- News
Angeordnete Konfliktbearbeitung bei Elternkonflikten: Praxisleitfaden veröffentlicht
01.06.2026 Bei eskalierten Elternkonflikten ordnen Behörden und Gerichte zunehmend Beratungen oder Mediationen an. Ein BFH-Forschungsprojekt untersuchte systematisch, wie diese Interventionen wirken, welche Faktoren zum Erfolg beitragen und wo ihre Grenzen liegen. Die aus der Studie abgeleiteten Empfehlungen für die Praxis liegen jetzt als Leitfaden vor.
Das Wichtigste in Kürze
-
Elternkonflikte können sich negativ auf das Wohlbefinden der Kinder auswirken und stellen auch Fachpersonen im Unterstützungssystem vor grosse Herausforderungen.
-
Sowohl angeordnete Beratungen als auch angeordnete Mediationen bieten gute Möglichkeiten zur Konfliktbearbeitung, sind aber anspruchsvolle Interventionen.
-
Auf Basis des BFH-Forschungsprojekts wurde nun ein praxisorientierter Leitfaden zur angeordneten Konfliktbearbeitung veröffentlicht, der Fachpersonen bei der Anordnung und Ausgestaltung der Interventionen unterstützt.
Trennungen und Scheidungen mit minderjährigen Kindern sind häufig mit eskalierten Konflikten zwischen den Eltern verbunden. Diese Konflikte können sich negativ auf das Wohlbefinden der Kinder auswirken und stellen auch Fachpersonen im Unterstützungssystem vor grosse Herausforderungen. Um dem zu begegnen, werden in der Schweiz zunehmend psychosoziale Interventionen wie angeordnete Beratungen oder angeordnete Mediationen eingesetzt.
Ein aktuelles BFH-Forschungsprojekt hat diese Praxis genauer untersucht. Ziel war es, Merkmale, Wirkfaktoren sowie Chancen und Herausforderungen dieser Interventionen zu analysieren. Grundlage der Studie sind Leitfadeninterviews mit acht betroffenen Elternteilen und 21 Fachpersonen aus Beratung, Mediation und Behörden.
Die Ergebnisse zeigen, dass angeordnete Beratungen und angeordnete Mediationen viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Beide zielen darauf ab, die Kommunikation zwischen den Eltern zu verbessern, die Konfliktdynamik zu bremsen und die Eltern in die Verantwortung für gemeinsame Regelungen im Interesse der Kinder zu nehmen. Ein zentraler Wirkfaktor ist dabei ein geschützter Rahmen, indem die Fachpersonen die Gespräche stark strukturieren.
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass diese Form der Konfliktbearbeitung anspruchsvoll ist. Starke Emotionalität, verhärtete Konfliktdynamiken oder organisatorische Faktoren wie lange Wartezeiten können den Prozess erschweren. Zudem gibt es Situationen – etwa bei akuter Kindeswohlgefährdung oder häuslicher Gewalt – in denen solche Interventionen nicht geeignet sind.
Die Erkenntnisse sind in die Entwicklung eines praxisorientierten Leitfadens zur angeordneten Konfliktbearbeitung eingeflossen, der Fachpersonen bei der der Anordnung und Gestaltung der Interventionen unterstützt. Den Leitfaden und den Forschungsbericht können Sie auf dieser Website unter Downloads herunterladen beziehungsweise eine Printversion des Leitfadens bestellen.