Guest Lecture Physiotherapie

Die Weiterbildung Physiotherapie der BFH organisiert regelmässig Guest lectures mit renommierten Gastdozierenden.

Spastizität: Differentialdiagnostik und Behandlung

Guest Lecture von Prof. Dr. habil. Jan Mehrholz, SRH Hochschule für Gesundheit, Deutschland am Mittwoch, 3. Juni 2020 von 17.00 bis 18.00 Uhr an der Schwarztorstrasse 48 in Bern

In der Vergangenheit wurde Spastik, im Gegensatz zur mangelnden Kraft und Koordination, als eine der Hauptdeterminanten der Behinderung angesehen. Physiologische Experimente zeigten jedoch frühzeitig, dass wenn Spastik reduziert wurde (z. B. durch Medikamente), dies nicht unbedingt zu einer besseren Aktivität führte. Es folgten Studien mit Vergleichen zwischen den Beeinträchtigungen auf Schädigungsebene, bei denen festgestellt wurde, dass Spastik deutlich geringer mit Aktivitäten zusammenhängt als motorische Beeinträchtigungen der oberen und unteren Extremitäten.

Eine moderne und etablierte Einteilung der Folgen einer zentralen Schädigung ist die Einteilung in Plus-, Minus- und adaptiven Symptomen. Hierbei ist die Spastik lediglich ein Plussymptom neben anderen, kann gut definiert und damit klar von anderen Symptomen abgegrenzt werden.

In dieser aktuellen Einteilung sind es vor allen Dingen die Minussymptome wie zum Beispiel die Muskelkraft, die mangelnde Geschicklichkeit die schnelle Ermüdbarkeit die in Studien den bedeutendsten Einfluss auf Aktivitäten im täglichen Leben zum Beispiel nach Schlaganfall gezeigt haben.

In aktuellen Studien zeigt sich ebenfalls, dass wenn Spastik klar definiert und zuverlässig und valide gemessen wird diese nicht per se in jedem Fall behandlungsbedürftig ist.

Diese Erkenntnisse führen mittlerweile zu einer deutlichen Veränderung des Schwerpunkts von Interventionen in der neurologischen Rehabilitation, zum Beispiel, dass zur Verbesserung von Aktivitäten möglichst alltagsnah das Gehen, Treppensteigen, Greifen und Manipulieren geübt werden sollte.

Moderation

  • Dajana Hubacher
  • Clare Maguire

Gastdozent

Prof. Dr. habil. Jan Mehrholz
Prof. Dr. habil. Jan Mehrholz

Prof. Dr. habil. Jan Mehrholz ist Studiengangsleiter des Master-Studiengangs Neurorehabilitation an der SRH Hochschule für Gesundheit am Campus Gera und seit über 20 Jahren Forscher im Bereich der Neurologischen Rehabilitation. In seiner Forschung fokussiert er sich schwerpunktmässig auf die Effekte von Physiotherapie im Bereich Gehfähigkeit, Aktivität und Mobilität. Als erfahrener Physiotherapeut arbeitet er ebenfalls im Bereich der Neurorehabilitation und verbindet so die Forschung und die Praxis.
Anschliessend an sein Aufbaustudium in Gesundheitswissenschaften/ Public Health promovierte er im Jahr 2007 an der TU Dresden zum Dr. rer. Medic («magna cum laude») und ist nach erfolgreicher Habilitation im 2010 als Dozent mit Lehrbefähigung im Fach Gesundheitswissenschaften/Public Health an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden tätig, wo er ebenfalls in Forschung und Lehre vertreten ist.
Im Dezember 2018 erhielt Prof. Dr. habil. Jan Mehrholz den renommierten H. J. Bauer-Rehabilitationspreis, der von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutschen Gesellschaft für neurologische Rehabilitation (DGNR) verliehen wird.

Frührehabilitation bei COVID-19

Online-Guest-Lecture von Sabrina Grossenbacher-Eggmann, PT, MSc, PhD Candidate und Angela Kindler, PT, MSc vom Institut für Physiotherapie, Insel Gruppe, Inselspital, Universitätsspital Bern vom Dienstag, 5. Mai 2020.

Die Schweiz steht still. Die COVID-19-Pandemie fordert das Gesundheitswesen. Das neuartige Coronavirus führt in bis zu 9 % der Infizierten zu einer schweren Lungenentzündung, die auf der Intensivstation behandelt werden muss. Die Erholung nach einer kritischen Erkrankung mit mechanischer Beatmung auf der Intensivstation ist jedoch oft langwierig und unvollständig. Überlebende von kritischen Erkrankungen können noch Jahre später an den Folgen von funktionellen Behinderungen, kognitiven und/oder psychischen Beeinträchtigungen leiden. Eine frühe Rehabilitation kann sich positiv auf die Funktionsfähigkeit auswirken und die Anzahl Tage an der mechanischen Beatmung reduzieren. Allerdings fordern der instabile Krankheitsverlauf und die strikten Hygienemassnahmen die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in der Behandlung von COVID-19.

