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Der richtige Mix macht’s

03.06.2026 Erst Kartoffeln, dann Weizen, dann Kunstwiese: Ein klug gewählter Wechsel beim Anbau von Ackerpflanzen hält den Boden lebendig, schützt die Pflanzen vor Krankheiten und spart Pflanzenschutzmittel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fruchtfolgen halten Boden und Kulturen gesund, indem sie Krankheiten vorbeugen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren.

  • Wechselnde Kulturen steuern wichtige Bodenprozesse wie Nährstoffverfügbarkeit, Unkrautdruck und Krankheitsentwicklung.

  • Abwechslungsreiche Systeme schaffen einen nachhaltigen Rhythmus im Ackerbau, der sowohl Bodenfruchtbarkeit als auch Wirtschaftlichkeit unterstützt.

«Damit sich der Boden erholen kann und Krankheiten oder Schädlinge sich nicht ausbreiten, braucht jede Ackerpflanze eine bestimmte Pause, bevor sie wieder auf derselben Fläche angebaut werden darf», sagt Andreas Keiser, Dozent für Ackerbau und Pflanzenzüchtung an der BFH-HAFL.

Diese Fruchtfolge ist ein bewusst gewählter Rhythmus, der Kulturen und Boden gesund hält. Kartoffeln zum Beispiel werden in der Schweiz maximal jedes vierte Jahr angebaut. So besteht weniger Risiko von Infektionen durch Krankheiten und Schädlinge, welche im Boden überdauern. Dies spart Pflanzenschutzmittel.

Und das Konzept der Fruchtfolge kann noch mehr, es beeinflusst nämlich auch Prozesse im Boden: Unterschiedliche Zeiten von Saat und Ernte, Bodenbearbeitungen und Durchwurzelung steuern auch, welche Unkräuter gedeihen, wann welche Krankheiten präsent sind und welche Nährstoffe zur Verfügung stehen. Es entsteht ein fein abgestimmtes Zusammenspiel – ein Rhythmus, der den Boden gesund und lebendig hält.

Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt neue Krankheiten, zum Beispiel auf Kartoffeln. (Bild rechts: Andreas Krumholz | Südzucker AG)
Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt neue Krankheiten. (Bild: Andreas Krumholz | Südzucker AG)

Ruhe für den Boden

Was kommt am besten wann wo in den Acker: «Sinnvoll ist ein Wechsel von Frühjahrs- und Herbstkulturen sowie Phasen mit Kunstwiesen», sagt der Experte. Auch sogenannte Zwischenfrüchte spielen eine Rolle; das sind Pflanzen, die zwischen zwei eigentlichen Anbaukulturen gesät werden, damit der Boden ruhen kann und gesund bleibt.

Besonders wertvoll sind Mischungen mit Leguminosen: Sie fixieren Stickstoff aus der Luft und tragen so zur natürlichen Düngung bei.

Es gibt nicht DIE ideale Fruchtfolge.

  • Andreas Keiser Dozent für Ackerbau und Pflanzenzüchtung, BFH-HAFL

Krankheiten lauern über Jahre

Wird dieser Fruchtfolge-Rhythmus gestört, gerät das System rasch aus dem Gleichgewicht. «Baue ich zu oft Weizen an, treten sogenannte Fusskrankheiten auf», erklärt Andreas Keiser. Diese schwächen die Wurzeln und Triebe.

Andere Fruchtfolgekrankheiten können durch spezielle Dauerorgane über Jahre in der Erde schlummern – manche sogar zehn Jahre oder länger, so der BFH-HAFL- Experte. Dort «warten» sie auf die nächste passende Kultur, werden wieder aktiv und sorgen so für grosse Ernteausfälle.

Braune Chips wegen einer Zikade

Eine unscheinbare Zikade verursacht seit einigen Jahren grosse Probleme: Die Schilf-Glasflügelzikade vermehrt sich stark in bestimmten Anbaufolgen und verbreitet sich von dort massenhaft weiter. Dabei kann sie bakterielle Krankheitserreger übertragen und insbesondere Kartoffeln und Zuckerrüben schädigen. Die Folge sind unschöne braune Verfärbungen beim Frittieren – Pommes frites und Chips werden unbrauchbar für den Markt. In einem Forschungsprojekt mit der Kartoffel- und Zuckerbranche hat die BFH-HAFL mit aufwändigen Versuchen gezeigt, dass der Verzicht auf Wintergetreide nach Zuckerrüben die Zikadenpopulation massiv reduzieren kann. Die Ergebnisse werden auch in Deutschland mit Interesse verfolgt. Dort sind die Probleme wegen einseitiger Fruchtfolgen bedeutend grösser als in der Schweiz.

Prävention statt Pestizide

Auch für die Qualität des Bodens ist der richtige Takt entscheidend. Langjährige Monokulturen entziehen dem Boden Nährstoffe und machen ihn anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

«Ohne Pflanzenschutzmittel ist ein solcher eintöniger Anbau nicht machbar», betont der Experte. Die strengen Fruchtfolge-Regeln in der Schweiz seien deshalb ein Vorteil: Sie wirken präventiv und reduzieren den Bedarf an chemischen Mitteln stark.

Dennoch bleibt die Abwechslung ein Balanceakt. «Es gibt nicht DIE ideale Fruchtfolge», sagt Keiser. Vielmehr gilt es Prioritäten zu setzen und Zielkonflikte abzuwägen. Denn letztlich sollte sich der Ackerbau ja auch wirtschaftlich lohnen.

Digitale Tools wie das Fruchtfolge-Tool Digifarm, das die BFH-HAFL im Rahmen eines von der Wyss Academy finanzierten Projektes entwickelt hat, können dabei unterstützen – doch Erfahrung bleibt gemäss Keiser zentral. Denn erfolgreicher Ackerbau folge keinem starren Plan, sondern einem lebendigen Rhythmus. Wer das versteht, schafft die Grundlage für gesunde Pflanzen, fruchtbare Böden und eine nachhaltige Landwirtschaft.

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