CONNECT: Älterwerdende Menschen mit Obdachlosigkeitserfahrungen

Obdachlosigkeit stellt eine hochprekäre Lebenslage dar und betrifft in der Schweiz rund 2’200 Personen. Mit dem Älterwerden und daraus entstehenden Pflegeabhängigkeiten verschärft sich die Lebenssituation betroffener Personen zusätzlich.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Gesundheit
    Soziale Arbeit
  • Institut(e) Pflege
  • Forschungseinheit(en) Innovationsfeld Psychosoziale Gesundheit
  • Förderorganisation Andere
  • Laufzeit (geplant) 01.09.2026 - 31.08.2028
  • Projektleitung Sabrina Laimbacher
    Prof. Simone Gäumann
  • Projektmitarbeitende Melina Hasler
    Sabrina Gröble
    Rispa Stephen
  • Schlüsselwörter Obdachlosigkeit, Prekäre Wohnsituation, Alter, Physische Gesundheit, Psychische Gesundheit, Wohnen, Sozialraum, Caring Communities, Bedürfnisse, Betroffenenperspektive, Psychiatrische Pflege, Partizipation

Ausgangslage

Obdachlosigkeit ist eine extreme Lebensform, die mit äusserst prekären Lebensbedingungen einhergeht. Mit dem Älterwerden erfahren Betroffene gesundheitliche Veränderungen, die bestehende komplexe Herausforderungen in der Lebensbewältigung akzentuieren. Zudem können durch langjährige Obdachlosigkeit Alterungsprozesse und Pflegeabhängigkeiten frühzeitig eintreten. Obdachlose gelten als besonders stigmatisierte Gruppe, was häufig ihr Rückzugsverhalten fördert und zu einem ausgeprägten Selbstbestimmungsbedürfnis sowie zur Vermeidung professioneller Unterstützungsangebote beiträgt. Akute Krisensituationen fordern von involvierten Fachpersonen rasche Entscheidungsfindungen, die mangels Alternativen häufig in unfreiwilligen institutionellen Einweisungen enden. Vor diesem Hintergrund kommt dem sozialräumlichen Umfeld aus unterstützenden Fach- und Privatpersonen – den Caring Communities – eine zentrale Rolle zu. Gleichzeitig benötigt es angemessene Umgangsweisen und Handlungsstrategien sowohl von Versorgungssystemen als auch von den Caring Communities. In der Schweiz gibt es erst wenige Kenntnisse über die Lebenssituation und -gestaltung älterwerdender Obdachloser. Das Forschungsprojekt CONNECT zielt darauf ab, aufzuzeigen, wie sich das Älterwerden sowie mögliche Frühalterungsprozesse dieser Zielgruppe gestalten und welche Implikationen dies für Betroffene, Versorgungssysteme und Caring Communities mit sich bringt, um Unterstützungsangebote bedürfnisorientierter auszugestalten.

Vorgehen

Das interdisziplinäre Projekt CONNECT baut auf den Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt ReachOut sowie dem Vorprojekt CONNECT auf. Das zweijährige Projekt ist in fünf Phasen gegliedert und wird in den Städten Bern und Zürich durchgeführt. Als Hauptzielgruppe des Projekts stehen älterwerdende Menschen mit Erfahrungen von Obdachlosigkeit im Zentrum. Zusätzlich werden zuständige Fachpersonen sowie Personen aus sozialräumlichen Beziehungs- und Bezugspunkten als weitere Zielgruppen einbezogen. In der ersten Projektphase werden mittels ethnografischer Feldaufenthalte Veränderungsprozesse im Prozess des Älterwerdens sowie daraus entstehende Bedürfnisse bei Menschen mit Obdachlosigkeitserfahrung untersucht. Aufbauend darauf werden in der zweiten Phase durch partizipative Workshops und ergänzende Feldaufenthalte an beiden Standorten iterativ Ansätze für eine bedürfnisorientierte Unterstützung im Älterwerden sowie zur Stärkung der Caring Communities entwickelt. Das Produkt, das daraus hervorgehen soll, wird in dieser Phase definiert. Die dritte Phase umfasst die Pilotierung sowie die iterative Evaluation und Anpassung des Produkts, gefolgt von dessen Implementierung und Multiplikation in der vierten Phase. In der abschliessenden fünften Phase werden die Ergebnisse an Praxisorten, auf Tagungen und Kongressen präsentiert, in Fachzeitschriften publiziert und in die Lehre transferiert. Zudem wird die Verstetigung der Produktanwendung in der Praxis aufgegleist.

Ergebnisse

Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen direkt Implikationen für Betroffene, Versorgungssysteme und Caring Communities abgeleitet werden. Das Hauptziel des Projekts CONNECT besteht darin, älterwerdenden Menschen mit Obdachlosigkeitserfahrung als primäre Zielgruppe direkten Nutzen zu bieten. Die Lebensgeschichten dieser Menschen weisen eine hohe Individualität und Diversität auf hinsichtlich Wohnsituation und Dauer der Obdachlosigkeit. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden und eine möglichst grosse Heterogenität innerhalb der Zielgruppe abzubilden, werden im Projekt unterschiedliche und vielschichtige Lebensumstände sowie Wohnformen untersucht. Die entsprechenden Gruppen wurden bereits im Vorprojekt von CONNECT eruiert, um eine fundierte Grundlage zu schaffen. Zudem liessen sich vier Themenbereiche identifizieren, die im Hinblick auf das Älterwerden und die Obdachlosigkeit vertieft untersucht werden sollen: «psychische Gesundheit», «Frühalterung», «Herausforderungen bei der direkten Unterstützung von Betroffenen» und «generell identifizierte Angebotslücken für älterwerdende Obdachlose». Ein im Projektverlauf zu entwickelndes Produkt soll dazu beitragen, betroffene Personen im Prozess des Älterwerdens bedürfnisorientiert zu begleiten und zu unterstützen.

Ausblick

Mit dem Projekt CONNECT wird ein grundlegender Beitrag zum Verständnis der Lebenslagen älterwerdender Menschen mit Erfahrungen von Obdachlosigkeit geleistet. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur die wissenschaftliche Kenntnislage erweitern, sondern auch zur Weiterentwicklung bestehender Versorgungsangebote, Unterstützungsstrukturen und Begleitmöglichkeiten beitragen. Auf diese Weise trägt CONNECT dazu bei, Handlungsspielräume sichtbar zu machen, Unterstützungsangebote bedürfnisorientierter auszurichten und bestehende Versorgungslücken zu verringern.

Obdachlosigkeit ist eine extreme Lebensform, die mit prekären Lebensbedingungen einhergeht.
Obdachlosigkeit ist eine extreme Lebensform, die mit prekären Lebensbedingungen einhergeht.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 3: Gesundheit und Wohlergehen
  • 10: Weniger Ungleichheiten
  • 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele