«Creating the Neapolitan Canon» – Musik und Musiktheorie zwischen Paris und Neapel im frühen 19. Jahrhundert

Musik und Musiktheorie zwischen Paris und Neapel im frühen 19. Jh.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Théorie musicale
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée 01.12.2015 - 30.04.2019
  • Responsable du projet Claudio Bacciagaluppi
  • Direction du projet Claudio Bacciagaluppi
  • Équipe du projet Giulia Giovani
    Martin Skamletz
  • Partenaire Swiss RISM Office
    Schola Cantorum Basiliensis
    Hochschule für Musik Freiburg
    Bibliothèque National de France
    Università di Roma - Tor Vergata
    Universtià Cattolica del Sacro Cuore, Mailand
    Birmingham City University
    RISM France
    Università degli Studi di Roma - Tor Vergata
    Hochschule für Musik Freiburg
    Schweizerischer Nationalfonds SNF

Situation

Giuseppe Sigismondo propagierte die neapolitanischen Lehrmethoden und die neapolitanische Musik mit seinen Schriften bis in die 1820er-Jahre. Die Lehrmethoden der neapolitanischen Konservatorien wurden um 1800 Vorbilder für das Conservatoire in Paris, im Gegenzug wurden französische Methoden in Neapel erworben. Eine grosse Anzahl von Partituren migrierte ebenfalls von Neapel nach Paris. Wie erreichten diese Werke einen kanonischen Status? Warum wurden bestimmte Werke als Kompositionsmodelle ausgewählt oder speziell gelobt? Welchen Einfluss hatten die Musiktheorie und die Trainingsmethoden aus Neapel auf die Lehrpläne der Pariser Musikschulen? Die Musikausbildung der neapolitanischen Konservatorien, im Wesentlichen von den Übungen in Harmonielehre und Komposition namens «partimenti» und «solfeggi» geprägt, wurde zum Modell für die Pariser Musikschulen, die wiederum die Modelle für Musikausbildungsinstitutionen in der ganzen Welt waren. Das Projekt wird einerseits die Pariser Musikschulen aus dieser neapolitanischen Perspektive betrachten, andererseits die Musiktheorie in Paris und Neapel sowie das Repertoire in den jeweiligen Bibliotheken vergleichen. Ziel ist es zu untersuchen, wie sich Neapel und Paris wechselseitig in Musiktheorie und Musikunterricht beeinflussten.

Approche

In einem historischen Teil wendet das Projekt eine Methode aus der Kunstgeschichte an, die nur selten in der Musikwissenschaft verwendet wurde, nämlich Geschichte und Aufbau einer ganzen Sammlung (und nicht einzelner Werke) zu erforschen. In einem musiktheoretischen Teil werden vor allem theoretische Quellen untersucht, um die französische Rezeption der neapolitanischen Partimento-Tradition zu verfolgen, die vor 1800 begann und durch das ganze 19. Jahrhundert weiterwirkte. Die Ergebnisse der Forschung werden schliesslich im Druck und in Open-Access-Online-Ausgaben von Archivdokumenten dargestellt. Für diese Online-Publikationen sind innovative Lösungen im Digital Publishing umzusetzen.

Résultat

Zum ersten Mal wird in dieser Tiefe untersucht, wie das auf den berühmten neapolitanischen Konservatorien basierende pädagogische Modell im Frankreich des 19. Jahrhunderts rezipiert wurde. Ebenso war auch die Verbreitung der Werke eines Kanons der neapolitanischen Musik bislang noch nicht Gegenstand eingehender Untersuchungen. Die Dozierenden der Musiktheorie an der HKB versuchen zudem, die neapolitanischen Unterrichtsmethoden in der heutigen Lehrtätigkeit an einer Musikhochschule anzuwenden. Das Crossover zwischen der traditionellen französischen Musiktheorie des 18. Jahrhunderts (am bekanntesten vertreten durch J.-Ph. Rameau) und den neapolitanischen Methoden («partimenti» und «solfeggi») wird den Unterricht der Musiktheorie und die Geschichte dieses Faches bereichern. Die «Apoteosi della musica nel Regno di Napoli» (ca. 1820) von Giuseppe Sigismondo hat den Mythos der «Neapolitanischen Schule» wesentlich geprägt. Die Erstausgabe, mit vollständiger englischer Übersetzung (vgl. http://www.sedm.it), erfolgte 2016 innerhalb dieses Projektes.