Dialoghilfe assistierter Suizid
Das Projekt möchte dazu beitragen, auf wissenschaftlicher Basis über assistierten Suizid als eine zunehmend häufiger werdende Form des Lebensendes aufzuklären und darüber wertneutral zu kommunizieren.
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Soziale Arbeit
- Institut(e) Institut Alter
- Strategisches Themenfeld Themenfeld Caring Society
- Förderorganisation BFH
- Laufzeit (geplant) 01.02.2026 - 31.07.2026
- Projektleitung Dr. Eva Birkenstock
- Projektmitarbeitende Dr. Michael Kreuzer
Ausgangslage
Immer mehr Pflegeeinrichtungen gestatten die Durchführung assistierter Suizide, manche Kantone verpflichten sie dazu. Pflegende und Betreuende können das als moralische Herausforderung erleben, woraus sich Interessenkonflikte mit der Autonomie sterbewilliger Patient*innen ergeben können. Fortbildung in diesem Bereich ist wünschenswert. Der Anteil von assistierten Suiziden nimmt in der Schweiz stetig zu. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2035 jeder 20. Todesfall ein assistierter Suizid sein wird. Studien und die tägliche Praxis zeigen: Pflegende sind oft die ersten Vertrauenspersonen, die von Patient*innen auf die Option eines assistierten Suizids angesprochen werden. Dies kann zu Unsicherheiten, ethischen Konflikten und emotionaler Belastung führen. Zudem wird der Wunsch nach ein assistierter Suizid nicht selten als Zurückweisung des eigenen pflegerischen Handelns oder sogar als persönliches Versagen erlebt, was die moralische Belastung zusätzlich verstärkt. Das Positionspapier des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner von 2021 fordert «Fürsorge und Unterstützung sowie die Linderung von bio-psycho-sozialen und spirituellen Symptomen, unabhängig von der Art des Sterbens», während zugleich die moralische Integrität der Pflegenden gewahrt bleiben soll. Durch den Fokus auf die Pflegenden und ihr Verhältnis zum assistierten Suizid kann ein innovativer Beitrag zur Schliessung der Theorie-Praxis-Lücke geleistet werden.
Vorgehen
Das Projekt beinhaltet folgende Schritte
- Kontaktaufnahme mit dem Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK)
- Kontaktaufnahme mit Vereinen und Selbsthilfegruppen besonders verletzlicher Patient:innen wie ALS Schweiz, Verein chronischkrank.ch, Krebsliga Schweiz und alliance care
- zusammen mit ihnen ein Unterstützungsangebot entwickeln (in Grund-, Fortbildung oder Praxis), das Pflegende befähigt, Sterbe- und Suizidwünsche im Einklang mit dem SBK-Standpunkt fachlich fundiert, empathisch und rechtlich sicher aufzugreifen
- die spezifische Rolle Pflegender im Kontext des assistierten Suizids klären (Auftrag, Grenzen, Gewissensvorbehalt) und damit Orientierung und Handlungssicherheit schaffen
- Versagens- und Schuldgefühle sowie verschiedene Formen von moralischer Belastung systematisch adressieren, damit die moralische Integrität und der Berufsverbleib gestärkt werden.