Projekt «WerkStadtHaus»
Katja Sauter
Themen
Wohnen
Arbeiten
Holz
Standort
Moosweg, Ostermundigen
Studiengang
Master Architektur
Modul
Atelier Master Architektur & Holz FS 22
Räume, Ressourcen, Klima
Betreuung
Download
Projektbeschrieb
Im Fokus meines Entwurfs für das WerkStadtHaus in Ostermundigen steht die Gemeinschaft und die soziale Nachhaltigkeit des Gebäudes.
Der Begriff soziale Nachhaltigkeit verlangt im Allgemeinen Chancengleichheit, kulturelle Identifikation, Partizipation und Wohlbefinden eines jeden. Die Einflussfaktoren dieser Ansprüche sind sehr vielschichtig und komplex.
Einer dieser Einflussfaktoren ist die Kommunikationsdichte, welche stark mit der Maßstäblichkeit und Größenordnung zusammenhängt. Die Kommunikation zwischen den Bewohnern und auch zwischen Bewohnern und Öffentlichkeit reißt nach max. 6 Geschossen ab und die Anonymität innerhalb des Gebäudes steigt. Das war einer der Gründe weshalb ich mich bewusst gegen ein Hochhaus entschieden.
Um die passende Volumetrie zu finden und durch die geringere Höhe meines Gebäudes habe ich zunächst die Parzellengröße komplett ausgeschöpft. Durch Subtraktion innerhalb dieses Volumens bin ich auf die äußerlichen Gegebenheiten wie die Belichtung und die Maßstäblichkeit der umliegenden Gebäude eingegangen. Zudem entstanden dadurch räumlich spannende Eingangszonen, öffentliche Freiräume und Erschließungszonen, welche als Begegnungsräume agieren und das massive Volumen zonieren und leichter machen. Auf die Abfolge der Erschließung und die Räumlichkeiten habe ich den Fokus in meinem Konzeptmodell gelegt.
Ein hoher Nutzungsmix soll die Diversität und die soziale Nachhaltigkeit des Gebäudes stärken. Die unterschiedlichen öffentlichen Nutzungen sind entlang den offenen Erschließungszonen vom EG bis zum 3. OG angeordnet und werden je höher man geht privater, aber trotzdem für jeden zugänglich. Das soll den Bewohnern und den Besuchern das Gefühl von Chancengleichheit vermitteln. Jeder hat die Möglichkeit das Gebäude komplett zu erschließen und zu erleben. Der offene Erschließungsraum endet in dem Innenhof im 3. OG. Dort beginnt das gemeinschaftliche Wohnen, welches durch Laubengänge entlang des Innenhofs erschlossen werden.
Der Wohnraum ist ein besonders wichtiges Thema der sozialen Nachhaltigkeit innerhalb eines Gebäudes. Im europäischen Raum haben die Menschen einen Anspruch an Wohnraum von rund 50 m2, was in Anbetracht der wachsenden Gesellschaft zu viel ist. Mit meinem Entwurf habe ich eine effizientere und gemeinschaftlichere Nutzung der Wohnflächen erreichen wollen.
Im Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Wohnens stehen zum einen die Gemeinschaftsräume auf jedem Stockwerk, welche individuell je nach Bedürfnissen der Bewohner anpassbar sind, sowie die drei großzügigen Dachterrassen. Die Dachterrassen entstehen durch die Abstaffelung Richtung Süden, dadurch wird die Belichtung des Innenhofs gewährleistet. Um sicherzustellen, dass diese Gemeinschaftsräume auch wirklich gemeinschaftlich genutzt werden, sind Die Wohnungen so konzipiert, dass keine Wohnung einen eigenen Außenraum hat und jeweils nur eine kleine Küche ohne großzügigen Wohnraum. Von kleinen 1- Zimmerappartements bis zu 4-Zimmer WG’s oder Familienwohnungen gibt es Wohnraum für die unterschiedlichsten Nutzer.
Die Materialität und somit die ökologische Nachhaltigkeit zählt ebenfalls zur sozialen Nachhaltigkeit. Die Menschen haben ein höheres Wohlbefinden, wenn sie das Bewusstsein haben in einem Nachhaltigen Gebäude zu leben. Das Werkstatthaus ist fast ausschließlich aus Holz konstruiert. Dadurch dass das Gebäude kein Hochhaus ist, ist es möglich auch die Fassaden komplett aus Holz auszubilden. Die Fassade zu den Straßenräumen ist aus verkohltem Holz nach japanischer Methode ausgebildet, was einen natürlichen Witterungsschutz bietet und an urbane Gebiete angepasst ist. Die Fassade entlang den Ausschnitten und Erschließungen ist naturbelassenes Holz zur natürlichen Vergrauung. Durch das Spiel der verschiedenen Holzbeschaffenheiten werden die Begegnungszonen nochmals besonders hervorgehoben.