- Story
Zwischen Bürotisch und Wald
03.06.2026 im Diemtigtal ist Kyra Paulis Arbeitswelt. Als Revierförsterin gestaltet sie jeden Tag selbst – draussen und im Büro. Der Wald fordert sie und gibt ihr Kraft.
Das Wichtigste in Kürze
-
Revieralltag verbindet für Kyra Pauli anspruchsvolle Waldarbeit draussen mit administrativen Aufgaben im Büro.
-
Berufseinstieg war herausfordernd, brachte ihr aber schnell Verantwortung, Lernchancen und Selbstvertrauen.
-
Sichtbarkeit ist ihr wichtig, weshalb sie den männerdominierten Beruf aktiv auf Social Media zeigt und Frauen ermutigt.
Beim Lieblingsbänkli von Kyra Xelin Pauli gibt es keinen Handyempfang. An Schneetagen ist es schwer erreichbar. Doch wer dort sitzt, überblickt das Diemtigtal. Für Kyra ein besonderer Ort. Er zeigt, wie gross «ihr» Revier ist und wie vielfältig ihre Aufgaben.
Seit Juli 2023 ist Kyra Revierförsterin im Berner Oberland. Das Revier umfasst rund 4500 Hektaren – das ist fast so gross wie die Fläche der Stadt Bern. Drei Viertel davon sind bewaldet. Ein grosser Teil davon dient als Schutzwald und muss entsprechend gepflegt werden. Organisiert wird das Revier durch die Betriebskommission der lokalen Korporationen.
Kyra arbeitet eng mit den Waldkorporationen und den Privatwaldbesitzenden zusammen. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die vom Kanton vorgegebenen Tätigkeiten wie Beratung, Holzanzeichnung, Forstschutz und Forstpolizei. Dazu kommen interne betriebliche Aufgaben. Die Vielfalt gefällt ihr. «Der Job bietet eine gute Balance zwischen Büro und Natur», sagt sie.
Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie draussen, beim Holzanzeichnen oder in den Schlägen. Dort trifft sie Unternehmer, Waldbesitzer und weitere Interessensgruppen. Im Büro erledigt sie die administrativen Arbeiten der Waldbewirtschaftung.
Anspruchsvoller Einstieg
Der Weg zum Beruf begann für Kyra früh. «Ich war als Kind oft in den Bergen – deshalb zog es mich einfach in den Wald», sagt sie. Ursprünglich lernte sie Landschaftsgärtnerin. Danach machte sie die Berufsmaturität und entschied sich für den Bachelor Waldwissenschaften an der BFH-HAFL. Sie wählte die Vertiefung Wald und Gesellschaft. Im Nachstudiums-Praktikum wurde ihr klar, dass sie als Revierförsterin arbeiten möchte.
Doch der Einstieg in den Beruf war anspruchsvoll. «Mein Start war harzig», sagt sie offen. Vieles musste sie selbstständig lösen. «Ich arbeitete zum ersten Mal allein und hatte Respekt vor der Verantwortung.» Gerade das gefällt ihr heute besonders gut. Sie lernt täglich Neues – über den Wald, über Menschen und über sich selbst. Begleitet wird sie dabei oft von Leya, einer Belgischen Schäferhündin.
Der Job bietet eine gute Balance zwischen Büro und Natur.
Sichtbarkeit für einen Männerberuf
Das Berufsfeld ist noch immer stark männerdominiert. «Ich kenne nur wenige Reviere, die von einer Frau betreut werden», sagt sie. Dabei würde sie sich mehr Frauen in diesem Beruf wünschen. Zwischendurch zückt Kyra daher auch ihr Handy.
Sie filmt sich bei der Arbeit, erklärt Maschinen, Holzschläge oder Schutzwaldpflege und postet die Videos auf Instagram. Sie zeigt, wie vielfältig und attraktiv der Beruf ist – auch für Frauen. «Mittlerweile bin ich im Tal schon bekannt», sagt sie und lacht. «Ich bin ein bisschen das weibliche Aushängeschild geworden.»
Aber auch Leya ist ein tolles Fotosujet. Ab und zu ist Kyra wieder an der BFH-HAFL – als Gastrednerin. Den Studierenden möchte sie mitgeben, offen zu bleiben. «Der Wald ist multifunktional und hat seinen Rhythmus. Dein Arbeitsplatz verändert sich beinahe täglich. Es lohnt sich, immer neue Wege zu gehen.»
Wenn Kyra über ihr Revier blickt, weiss sie, dass jeder Tag anders ist. Der Wald fordert sie heraus – und schenkt ihr gleichzeitig Kraft. Ihr nächstes Ziel: die Jagdausbildung.