Begleitforschung Ereignisnachsorge
Nach traumatischen Ereignissen klafft zwischen Akuthilfe und Therapie eine Versorgungslücke. Die BFH untersucht, wie wirksam die neue Fachstelle Ereignisnachsorge diese Lücke schliesst – und was es für eine dauerhafte Verankerung braucht.
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Gesundheit
- Institut(e) Pflege
- Förderorganisation Andere
- Laufzeit (geplant) 01.06.2026 - 30.11.2028
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Projektleitung
Dr. Julia Rehsmann
Sabrina Gröble -
Projektmitarbeitende
Dr. Claudia Poggiolini
Prof. Dr. Eva Soom Ammann
Katja Sara Brogli -
Partner
Ebnet Stiftung
Beisheim Stiftung
Fachstelle Ereignisnachsorge - Schlüsselwörter Begleitforschung, Ereignisnachsorge, Psychosoziale Gesundheit, Pilotprojekt, Kanton Bern, Versorgungsforschung, Mixed-Methods, Wirkungsevaluation
Ausgangslage
Jedes Jahr erleben viele Menschen im Kanton Bern Unfälle, plötzliche Todesfälle oder Gewalterfahrungen, die schwere psychische Belastungen auslösen können. In der Akutphase werden Betroffene oft von Notfall- und Care-Teams aufgefangen – doch diese Unterstützung endet nach wenigen Tagen. Bis ein Therapieplatz gefunden ist, vergehen häufig Monate. In dieser Lücke bleiben Menschen mit ihrer Belastung allein. Das erhöht das Risiko, dass akute Stressreaktionen sich verfestigen und zu chronischen psychischen Erkrankungen werden – mit erheblichen Folgen für Betroffene und das Gesundheitssystem. Die neu gegründete Fachstelle Ereignisnachsorge schliesst diese Versorgungslücke im Kanton Bern mit einem dreijährigen Pilotprojekt: Sie bietet betroffenen Privatpersonen niederschwellige, kostenlose Kurzberatungen in der kritischen Übergangsphase zwischen Akuthilfe und allfälliger Therapie. Die BFH begleitet dieses Pilotprojekt von Juni 2026 bis Juni 2028 wissenschaftlich. Ziel ist es, die Wirksamkeit und Umsetzung des Angebots systematisch zu evaluieren und Grundlagen für seine Weiterentwicklung zu schaffen.
Vorgehen
Die Begleitforschung kombiniert quantitative und qualitative Methoden, um die Wirkung der Beratungen mehrperspektivisch zu erfassen. Standardisierte Erhebungen dokumentieren bei allen Angebotsnutzenden den Verlauf der Belastungssymptome – zu Beginn der Beratung, bei Abschluss und sechs Monate später. Eingesetzt wird dafür der validierte Fragebogen PTSS-10, der posttraumatische Stresssymptome misst. Vertiefende Interviews mit rund 15 Angebotsnutzenden erfassen subjektive Erfahrungen, wahrgenommene Wirkungen und Verbesserungsvorschläge. So werden die quantitativen Befunde kontextualisiert und auch unerwartete Effekte sichtbar. Halbjährliche Fachaustausche mit der Fachstellenleitung und den Berater*innen ergänzen die Nutzendenperspektive um die Sicht der Praxis: Zwischenergebnisse werden gemeinsam reflektiert und konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Angebots abgeleitet.
Ergebnisse
Die Begleitforschung schafft eine empirische Grundlage für drei Anliegen: Erstens liefert sie der Fachstelle Ereignisnachsorge fortlaufend Rückmeldungen, die direkt in die Weiterentwicklung des Beratungsangebots einfliessen. Halbjährliche Auswertungen und Fachaustausche ermöglichen eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung schon während der Pilotphase. Zweitens entstehen mit dem Zwischenbericht (Anfang 2027) und dem Schlussbericht (Anfang 2028) fundierte Entscheidungsgrundlagen für die Frage, ob und wie das Angebot nach der Pilotphase in ein kantonales Regelangebot überführt werden kann. Drittens werden gemeinsam mit der Fachstelle Good-Practice-Empfehlungen erarbeitet, die anderen Kantonen und Organisationen als Orientierung dienen können, wenn sie vergleichbare Angebote aufbauen möchten. Ergänzend werden die Erkenntnisse in Fachpublikationen veröffentlicht.