- Medienmitteilung
Bauen mit Holz - adaptiv, hybrid, zukunftsweisend - Ein Nachbericht
17.09.2026 Holz überzeugt durch Flexibilität, Leichtigkeit und vielseitige Kombinierbarkeit – im Neubau wie im Bestand. Der Holzbautag in Biel gab am 10. September 2026 einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und setzte Impulse. Rund 270 Teilnehmende aus Architektur, Planung und Holzbau nutzten den Anlass der Berner Fachhochschule im Kongresshaus Biel für den fachlichen Austausch und die Vernetzung.
Das Wichtigste in Kürze
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270 Teilnehmende besuchten den Holzbautag Biel 2026 im Kongresshaus Biel, im Zentrum stand die Frage, wie Holzbau adaptiv, hybrid und zukunftsweisend umgesetzt werden kann.
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Präsentiert wurden wegweisende Projekte aus den Bereichen Neubau, Umbau, Aufstockung und Holz-Hybridbau.
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Praxisbeispiele zeigten die Potenziale von Holz in Kombination mit Lehm, Stroh und weiteren nachhaltigen Baustoffen.
19. Holzbautag Biel: Daten & Fakten
- Veranstalterin: Berner Fachhochschule, Biel
- Partnerin: Lignum Holzwirtschaft Schweiz
- 19 Referate
- 31 Referentinnen und Referenten
- 270 Teilnehmende
- Moderation: Cornelius Oesterlee und Stanislas Zimmermann
«Die Bereiche Architektur, Holz und Bau wachsen immer mehr zusammen. Dies ist ein transdisziplinärer Austausch, der über die beruflichen Grenzen hinausgeht. Umso mehr freue ich mich, diesen Austausch auch mit Ihnen pflegen zu dürfen.» Mit diesen Worten begrüsste Peter Staub, Direktor des Departements Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule BFH die Teilnehmenden in Biel. Durch die Tagung führten in bewährter Manier die BFH-Professoren Cornelius Oesterlee und Stanislas Zimmermann. Mit dem Bauprojekt «Momentum», dem temporären Hotel auf der Lauchernalp, gab es zum Einstieg direkt ein Thema, das Ende des vergangenen Jahres schweizweit für Aufmerksamkeit sorgte. Nach dem Bergsturz bei Blatten (VS) Ende Mai 2025 entstand das temporäre Holzhotel auf der Lauchernalp in rekordverdächtig kurzer Zeit, um den Hoteliers des verschütteten Orts ihre betriebliche Zukunft zu sichern. Christoph Stahel (Pool Architektur) und Eric Mühlemann (Schäfer Holzbautechnik AG) beschrieben als Duo aus Planung und Praxis, wie das anspruchsvolle Unterfangen gelingen konnte. Nicht nur musste der Bau in 105 Arbeitstagen für die Feriengäste bis zum Beginn der Weihnachtsferien bezugsfertig sein – die Baustelle hatten auch mit einem frühen Wintereinbruch zu kämpfen. Insgesamt wurden für den Temporärbau 338 Quadratmeter Holz verbaut, davon rund 80 Prozent Schweizer Holz, so Eric Mühlemann.
Mit einem Blick auf die Klinik Arlesheim H4H schloss sich im Vortragsbock 1 ein weiteres herausragendes Holzbauprojekt zum Motto «adaptiv, hybrid, zukunftsweisend» an. Yaike Dunselman (9graden architectuur) und Kurt von Felten (Makiol Wiederkehr AG) stellten vor, wie in der Klinik die Symbiose aus Architektur, Medizin und Holz gelang. «Wir sehen es als Herausforderung an, Gebäude zeitgemäss – und mit Respekt vor der Geschichte – in bestehende städtebauliche und landschaftliche Strukturen zu integrieren», so Yaike Dunselman. «Es geht darum, bestehende Qualitäten weiterzuentwickeln und mit neuen Ideen zu bereichern.» Die als «heilende Architektur» bezeichnete Bauweise verbindet mit einem Lichthof das Innen und Aussen der Klinik, bietet dank angenehmem Raumklang eine ruhige Umgebung, ermöglicht den Patienten auch aus den Korridoren Ausblick, verwendet natürliche Materialien und gibt den Besuchern durch ein ausgeklügeltes Farbkonzept Orientierung im Gebäude. Kurt von Felten erläuterte anschliessend das Tragwerkskonzept und ingenieurtechnische Herausforderungen.