Diese Guest Lecture diskutiert die intensivmedizinische Behandlung und daraus resultierende Sekundärfolgen der COVID-19-Pandemie sowie physiotherapeutische Behandlungsoptionen im Akutspital.

Podcast

Referentinnen

Sabrina Grossenbacher- Eggmann
Sabrina Grossenbacher-Eggmann, PT, MSc, PhD Candidate

Institut für Physiotherapie, Insel Gruppe, Inselspital, Universitätsspital Bern

Angela Kindler
Angela Kindler, PT, MSc

Institut für Physiotherapie, Insel Gruppe, Inselspital, Universitätsspital Bern

Partner

Evidence-based Upper Limb Rehabilitation After Stroke

Dr. Janne Veerbeek’s talk presented on February 20th, 2020 at a Guest Lecture of the Bern University of Applied Sciences (BFH) is now available as podcast.

Upper limb motor impairments after stroke are common and eye-catching – not only in the acute phase, but also on the long term. They negatively influence the patient’s ability to perform daily life activities and quality of life. Over the last 50 years, various rehabilitation interventions have been developed for treating upper limb motor impairments. However, not every intervention is effective and when an intervention is effective; this mostly applies to only a subgroup of patients.

During this lecture, the state-of-the-art for upper limb motor rehabilitation interventions after stroke will be critically reviewed, taking into account the heterogeneity of poststroke recovery. At the end of the session, attendants will know what kind of rehabilitation intervention they could (or: should not) offer to which type of stroke patient.

Podcast

Speaker

Dr. Janne Veerbeek, PT
Dr. Janne Veerbeek, PT

Janne Veerbeek is currently working as a postdoctoral researcher in stroke rehabilitation at the University of Zurich and University Hospital Zurich.

After obtaining her physical therapy bachelor in Amsterdam (the Netherlands), she started working as a physical therapist in a nursing home. Feeling the urge to contribute to improving the evidence foundation of physical therapy, she did a research master in parallel. During this time, she switched job and started working at the VU University Medical Center in Amsterdam, where she combined her clinical work at an acute stroke unit with a PhD. The focus of her previous and current research is modeling poststroke recovery by prediction models and the evidence for physical therapy interventions in motor stroke rehabilitation. She furthermore is first author of the Dutch Clinical practice guideline for physical therapy after stroke.

Opioid-Krise: Wo steht die Schweiz?

Guest lecture von Prof. Dr. med. Maria Wertli, PhD Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern

Der Umgang mit Schmerzmedikamenten hat sich in den letzten 20 Jahren fundamental gewandelt. Gemäss einer Erfassung des Bundesamts für Statistik nimmt heute jeder 4. Schweizer wöchentlich Schmerzmittel ein. Opioide sind wirksam bei stärksten Schmerzen und sind wichtig für die Behandlung von Schmerzen im Rahmen einer Krebserkrankung oder am Ende des Lebens. Bei Beschwerden des Bewegungsapparates ist die Wirksamkeit jedoch weniger gut belegt und es gibt Hinweise, dass die Einnahme von Opioiden mit einer längeren Arbeits-unfähigkeit, einer schlechteren körperliche Funktionsfähigkeit und mit mehr Kosten assoziiert sind. In dieser Guest Lecture werden die Resultate aktueller Studien und Literaturanalysen zum aktuellen Schmerzmittelverbrauch in der Schweiz und zur Effektivität von Medikamenten in der Therapie von muskuloskelettalen Schmerzen diskutiert. Der Einfluss von psychosozialen Faktoren auf die Erholung bei einer akuten Schmerzepisode werden im Kontext analysiert. Des Weiteren wird diskutiert, wie wirksam Opioide verglichen zu anderen Schmerzmedikamenten sind, welche Nebenwirkungen auftreten, und wann ein Opioid Stopp sinnvoll sein kann. 

Podcast

Gastdozentin

Prof. Dr. med. Maria Wertli
Prof. Dr. med. Maria Wertli

Prof. Dr. med. Maria Wertli ist Leitende Ärztin an der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin am Inselspital in Bern. Sie ist stellvertretende Chefärztin der Medizinischen Poliklinik und leitet eine eigene Forschungsgruppe mit dem Forschungsschwerpunkt Prävention chronischer Schmerzen und Medikamentengebrauch. Nach dem Medizinstudium an der Universität Zürich, arbeitete sie viele Jahre als Oberärztin auf der Allgemeinen Inneren Medizin bevor Sie für einen Forschungsaufenthalt in die USA (New York) und nach Schweden (Stockholm) ging. Zurück in der Schweiz leitete sie am Horten Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer der Universität Zürich diverse Forschungsprojekte und erwarb ein wissenschaftliches Doktorat (PhD) an der Universität Maastricht. Maria Wertli hat zahlreiche wissenschaftliche Preise gewonnen, ist Mitglied des Editorial Board von PM&R und Swiss Medical Forum, und hält als Expertin viele Vorträge im In- und Ausland.

