Foam for Centuries

Für die materialübergreifende Klebung in der Konservierung und Restaurierung wird ein reaktivierbarer Schaum aus reiner und alterungsbeständiger Methylcellulose entwickelt.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Hochschule der Künste Bern
  • Institut(e) Institut Materialität in Kunst und Kultur
  • Forschungseinheit(en) Konservierungstechnik
  • Förderorganisation Innosuisse
  • Laufzeit (geplant) 01.04.2026 - 31.07.2027
  • Projektleitung Prof. Dr. Karolina Soppa
  • Projektmitarbeitende Dr. Nadim Scherrer
  • Partner docusave AG
    Institut für Anatomie, Universität Bern

Ausgangslage

In der Konservierung-Restaurierung wird materialübergreifend viel geklebt. Denn durch die Alterung lösen sich die Komponenten unterschiedlicher Kunst- und Kulturgüter voneinander ab und müssen verklebt werden. Zwar gibt es zahlreiche Klebstoffe, doch ihre Zusammensetzungen sind oft unbekannt und unterliegen vielen Veränderungen. Damit ist eine Vorhersage für die Alterung schwierig bis unmöglich. Für bestmögliche Alterungsbeständigkeit sollte ein Klebstoff idealerweise aus einer bekannten Komponente bestehen, einen hohen Reinheitsgrad und kaum reaktive Gruppen aufweisen, aber gleichzeitig möglichst polar sein. Diese Voraussetzungen erfüllt Methylcellulose sehr gut. Als flüssiger Klebstoff findet sie bereits Anwendung in der Konservierung-Restaurierung. Doch Flüssigkeiten tendieren dazu, unkontrolliert in poröse Gefüge einzudringen. Zudem haben die auseinanderfallenden Einzelteile die Tendenz, sich mit der Zeit zu verformen. Daher fokussiert dieses Projekt die Entwicklung eines Schaumes.

Vorgehen

Methoden und Ergebnisse: Schaum passt sich einer unregelmässigen, gealterten Oberfläche sehr gut an, füllt Hohlräume und dringt nicht unkontrolliert in das Originalgefüge ein. Zudem ist er leicht, flexibel und dominiert nicht das spätere Materialverhalten des Originals. Deshalb hat dieses Projekt zum Ziel, einen feinporigen, dünnen, reproduzierbaren sowie reaktivierbaren MC-Schaum in einem rein physikalischen Verfahren herzustellen, zum Beispiel durch Vakuumgefriertrocknung oder Kalt-Heissschaumverfahren. Im Anschluss an eine erfolgreiche, reproduzierbare Schaumherstellung erfolgen Qualitätsmessungen. Diese beinhalten die Schaumcharakterisierung mittels Auflichtmikroskopie, Rasterelektronenmikroskopie und Mikro-Computertomographie zur Bestimmung von Porendurchmesser, Porenverteilung und Wandstärke. Ein weiterer Fokus liegt auf der praktischen Anwendung der Schäume, um ihre Reaktivierbarkeit in Kombination mit der Adhäsion zwischen den in der Konservierung-Restaurierung am häufigsten anzutreffenden Materialien zu untersuchen. Abschliessend wird die Handhabung filmisch, fotografisch und schriftlich festgehalten.