Corona-Krise bremst nachhaltige Innovationen in Schweizer KMU

28.04.2021 Die Corona-Krise trifft Schweizer KMU hart: 92 Prozent der insgesamt 254 befragten Unternehmen geben an, in irgendeiner Form von der Krise betroffen zu sein. Im Fokus der zweiten Befragung der Verlaufsstudie der BFH Wirtschaft stand das Innovationsverhalten im vergangenen Jahr. Das Ergebnis: Die Innovationstätigkeit der Unternehmen ist bis zu 90 Prozent eingebrochen. Darunter leiden vor allem nachhaltige Innovationen, für welche lediglich fünf Prozent der verfügbaren Ressourcen eingesetzt wurden.

Auch ein Jahr nach Ausbruch ist die Corona-Krise für Schweizer KMU allgegenwärtig. Die Studie von Prof. Dr. Sebastian Gurtner des Instituts Innovation & Strategic Entrepreneurship der BFH Wirtschaft zeigt, dass 92 Prozent der insgesamt 254 befragten Unternehmen von der Krise betroffen sind; 5 Prozent gar in einem existenzbedrohenden Ausmass. In der ersten Befragung im März und April 2020 wurde die Betroffenheit mit 99 Prozent (in irgendeiner Form) bzw. 12 Prozent (existenzbedrohend) noch etwas höher eingeschätzt. 

Umsatzrückgang und Personalabbau als Folgen der Krise 

Knapp die Hälfte der befragten KMU geben an, im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang erlitten zu haben. 9 Prozent der Unternehmen verloren im vergangenen Jahr gar über 50 Prozent ihres Umsatzes. Als Folge davon mussten 18 Prozent der Unternehmen Mitarbeiter*innen entlassen. Auch die in den Vorjahren angesparten Reserven schrumpften im «Corona-Jahr» 2020: Durchschnittlich mussten die betroffenen Unternehmen 40 Prozent ihrer betrieblichen Reserven aufbrauchen. Auch die persönlichen Ressourcen der Unternehmer*innen wurden bei rund jedem fünften Unternehmen angezapft. 

Nicht alle Unternehmen mussten aber Verluste hinnehmen: Immerhin 33 Prozent der Befragten konnten ihren Umsatz im Jahr 2020 sogar steigern.  

Nachhaltige Innovationen spielen in der Krise eine untergeordnete Rolle 

Aufgrund der Corona-Krise waren bei jedem fünften KMU Änderungen im Geschäftsmodell notwendig. Dafür brauchte es in vielen Fällen Innovationen, die sich vor allem auf die Hauptgeschäftstätigkeit der Unternehmen bezogen: 18 Prozent der Investitionen flossen im Jahr 2020 in technologieorientierte Innovationen. Für die Prozessoptimierung wurden 13 Prozent der Investitionsgelder verwendet. Nachhaltige Innovationen wurden dagegen weniger stark vorangetrieben: Lediglich 5 Prozent des verfügbaren Innovationsbudgets floss in Entwicklungsprojekte mit dem Fokus Nachhaltigkeit. 

Falls Unternehmen 2020 Innovationen realisiert haben, dann adressierten diese in erster Linie die sich verändernden Kundenbedürfnisse. Aufgrund der Corona-Krise mussten so beispielsweise neue, digitale Vertriebswege erschlossen werden. Als zweitwichtigsten Grund folgte die Haltung bzw. Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition. 

Knappe Ressourcen, Unsicherheit und geringe Relevanz hemmen nachhaltige Innovationen 

Obwohl die Corona-Krise also Innovationsbestrebungen bei den befragten Unternehmen ausgelöst hat, wurden kaum Projekte realisiert, die die soziale oder ökologische Nachhaltigkeit fördern. Die Ergebnisse der Studien liefern drei mögliche Erklärungsansätze: 

  • Fehlende Ressourcen: In der Corona-Krise fehlten den KMU sowohl Geld als auch Zeit, um sich vermehrt mit nachhaltigen Innovationen zu beschäftigen. Der Hauptfokus lag auf der Weiterführung der operativen Geschäftstätigkeit. 
  • Kurzfristiger Planungshorizont: 2020 war geprägt von Unsicherheit: Eine langfristige Planung war kaum möglich; die Rahmenbedingungen (z.B. Personenbeschränkungen, Ladenschliessungen) änderten sich oft kurzfristig und auch die Kundenbedürfnisse veränderten sich. In dieser Situation war es für die Unternehmer*innen schwierig, Innovationen längerfristig zu planen und umzusetzen. 
  • Geringe Relevanz nachhaltiger Innovationen: Das Bewusstsein, welchen Beitrag das eigene Unternehmen leisten kann, um eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu gewährleisten, ist bei vielen Unternehmen noch zu wenig ausgeprägt. In einer Pandemie wird zudem die Relevanz oft auch kurzfristig und mit einer Innensicht bewertet. Ein Grossteil der befragten Unternehmen war im Jahr 2020 mit der Aufrechterhaltung des operativen Geschäfts unter den neuen Bedingungen ausgelastet. Nachhaltige Innovationen, die keinen direkten Einfluss auf die Geschäftstätigkeit haben, rückten damit in den Hintergrund. 

Die Ergebnisse stammen aus der zweiten Befragung einer Verlaufsstudie des Instituts Innovation & Strategic Entrepreneurship der BFH Wirtschaft. Die Befragung fand im März und April 2021 statt. Die erste Befragung der Verlaufsstudie wurde im März und April 2020 durchgeführt. 

Ausmass der Betroffenheit nach einem Jahr Corona-Krise Bild vergrössern
Ausmass der Betroffenheit nach einem Jahr Corona-Krise
Umsatzentwicklung im Jahr 2020 Bild vergrössern
Umsatzentwicklung im Jahr 2020
Investitionen in Innovationen 2020 Bild vergrössern
Investitionen in Innovationen 2020
Gründe für Investition in Innovationen Bild vergrössern
Gründe für Investition in Innovationen

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Fachgebiet: Wirtschaft + Management, Institut Innovation & Strategic Entrepreneurship
Rubrik: Wirtschaft + Management