Mit dem Wohnhaus Wächselacher in Stans, das wie ein Mississippi-Dampfer im Quartier steht, rückte ein Neubau im ländlichen Raum in den Fokus. Das gestalterisch anspruchsvolle, dreigeschossige Gebäude nimmt in seiner Form und Anmutung Bezug auf das bestehende Nachbargebäude – ein viergeschossiges Holzhaus in ländlicher Tradition. Massivholz, Lehmputz und Holzbetonverbunddecken gehen im Neubau eine Symbiose ein. «Die vier Wohnungen je Geschoss sind symmetrisch um den Erschliessungskern in der Mitte angeordnet», beschrieb Søren Linhart (Seiler Linhart Architekten) den Entwurf. Umlaufende Holzbalkone und das weit auskragende Dach verleihen dem Bau ein luftiges Aussehen, und schützen die sägerohe Holzfassade vor Verwitterung. Das Holz stammt zu 100 Prozent aus den Wäldern des Kantons, betonte Linhart den Beitrag zur Nachhaltigkeit. «Die Wände wurden in Vollholz ausgebildet», ergänzte Jonin Frigg (Pirmin Jung Schweiz AG). Diese seien ebenso wie die Brettstapeldecken sichtbar geblieben. Auf die Frage des Moderators, ob die Massivholzwände Materialverschwendung seien, wandte er ein, dass Holz in hoher Qualität nur für die äusseren Lagen der Wände verbaut wurde – in der Mitte des Wandaufbaus kam Holz in minderer Qualität zum Einsatz. «Holz, das woanders nicht mehr verbaut, sondern als Käferholz verbrannt oder zu Leimprodukten verarbeitet worden wäre», warf Linhart ein.
Lehm und Holz spielen auch im Quartierhaus Plaines-du-Loup in Lausanne die Hauptrolle. Der Bau aus vier miteinander verbundenen Kubaturen dient im Quartier de la Louve als Kultur- und Gemeinschaftszentrum und ist eines der ersten öffentlichen Gebäude der Schweiz, das konsequent klimaschonend gebaut wurde. Die Innenwände wurden aus Stampflehm, die Aussenwände aus Holzrahmen mit Hanflehmfüllung und die Fassade aus gestampftem Hanfkalk erstellt, wie Lorraine Beaudoin und Christophe Joud (Joud Beaudoin Architectes) aufzeigten. Die Holzrahmen der Wände, das Dach, die innenliegenden Galeriebalkone wie auch die mehrteiligen Fenster und das Mobiliar sind in Holz erstellt und prägen – neben dem Lehm – die Erscheinung des Gebäudes.
Bildungsbauten in Holzbauweise
Im zweiten Vortragsblock standen mit der Volksschule Weissenbühl Bern, der Kantonsschule Wattwil (SG) und dem Campus Biel drei Bildungsbauten im Mittelpunkt, die sich teils noch im Bau befinden. Allen gemeinsam ist die Komplexität, die es bei Grossbauten dieser Art sowohl in der Planung der Bauprozesse als auch in der Organisation der Vorfertigung und Montage zu berücksichtigen gilt. Die Volksschule Weissenbühl ist mit einer Bausumme von 72 Mio. Franken veranschlagt und soll bis 2028 fertiggestellt sein. «Die Gebäudestruktur des dreiteiligen Baukörpers beruht auf einem Achsmass-Grundraster von 3,54 Metern und bietet eine hohe Flexibilität für Klassenzimmer, Fachräume und Lernlandschaften», so Leander Walther (GWJ Architektur AG). Auch das Potenzial einer zukünftigen Aufstockung wurde bereits mitgedacht. Die Tragwerksstruktur des sechsgeschossigen Schulbaus (drei ab EG in Holz, weitere drei im UG in Beton – inkl. Sporthalle und Luftschutzraum) mit seinen drei baugleichen Clustern basiert auf Stützen in gleichen Dimensionen mit unterschiedlichen Festigkeiten sowie tragenden Loggia-Wänden. Die Holz-Beton-Verbunddecken in Kombination mit Brettstapeldecken sowie die HBV-Rippendecken mit Fertigbetonelementen ruhen auf Primärträgern aus Beton, zum Teil auf HBV-Trägern und zusätzlichen Sekundärträgern aus Stahl. «Plant keine exotischen Betonqualitäten und passt auf, wenn ihr den Wasserzementwert anpasst», teilte Urs Füllemann (Solubois) seine Erfahrung aus dem Planungsprozess. Sein weiteres Learning aus dem Projekt: «Wenn nicht die gleiche Person die Detailanschlüsse von Holzbau und Massivbau plant, kommt man schnell an seine Grenzen.»
