Schweizerischer Maturaarbeitspreis 2026

11.05.2026 Jährlich ehrt HKB die besten Maturaarbeiten der Schweiz. Die fünf ausgestellten Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Erinnerung und Transformation und wählen dabei eigenständige Herangehensweisen.

Der Schweizerische Maturaarbeitspreis (SMAP) richtet sich an Schüler*innen der Sekundarstufe II, die sich in ihrer Maturaarbeit im Fach Bildneri­sches Gestalten mit der eigenen künstlerischen Praxis auseinander­setzen. Der SMAP ist ein Projekt der Hochschule der Künste Bern (HKB) in Zusammenarbeit mit dem Verband Schwei­zer Lehrer*innen Bildnerische Gestaltung, Bild und Kunst (LBG).

Jedes Jahr erreichen uns viele spannende Projekte von Schulen aus allen Sprachregionen der Schweiz. Die eingereichten Arbeiten werden von einer Jury, bestehend aus Vertreter*innen der HKB und des LBG, gelesen, begutachtet und diskutiert. Zu diesem zweistufigen Auswahlverfahren gehört auch die Präsentation des eigenen Projekts durch die Schüler*innen. Anschliessend werden die Finalist*innen und die Gewinner*innen ausgewählt: Letztere werden mit einer Urkunde, einer Ausstellung und einem Geldpreis geehrt.

Aufgrund der hohen Qualität der eingereichten Projekte ehren wir dieses Jahr direkt zwei Gewinnerinnen des SMAP. Herzliche Gratulation Ann Su Lee und Maja Schmidt-Pollitz! Zudem sind wir erfreut, mit Leon Jaquemet und Marie van Kleef zwei weitere Finalist*innen auszuzeichnen und zur Gruppenausstellung einzuladen. Die jungen Künstler*innen halten auf sorgfältige Weise Vergangenes fest, übersetzen neu, überführen in gegenwärtige Formen von Sichtbarkeit – und be­teiligen sich engagiert an der Gestaltung unseres Zusammenlebens.

Die Arbeiten werden im SCHAUFENSTER noch bis zum 29. Mai 2026 an der Fellerstrasse 11, 3027 Bern gezeigt.

Zu den Werken

Intimität entsteht durch physische Nähe. Ist ein Ort nicht mehr begehbar, bleibt die Erinnerung daran zurück; manchmal leicht verschoben, oft nostalgisch gefärbt. Diesem Gefühl des «appel du vide», dem Ruf nach der Leere, widmet sich Ann Su Lee in ihrer fotografischen Arbeit. In ihrem Artist Book macht sie den Dialog zwischen Präsenz und Abwesenheit gekonnt über ausdruckstarke Fotografien und verschiedene Materialitäten sichtbar. Die Fotografien werden dabei zur Annäherung an das, was nicht mehr ist. Ausgehend von einer intensiven philosophischen Auseinandersetzung mit Susan Sontag wird Fotografie zum Raum, der versucht, das Verlorene festzuhalten.

Maja Schmidt-Pollitz beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den chilenischen Arpilleras. Auf den Bildteppichen werden Erinnerungen und Alltagsgeschichten als Stickereien festgehalten. Sie funktionieren als alternative Form von Geschichtsschreibung und haben subversive Schlagkraft. So auch bei Maja Schmidt-Politz; sie bringt in ihrer Arbeit Fluchtgeschichten von Jugendlichen in der Schweiz mit dem chilenischen Handwerk in Verbindung. Im Zentrum steht die Frage, wie verblassende (Heimat-)Erinnerungen und kulturelle Identität durch Kunsthandwerk bewahrt und weitergereicht werden können. In ihrer Arbeit reflektiert Maja Schmidt-Pollitz die Co-Autor*innenschaft, das entstandene Wandbild und den Arbeitsprozess kritisch und zeigt auf, wie Kunst als Medium des Erinnerns wirken und marginalisierte Perspektiven sichtbar machen kann.

In seiner Arbeit gestaltet Leon Jaquement Serviertabletts aus ausrangierten Verkehrsschildern und berücksichtigt dabei designtheoretische Aspekte des Recyclings und der Langlebigkeit. Besonderes Augenmerk legt er mit seiner Arbeit auf den Designprozess der Objekte. Dazu gehören Materialwahl, Formfindung und Prototypenentwicklung; technische Umsetzung und Verpackungsgestaltung. Leon Jaquemet denkt in seiner umfassenden Arbeit ebenfalls den Aufbau eines Unternehmens mit, welches nach seiner Zeit am Gymnasium weiterbestehen kann. Entstanden ist ein marktfähiges Produkt, welches heute seriell produziert und bald in Gastronomie-Betrieben verwendet wird.

Marie van Kleefs Arbeit umfasst eine malerische Serie von drei Ölgemälden, die sich ihren Geschwistern widmet und der Frage nachgeht, worin die Herausforderung beim Porträtieren von vertrauten Menschen liegt. Dabei wird Malerei nicht nur als fertiges Bild verstanden, sondern als sichtbarer Prozess mit einem Ursprung in fotografischen Vorlagen. Das Ringen um die Darstellung des Gegenübers wird über den intensiven malerischen Duktus im Werk selbst erfahrbar. Menschen nahekommen verbindet persönliche Nähe geschickt mit künstlerischer Reflexion und befragt das Porträt als zeitloses Thema der Kunst.

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