Konflikte navigieren wenn das Klima kippt: Resilienz und Dialogkompetenz in der Polykrise

Klimafolgen treffen Gemeinden und Städte direkt – als Schäden, Konflikt und Vertrauensverlust. Eine Interventionswerkstatt für lokale Akteur*innen, die dann handlungsfähig bleiben wollen.

  • Viertägiges Präsenzformat mit szenariobasierten Simulationen zu lokalen Krisenszenarien (Hochwasser, Erdrutsch/Lawinen, politische Polarisierung oder Versorgungsausfall)
  • Debriefing auf drei Ebenen: emotional, sozial, intellektuell
  • Werkzeuge und Methoden zu Resilienz und Dialogkompetenz
  • Aufbau einer «Community of Practice»

     

Momentaufnahme aus dem Unterricht

Steckbrief

  • Titel/Abschluss Kurs
  • Dauer 4 Tage
  • Unterrichtstage Mo, Di, Mi
  • Anmeldefrist 20.9.2026
  • Anzahl ECTS Keine
  • Kosten CHF 990 exkl. Kost und Logis Zentrum Ranft, Flüeli
  • Unterrichtssprache Deutsch
  • Studienort Zentrum Ranft, Flüeli
    Schwarztorstrasse 48, Bern
  • Departement Soziale Arbeit
  • Nächste Durchführung 26./27./28. Oktober und 25. November 2026

Inhalt + Aufbau

Portrait

Klimafolgen treffen Gemeinden nicht abstrakt, sondern konkret: als Erdrutsch, Überschwemmung, Versorgungsausfall – und als eskalierende Konflikte auf der nächsten Gemeindeversammlung, im Krisenstab, im Gemeinderat. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es passieren wird. Entscheidend wird dann sein, ob die Menschen in Verantwortung die richtigen Antworten finden und handlungsfähig bleiben.

Die szenariobasierte Interventionswerkstatt für Städte, Gemeinden und Kantone, Konfliktprofis und Nachhaltigkeitsakteur*innen setzt genau dort an, wo Druck, Erschöpfung und Polarisierung aufeinandertreffen. Anhand konkreter Krisenszenarien – realistisch, vorstellbar, nah an der Schweizer Realität – werden typische Situationen nachgespielt und ausgewertet: analytisch, gruppendynamisch, emotional. Nicht Wissensvermittlung steht im Zentrum, sondern das direkte Erleben von Dynamiken, die man sonst erst im Ernstfall kennenlernt.

Ausbildungsziel

Die Teilnehmenden erwerben Kompetenzen auf vier Ebenen:

Fachkompetenz:

Sie kennen zentrale Dynamiken von Polykrisenkonflikten – Eskalationsmuster, Triggerpunkte und typische Blockademechanismen wie NIMBY-Dynamiken oder Empörungswellen.

Methodenkompetenz:

Sie verfügen über konkrete Instrumente zur Konfliktmoderation, Dialoggestaltung und Depolarisierung – und kennen Methoden zur Resilienzstärkung, Selbstregulation und zum Aufbau tragfähiger Netzwerke.

Strategie- und Sozialkompetenz:

Sie können über institutionelle und weltanschauliche Grenzen hinweg zusammenarbeiten, ungewöhnliche Koalitionen initiieren und in hochkomplexen Situationen handlungsfähig bleiben.

Selbstkompetenz:

Sie kennen ihre eigenen Reaktionsmuster unter Druck und verfügen über Strategien zur Selbst- und Emotionsregulation. Sie haben erfahren, dass Handeln Hoffnung erzeugt – auch ohne schnelle Lösungen.

Das Format verbindet erfahrungsbasiertes Lernen mit emotionaler Reflexion und praxisnahen Werkzeugen. Im Zentrum steht die szenariobasierte Interventionswerkstatt, die abstrakte Wissensvermittlung durch direktes Erleben ersetzt.

Vorbereitung

Alle Teilnehmenden erhalten einen kompakten Reader sowie Leitfragen zur eigenen Ausgangssituation.

Tag 1 – Ankommen und Orientieren

Kennenlernen, Erwartungsklärung, Einführung in Konzept und Methode. Vorstellung der Szenarien-Logik: Was sind «Konflikte by Design», was sind «Konflikte by Disaster»? Erste Kontaktaufnahme mit dem Ausgangsszenario. Informeller Abend zur Vernetzung.