Bei der Kantonschule Wattwil – einem kompakten dreigeschossigen Baukörper mit einem lichtdurchfluteten Atrium – wurde das Projekt nach dem «Design to Cost»-Prinzip definiert und mit Building Information Modeling (BIM) geplant. Beim Entwurf spielte das Machbare bei einem Holzbau eine grosse Rolle, erläuterte Michael Künzle (Gunz & Künzle Architekten): «Wie tief können die Räume ohne Stützen sein?» Früh waren schon die Holzbeschaffung (rund 3000 Festmeter regionales Holz aus dem Toggenburg) sowie die Vorfertigung ein Thema, ergänzte Christoph Zingg (Blumer-Lehmann AG). Die Produktion der Holzelemente wurde unter vier Holzbauunternehmen aufgeteilt: Aussenwände produzierten die Abderhalden Holzbau AG aus Wattwil und die Bleiker Holzbau AG aus Lichtensteig, die Decken lieferte die S. Müller Holzbau AG aus Wil und die Innenwände sowie die Fassadenbauteile wurden bei der Blumer-Lehmann AG in Gossau gefertigt. Total sind 3623 Kubikmeter Holz für den Campus Wattwil verbaut worden. Die Koordination der ARGE und Subunternehmen, die Baustelleninstallation und nicht zuletzt der Witterungsschutz bei zahlreichen Regentagen stellte die federführende Blumer-Lehmann AG durchaus vor Herausforderungen, so Zingg und erklärte: «Die Baustelle war ausserdem sehr eng. Gerade mit der Vorfertigung funktioniert die Montage nur, wenn das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt ankommt.» Fertiggestellt wurde die Kantonsschule im August 2026.
Die Komplexität bei Grossbauten zu reduzieren ist ein Anliegen von Wolfram Kübler (Walt Galmarini AG). Er stellte den neuen Campus der Berner Fachhochschule vor, der mit Baukosten von 340 Mio. Franken, 65 000 Quadratmetern Geschossfläche, rund 80 Unterrichts- und Seminarräumen für 2350 Studierende und Personal sowie 140 Laborräumen und Werkstätten, einem Restaurant, einem Werkhof und einer Tankstelle in einer eigenen Liga spielt. «Das Gebäude muss adaptiv, also anpassungsfähig sein,» so Kübler. Bestenfalls passe es sich selbständig an verändernde Bedingungen an. Er stelle sich jedoch die Frage, ob Adaptivität mit der bisherigen Gebäudetechnik überhaupt möglich sei. Ein weiteres Thema, das den Ingenieur antreibt, ist die Reduktion des (hohen) Holzverbrauchs. HBV-Rippendecken statt flächiger Holz-Beton-Verbunddecken führten beispielsweise zu einer Reduktion des Holzvolumens auf bis zu 25 Prozent. «Der neue Campus ist städtebaulich und architektonisch unglaublich schön», freut sich Kübler auf die Fertigstellung des Gebäudes. Auch zur Bauzeit äusserte er sich. Der ursprünglich geplante Baustart (und Einzugstermin im Jahr 2021) wurde aus verschiedenen Gründen weit überschritten, doch just am Abend des Holzbautags Biel 2026 konnte endlich mit der Marti AG und Künzli Holzbau AG aus Davos das Richtfest gefeiert werden – nur ein Jahr nach dem Start der Montage des Holz-Hybrid-Tragwerks. 2028 soll der neue Campus Biel bezugsbereit sein.
«Wir sehen es als Herausforderung an, Gebäude zeitgemäss – und mit Respekt vor der Geschichte – in bestehende städtebauliche und landschaftliche Strukturen zu integrieren.»
