzuerleben und unseren Entwurf bis zur Realisierung begleiten zu dürfen», sagt Sarah.
Für Sarah und Caroline ist der Wettbewerb weit mehr als ein Studienprojekt. Zu Beginn ihres Studiums hätten sie sich nie vorstellen können, dass sie bereits während ihrer Ausbildung an einem Projekt arbeiten würden, das später realisiert werden soll. Umso grösser waren die Freude und der Stolz, als «Stübli» den Wettbewerb gewann und die Aussicht entstand, dass ihr Entwurf künftig Teil des öffentlichen Raums in Bern wird.
«Wir waren schon überrascht, dass wir immer weiterkamen. Dass unser Projekt am Ende tatsächlich gewinnt, hätten wir nie erwartet.»
Mit «Stübli» haben die beiden Studentinnen nicht nur einen Wettbewerb gewonnen, sondern vor allem eine prägende Erfahrung gesammelt. Mit viel Engagement und Freude entwickelten Sarah und Caroline ein Semester lang an ihrem Entwurf, ohne zu ahnen, dass dieser am Ende als Siegerprojekt ausgezeichnet werden würde.