Tag 2 – Szenarien erleben und verstehen

Szenario 1 und 2: Zwei Krisenszenarien werden nacheinander bearbeitet (z. B. Hochwasser und Versorgungskrise trifft überforderte Gemeindeverwaltung; dauerhaft evakuiertes Bergdorf). Für jedes Szenario: kurze Situationseinführung, dann Nachspielen einer konkreten Situation – Gemeinderatssitzung, Krisenstab-Briefing oder Gemeindeversammlung. Die Teilnehmenden übernehmen Rollen, reagieren auf eskalierende Dynamiken, suchen nach Handlungsoptionen. Jeweils gefolgt von ausführlichen Debriefings auf emotionaler, sozialer und intellektueller Ebene – situativ bereichert durch Elemente aus der Arbeit von Joanna Macy.

Tag 3 – Intervenieren und Transferieren

Ein drittes Szenario, das Elemente der ersten beiden verdichtet und politisch zuspitzt. Diesmal mit dem Fokus auf Intervention: Wie moderiere ich eine eskalierende Gemeindeversammlung? Wie führe ich ein Krisengespräch, wenn Vertrauen bereits beschädigt ist? Wie baue ich über Lagergrenzen hinweg Koalitionen?

Erkenntnisse werden in die eigene Praxis transferiert. Konkrete nächste Schritte werden entwickelt und ein Grundstein für eine Community of Practice wird gelegt.

Follow-up–Tag 4 (4 Wochen später)

Mit etwas Abstand wird reflektiert, was aus den ersten Ideen geworden ist. Die Teilnehmenden erhalten Impulse zur Vertiefung und erarbeiten konkrete Umsetzungs- und Unterstützungspläne.

Das Format setzt auf Erfahrungslernen: Erst erleben, dann verstehen, dann anwenden. Die szenariobasierte Interventionswerkstatt bildet das Herzstück – ergänzt durch strukturiertes Debriefing, konkrete Handlungsinputs für die Praxis und ein abschliessendes Follow-up.

Titel + Abschluss

Kursbestätigung

Dozierende

Bernd Fechler, Diplompädagoge, Mediator und Ausbilder für Mediation BM, Systemischer Organisationsberater und Coach

Daniela Oppliger, BA Soziologie, Umwelt- und Politikwissenschaft, MA African Studies, Mediatorin FSM

Claus Noppeney, Dr. oec HSG, Dozent, Institut Innovation und Strategic Entrepreneurship BFH Wirtschaft

Voraussetzungen + Zulassung

Akteur*innen aus Städten, Gemeinden und Kantonen:

Politische Entscheidungsträger*innen, Verantwortliche für Umwelt, Verkehr und Soziales, Krisenmanager*innen. d. h. Personen, die mit Bürger*innen direkt interagieren und konkrete Instrumente benötigen, um zu handeln.

Primär angesprochen werden lokale Akteur*innen, die bereits mit konkreten Desaster-Folgen konfrontiert sind oder sich damit auseinandersetzen wollen (z. B. Hochwasserschutz, Klimaanpassung, Nutzungskonflikte).

Mediator*innen und Konfliktprofis:

Fachpersonen aus Mediation, Organisationsberatung und kommunaler Konfliktarbeit, die ihr Repertoire für die besonderen Dynamiken von Krisen- und Polykrisenkonflikten erweitern möchten.

Nachhaltigkeitsakteur*innen:

Privat oder beruflich engagierte Personen, die motiviert sind, nachhaltig zu arbeiten, aber zunehmend an die Grenzen ihrer institutionellen Wirksamkeit stossen und erfahren möchten, dass Handeln auch ohne schnelle Lösungen möglich und sinnvoll ist.

Bitte beachten Sie unsere Zulassungsbedingungen.

Organisation + Anmeldung

26./27./28. Oktober 2026, Zentrum Ranft, Flüeli-Ranft
10.00–16.00 Uhr

25. November 2026, Berner Fachhochschule, Schwarztorstrasse 48, Bern
8.45–16.45 Uhr

Beratung + Infoveranstaltungen

Studienort + Infrastruktur