Guest lecture of Associate Professor Luiz Hespanhol, Universidade Cidade de São Paulo (UNICID), Brazil

Laufsport erfreut sich sehr grosser Beliebtheit, auch in der Schweiz. Allerdings sind Läuferverletzungen häufig, scheinen aber vermeidbar. Es gibt wenig Evidenz über die Effektivität von Präventionsprogrammen für Verletzungen bei Laufsportlerinnen und -sportlern. Man nimmt an, dass dies darauf beruht, dass die Präventionsprogramme nicht auf den Prinzipien der Verhaltensänderung entwickelt wurden.

In der Guest lecture erläutert Luiz Hespanhol die Erfahrungen bei der Implementierung von Präventionsprogrammen für Spitzen- und Freizeitsportlern in unterschiedlichem Kontext. Dabei beleuchtet er sowohl individuelle Aspekte sowie Umgebungsfaktoren anhand konkreter Beispiele.

English

Despite running-related injury (RRI) is considered a preventable side effect of running, there is limited evidence on the effectiveness of RRI prevention strategies. This may be partially explained by the fact that most prevention strategies were not developed following behavioural change theories. Developing injury prevention programmes based on behavioural and social science theories may increase the probability of effectiveness and implementation in 'real world’.

In this lecture, we will discuss the process evaluation of two RRI prevention programs focused on different contexts. We will share experiences both as researchers and as partners in running injury prevention programs for recreational and professional athletes.

Podcast

Gastdozent

Associate Professor Luiz Hespanhol
Associate Professor Luiz Hespanhol

Masters and Doctoral Programs in Physical Therapy, Universidade Cidade de São Paulo (UNICID), São Paulo, Brazil.
Department of Public and Occupational Health (DPOH), Amsterdam Public Health Research Institute (APH), VU University Medical Center Amsterdam (VUmc), Amsterdam, The Netherlands.
Amsterdam Collaboration on Health and Safety in Sports (ACHSS), International Olympic Committee (IOC) Research Center, Academic Medical Center (AMC)/VU University Medical Center (VUmc), Amsterdam, The Netherlands

Cardiovascular Disease Prevention: Past, Present and Future

Guest lecture of Prof. Oscar H. Franco University of Bern, Switzerland

Improvements in healthcare and sociodemographic conditions with subsequent decreases in child and maternal mortality have gradually shaped humankind’s population, its distribution and the reasons we die. Ageing of the population is a global phenomenon accompanied with the increase in non-communicable disorders. Of these, cardiovascular disease (CVD) gradually has consolidated as the number one killer in the world. Cardiovascular disease is not a new disease. Nevertheless, the race against CVD has only elapsed a few decades in modern human history, and despite detailed evaluation and great achievements in the prevention and treatment of this disease it remains a disease of pandemic proportions. In this lecture, we will discuss the history, the current approaches and potential avenues for future prevention of cardiovascular disease.

Podcast

Speaker

Prof. Oscar H. Franco,
Prof. Oscar H. Franco,

Director of the Institute of Social and Preventive Medicine (ISPM)
University of Bern, Switzerland

THE LANCET 2018 – A global call for action on prevention and treatment of low back pain

Guest lecture of Prof. Douglas Gross University of Alberta, Canada

Gaps between evidence and practice in treatment of low back pain (LBP) exist, with limited use of recommended first-line treatments and inappropriately high use of imaging, rest, opioids, spinal injections and surgery. Doing more of the same will not reduce the burden of LBP. The Lancet 2018 LBP series working group identified effective, promising or emerging solutions such as promotion of activity and function, redesign of clinical pathways, integrated health and occupational interventions, changes in compensation and disability policies, and public health prevention strategies.

Dr. Gross will discuss efforts made towards changing practices in order to tackle the burden of LBP in two Canadian provinces, Alberta and Ontario. He will share experiences in developing clinical practice guidelines, clinical pathways and novel rehabilitation interventions for workers, as well as experiences evaluating a mass media campaign (BackActive) for the population of Alberta. Finally, Dr. Gross will share insights on the process of writing the Lancet LBP series and follow-up global media initiative to raise awareness of the call for action.

Podcast

Speaker

Prof. Douglas Gross
Prof. Douglas Gross

University of Alberta, Canada
Co-Author and Member of «The Lancet» Low Back Pain Series Working Group