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Im Takt von Huhn und Pferd

03.06.2026 Ob im Hühnerstall oder auf der Weide: Nutztiere folgen einem fein abgestimmten Rhythmus. Forschende der BFH-HAFL erklären, wie stark diese Zyklen das Tierleben prägen – und wo der Mensch in diese natürlichen Abläufe eingreift.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tages- und Jahresrhythmen prägen das Verhalten von Hühnern und Pferden und werden stark durch Licht gesteuert.

  • Menschliche Eingriffe verändern diese natürlichen Abläufe, etwa durch künstliche Lichtsteuerung oder betriebliche Routinen.

  • Regelmässige Abläufe sind zentral für das Tierwohl, da Störungen Stress und gesundheitliche Probleme verursachen können.

Man denkt unweigerlich an den laut krähenden Hahn im Morgengrauen, wenn es um Hühner und Rhythmen geht. Und tatsächlich fängt der Tag beim Federvieh früh an.

«Am Morgen um 3 Uhr geht im Hühnerstall automatisch das Licht an und die Hühner erwachen langsam», beschreibt Christine Kramer, Agronomiestudentin an der BFH-HAFL, den Start der Hühner in den Tag. Es folgen Fressen, Eierlegen und eine Art «Mittagspause», bevor am Nachmittag wieder Aktivität einsetzt.

Dieser lichtgesteuerte Tagesablauf in der Hühnerhaltung ist kein Zufall: «Der Rhythmus der Tiere ist stark lichtabhängig und ziemlich strukturiert», sagt Christine Kramer, die sich in ihrer Bachelorarbeit mit der Wirkung eines Ergänzungsfuttermittels befasst.

Der Betreuer dieser Arbeit und Leiter des Fachbereichs Agronomie an der BFH-HAFL, Peter Spring, unterstreicht diese starke Bedeutung des Lichts – nicht nur im Tages-, sondern auch im Jahresverlauf: «Werden die Tage länger, wissen die Hühner: Jetzt beginnt die Lege- und Brutzeit.»

Peter Spring und Christine Kramer umgeben von Hühnern am Aviforum in Zollikofen. (Bild: Reto Baula)
Peter Spring und Christine Kramer umgeben von Hühnern am Aviforum in Zollikofen. (Bild: Reto Baula)

In der modernen Produktion wird dieser natürliche Rhythmus gezielt beeinflusst: Künstliches Licht verlängert den Tag und damit die Legephase.

«Für die meisten modernen Hühner ist also immer Frühling oder Sommer», so Spring. Dieser menschliche Eingriff in den natürlichen Rhythmus funktioniert aber nur ein bis zwei Jahre. Mit zunehmendem Alter werden die Schalen brüchiger und die Hennen scheiden aus der Produktion aus.

Rhythmen bei Kühen und Schweinen

Grundsätzlich folgen alle Nutztiere Tages- und Jahresrhythmen – auch Kühe und Schweine. Der Tagesrhythmus, auch circadianer Rhythmus genannt, steuert insbesondere das Fressen, das Ruhen und die Aktivität. Wie zum Beispiel bei Kühen das Fressen auf der Weide mit anschliessenden Wiederkäuphasen. Auch bei Schweinen gibt es klar erkennbare Ruhe- und Aktivitätsphasen. Der Jahresrhythmus – auch circannueller Rhythmus – beeinflusst vor allem die Fortpflanzung, den Haar- und den Stoffwechsel. Wichtige Zeitgeber sind vor allem Lichtdauer und Temperatur.

Zwischen Natur und Produktion

Auffällig ist der Unterschied zwischen Hobbyhaltung und professionellen Betrieben.

Kleinere Betriebe lassen den natürlichen Zyklen wie dem aktuellen Lauf der Sonne mehr Raum und nehmen damit im Winter eine Reduktion der Legeleistung oder gar eine Legepause in Kauf. Mit oder ohne künstliche Verlängerung des Tageslichts, ein Rhythmus bleibt bestehen: mit dem Ei als Taktgeber. «Das Huhn legt von Natur aus ziemlich genau alle 24 Stunden ein Ei», sagt Spring.

Nicht nur Hühner, auch Pferde folgen vielen natürlichen Rhythmen: Augenscheinlich bei den Gangarten. «Schritt, Trab und Galopp folgen klaren Taktmustern», wie Conny Herholz, Dozentin der Pferdewissenschaften an der BFH-HAFL, erklärt.

Doch der Rhythmus gehe weit über die Bewegung hinaus. Pferde besitzen eine innere Uhr, die sowohl tägliche als auch jährliche Prozesse steuert (siehe Infobox). Dazu gehören Schlafzyklen, Hormonhaushalt und Fortpflanzung. «Diese Rhythmen können sich durch äussere Bedingungen, zum Beispiel Tageslicht, verschieben», so Herholz.

Besonders deutlich wird dies im Jahresverlauf: Im Winter sorgt mehr Dunkelheit für eine erhöhte Melatonin- Ausschüttung, was die Fortpflanzung hemmt. Im Frühling hingegen werden die Tiere wieder aktiv – auch für die Paarung.

Pferde reagieren nicht nur auf das, was wir tun, sondern auch darauf, wie gleichmässig wir es tun.

  • Conny Herholz Dozentin der Pferdewissenschaften, BFH-HAFL
Conny Herholz liegt das Pferdewohl am Herzen. (Bild: Selina Haller)
Conny Herholz liegt das Pferdewohl am Herzen. (Bild: Selina Haller)

Gewohnheit fürs Wohlbefinden

«Pferde sind ausgeprägte Gewohnheitstiere», betont Conny Herholz. Feste Fütterungszeiten, stabile Sozialstrukturen und wiederkehrende Abläufe sind entscheidend für ihr Wohlbefinden. Störungen können ernsthafte Folgen haben.

Schlafmangel etwa kann zu sogenannter Pseudonarkolepsie führen – einem plötzlichen Zusammenbrechen des Tieres durch fehlenden REM-Schlaf. «Beständigkeit bedeutet für die Tiere Stressreduktion», sagt die Pferdeexpertin. «Pferde reagieren nicht nur auf das, was wir tun, sondern auch darauf, wie gleichmässig wir es tun.» Somit beeinflusst auch der Rhythmus des Menschen direkt das Tier.

Von Anpassung und Verantwortung

Sowohl bei Hühnern als auch bei Pferden zeigt sich in der Nutztierhaltung ein Spannungsfeld zwischen natürlichem Rhythmus und menschlicher Steuerung. Beim Geflügel wird die Effizienz beim Eierlegen menschlich gesteuert, bei Pferden ist es oft das Management des Pferdebetriebes, das den Tieren unnatürliche Rhythmen auferlegt.

Ob Eierlegen oder Pferdewohl – Rhythmen strukturieren das Leben von Tieren. Sie sind tief biologisch verankert, gleichzeitig erstaunlich formbar. Hier hat die Chronobiologie, die Wissenschaft der «inneren Uhr», noch viele offene Forschungsfragen zu beantworten.

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