Wie können sich armutserfahrene Menschen künftig in der Armutspolitik einbringen

Es ist zentral, Armutserfahrene und Betroffenenorganisationen in die Armutsprävention und -bekämpfung einzubeziehen. Für das Bundesamt für Sozialversicherungen erarbeitet die BFH einen Vorschlag für eine passende Beteiligungsstruktur.

Fiche signalétique

Situation

Die Nationale Plattform gegen Armut (NAPA) wertete die bisherigen Arbeiten und erprobten Beteiligungsformen aus. Diese umfassen das Forschungsprojekt zu Modellen der Partizipation (Chiapparini et al. 2020), den daraus abgeleiteten und partizipativ entwickelten Praxisleitfaden (Müller & Chiapparini 2021) und eine nationale Tagung zum Thema „Beteiligung in der Sozialpolitik“, an der armutserfahrene Personen mitgewirkt haben. Aus der Zwischenbilanz zeichnet sich der Bedarf ab, vermehrt Kontinuität zu fördern, damit die positive Wirkung der Beteiligung zum Tragen kommt. Die Nationale Plattform gegen Armut hat darum ein Team der Berner Fachhochschule (BFH) und der Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg (HES-SO) beauftragt, in einem partizipativen Prozess, einen Vorschlag für eine ständige Begleitstruktur zuhanden des Bundesrates zu erarbeiten. Eine ständige Begleitstruktur bringt folgenden Dreifachnutzen: 1) Sie dient armutserfahrenen Menschen als Interessenvertretung, indem ihre Interessen eine grössere Legitimation erfahren und Ressourcen und Kommunikation gebündelt werden. 2) Sie ist eine Austausch- und Vernetzungsplattform für armutserfahrene Menschen, die Unterstützung bieten kann, um sich für ihre Anliegen wirksam einsetzen zu können. 3) Für staatliche Stellen, Fachpersonen und Forschende ist eine breit abgestützte ständige Struktur eine klare Ansprechstelle und erleichtert einen kontinuierlichen und konstruktiven Dialog mit armutserfahrenen Menschen und ihren Vertretenden.

Approche

Im Projektverlauf beziehen wir sowohl internationale «Best-Practice»-Beispiele als auch armutserfahrene Menschen sowie Betroffenenorganisationen ein, um einen Vorschlag für eine ständigen Begleitgruppe in der Armutsprävention und -bekämpfung auszuarbeite, welcher als Grundlage für den politischen Aushandlungsprozess dienen wird. Dazu wird in einem ersten Schritt eine systematische Literaturrecherche zu beständigen Begleitstrukturen und deren Wirkungspotentiale im internationalen Kontext durchgeführt. Die Resultate dienen als Orientierung, um partizipativ einen Vorschlag für den Schweizer Kontext zu erarbeiten. Die gemeinsame Erarbeitung des Vorschlags ist wie folgt organisiert: In einem ersten Schritt werden armutserfahrene Personen sowie Betroffenenorganisationen (als zentrale Träger einer beständigen Begleitstruktur) an Workshops auf Französisch und Deutsch teilnehmen. Das Wissen von Fachpersonen und Vertreter*innen aus der Sozialpolitik wird in einem zweiten Schritt eingeholt. Dieses ergänzende Wissen dient als Feedback, indem nützliche Hinweise zur Anschlussfähigkeit des Konzepts an gegebene politische Strukturen und mögliche Förderungsmöglichkeiten festgehalten werden. Eine Begleitgruppe, welche sich aus zwei Vertreter*innen von Betroffenenorganisationen, einer Vertretung des Forschungsteams und der BSV-Projektgruppe zusammensetzt, stellt sicher, dass die Sicht der unterschiedlichen Beteiligten genügend berücksichtigt werden.

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