An- und Aufbauten und Neues aus der Holzbauforschung
«Der Einsatz von Holz am Bau ist vielfältig», fasste Sandra Burlet, Direktorin der Lignum Holzwirtschaft Schweiz, die Vorträge des Vormittags zusammen und leitete zum Nachmittagsprogramm über: «Gerade hinsichtlich der technischen Weiterbildung und Innovation ist die Holzbaubranche seit Jahren ganz vorne mit dabei.» Aber auch punkto Anpassungsfähigkeit / Adaption stehe der Holzbau dem Massivbau in nichts nach – ganz im Gegenteil. Die am Holzbautag Biel vorgestellten Projekte zeigten bereits auf, was der Holzbau alles kann. Schlag auf Schlag ging es dann im 20-Minuten-Takt weiter. In zwei parallel geführten Vortragsreihen im Block 3 folgten zehn Kurzreferate zu den Fokusthemen «Aufstockungen, Anbauten und Einbauten» sowie «Neues aus der Holzbauforschung». Angesichts der immer knapper werdenden Bodenressource gewinnt das Thema der Aufstockung und innerstädtischen Verdichtung an Relevanz, auch im Sinne der Suffizienz gewinnen An- und Aufbauten an Bedeutung: Das Auditorium erhielt Einblick in eine städtische Lückenbebauung in Basel mit dem HIL Townhouse, in die Erweiterung und Sanierung des Musée Gruérien und der Bibliothek Bulle (FR), in die Aufstockung des Pflegezentrums Loogarten in Esslingen (ZH) unter laufendem Betrieb, in die Erweiterung und Aufstockung der Wenger Fenster AG in Wimmis (BE) sowie in die Aufstockung an der Avenue Wendt in Genf – eine innerstädtische Verdichtung. In einem weiteren Saal widmeten sich die Redner/innen einem modularen Holzbausystems zur Aktivierung ungenutzter Gebäude, berichteten über das Projekt «Aussteifende Holzrahmenbauwände mit Öffnungen», gingen auf die Grundschwingzeit von Holzbauten im Erdbebenfall ein, stellten eine biaxial tragende Hohlkastendecke vor und präsentierten den Build-in-Wood-Demonstrator – ein Reallabor für modularen DfMAD-Systembau (Design für Manufacturing and Assembly/Disassembly).
Holzbauprojekte aus Skandinavien
Mit einem Blick über den Schweizer Tellerrand nach Skandinavien schloss der Holzbautag Biel 2026. «Skandinavien hat die grössten Wälder, den höchsten Holzbauanteil und eine sehr weit entwickelte Holzbaukultur», moderierte Professor Stanislas Zimmermann Vortragsblock 4 an. Das Holzbauprojekt ETC Hyllie in Malmö sei ein wegweisendes, klimapositives Wohngebäude-Projekt im modernen Stadtteil Hyllie, das im Frühjahr 2026 fertiggestellt wurde. Die Co-Referenten Daniel Fagerberg (Sweco AB, Strombro Building Workshop) und Flavio Nebiolo (Dquadro srl) machten in ihren Ausführungen deutlich, warum das Gebäude als ein internationales Leuchtturmprojekt für nachhaltige, biobasierte Architektur gilt. Es ist einerseits das höchste Gebäude der Welt mit einer strohgedämmten Aussenwandstruktur. Auch besteht das gesamte Tragwerk des zwölfstöckigen Gebäudes komplett aus Massivholz (inklusive Treppenhaus und Aufzugschacht) – vorwiegend aus Brettsperrholz (CLT) und Brettschichtholz. Auf rund 1500 Quadratmetern Fassadenfläche sorgt Stroh als natürliches, nachwachsendes Material für eine exzellente Wärmedämmung. Um den CO₂-Fussabdruck drastisch zu senken, wurde auf klassischen Estrich und Ortbeton verzichtet. Stattdessen kam ein spezielles Trockenbodensystem in Kombination mit Akustikplatten aus 100 Prozent recyceltem Material zum Einsatz. Von Malmö ging es weiter zum Sara Cultural Centre in Skellefteå, im Norden Schwedens, und in die Wood City direkt vor den Toren Stockholms. Architektin Maria Orvesten (White Arkitekter) hat an beiden Projekten mitgewirkt und teilte ihre Erfahrungen mit den Teilnehmenden des Holzbautags Biel. «Unsere Erfahrungen aus dem Sara-Projekt haben wir als Grundlage für unsere Vision der Stockholm Wood City an den Projektentwickler Atrium Ljungberg weitergegeben», so Orvesten. «Wir sind sehr begeistert, Teil des Projekts zu sein und einen Beitrag für eine nachhaltige Gesellschaft zu leisten», betonte die Architektin, die bereits den Mobility Hub in der Wood City realisierte. Der Holzbautag Biel klang mit einem Netzwerk Apéro in der Fachausstellung mit 41 Unternehmen aus.