Musiktheorie

Die Projekte im Forschungsfeld Musiktheorie beschäftigen sich schwerpunktmässig mit Fragestellungen der historisch informierten Musiktheorie und beteiligen sich am internationalen Forschungsdiskurs innerhalb des Faches.

Im Zentrum steht dabei der Zeitraum des späten 18. und des 19. Jahrhunderts, und methodische und didaktische Aspekte nehmen eine zentrale Rolle ein. Durch die Auseinandersetzung mit Fragen der Institutionalisierung und Entwicklung der musiktheoretischen Lehrfächer innerhalb des 19. Jahrhunderts zeigen sich Bezüge zur gegenwärtigen Rolle und Funktion des Faches. Die Ergebnisse können in der aktuellen Lehrpraxis angewendet werden und öffnen sich allgemein musikpädagogischen Fragen. Mit seiner Kernkompetenz in Methoden der musikalischen Analyse und durch die Auseinandersetzung mit allgemeinen Fragen von Klang- und Strukturbildung in ästhetischen, historischen und kulturellen Kontexten nimmt das Fach eine Schnittstellenfunktion zwischen den anderen Forschungsfeldern ein.

Kernkompetenzen

  • Erfassung und Einordnung historischer Lehrtraditionen
  • Methoden und Techniken musikalischer Analyse in Notenschrift und Klang
  • Erforschung und Aufarbeitung historischer Quellen zur Musiktheorie
  • historische Stilkompetenz in Harmonik, Tonalität, Form und Melodiebildung
  • Erforschung improvisatorischer Spielpraxen durch die Zusammenführung wissenschaftlicher und künstlerischer Forschungsansätze
  • Erarbeitung zeitgenössischer, historisch informierter Vermittlungskonzepte

Laufende Projekte

Integrative Listening - Eine historische Perspektive der Gehörbildung

Ziel des Projekts ist es, der Gehörbildung, wie sie heute in Musikkonservatorien im deutschsprachigen Raum als Teildisziplin der Musiktheorie unterrichtet wird, eine historisch informierte theoretische Grundlage zu geben. Ein neuer Bezugsrahmen für dieses Fach, das mit anderen Aspekten der musikalischen Ausbildung wesentlich stärker verknüpft wäre, wird allgemein als notwendig betrachtet und eine historisch informierte Perspektive wurde in den vergangenen Jahren in anderen Teilgebieten der Musiktheorie bereits erfolgreich angewendet.

Creating the Neapolitan Canon - Musik und Musiktheorie zwischen Paris und Neapel im frühen 19. Jh.

Die einflussreichste Tradition in der weltlichen und geistlichen Musik sowie in der musikalischen Ausbildung des 18. Jahrhunderts war in den Augen der Zeitgenossen und weit ins 19. Jh. die neapolitanische Schule eines Francesco Durante, Giovanni Battista Pergolesi oder Nicola Porpora. Die Musikgeschichte und die Musiktheorie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts privilegierten hingegen die österreichisch-deutsche Tradition von Bach, Haydn und Mozart. Aus diesem Grund ist der Einfluss der neapolitanischen Musiktheorie und die Rezeption der neapolitanischen Komponisten im frühen 19. Jh. kaum erforscht. Dieses Projekt versucht, die französische Rezeption der neapolitanischen Musik und Musiktheorie zu rekonstruieren, ausgehend von der heute mehrheitlich in Neapel aufbewahrten Sammlung neapolitanischer Musik von Giuseppe Sigismondo (1739–1826) und seiner Kontakte mit den Pariser Musikschulen.

Ontology of Musical Works and Analysis of Musical Practise - Ontologie musikalischer Werke und Analyse der Musikpraxis

Worin konstituiert sich ein Kunstwerk, insbesondere in der Musik? Das Philosophie, Musikwissenschaft und unterschiedliche Musikpraxen verbindende Projekt thematisiert die Metaphysik, insbesondere die Identitätsbedingungen musikalischer Werke. Wie andere Beiträge zur philosophischen Diskussion in diesem Bereich nehmen wir als Ausgangspunkt den Paradigmenwechsel in der Notenschrift im 19. Jahrhundert, der Interpretation immer genauer zu fixieren versuchte. Ausgegangen wird von Schriften zur Aesthetik der Kunst und Musik wie auch von Musikrezensionen. Ziel ist es, den ontologischen Status eines musikalischen Werks anhand unterschiedlicher Fallbeispiele in seiner spezifischen musikalischen Praxis zu definieren. Genauer beleuchtet werden dabei die Existenz einer ausgefeilteren musikalischen Standard-Notation, die autoritäre Rolle der Partitur und die von Interpretationen und deren zeitlichen Flüchtigkeit losgelöste Wahrnehmung eines Werkes.
Das Projekt mündet in zwei Tagungen mit dem Zentrum Paul Klee, wo auch das philosophische Verständnis des Malers und Musikers Klee diskutiert wird, eine Dissertation und eine Habilitation.

Informationen zum Projekt finden sich auch auf der Website des Philosophischen Instituts der Universität Bern.

Kontakt

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Hochschule der Künste Bern HKB
Forschung
FSP Interpretation
Betriebsassistenz: Sabine Jud
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