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Neuer Vorsitz im Architekturrat Schweiz
11.06.2026 Der Architekturrat der Schweiz vereint alle zwölf Architekturhochschulen sowie die Berufsverbände SIA und BSA. Als unabhängige nationale Plattform fördert er Lehre und Forschung, positioniert sich zu zentralen Fragen der Architekturausbildung und setzt sich für eine hohe Baukultur ein. Im Interview spricht Peter Staub über Ziele, Herausforderungen und seine Motivation.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Architekturrat ist die nationale Austauschplattform der zwölf Schweizer Architekturschulen und vertritt seine gemeinsamen Anliegen gegenüber Praxis, Verbänden und Politik.
- Peter Staub, Direktor des Departements Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule wurde zum Vorsitzenden des Architekturrats Schweiz gewählt.
- Im Fokus stehen eine hohe Baukultur, die wachsende fachliche und gesellschaftliche Komplexität, die Stärkung der Architektur in der Forschung sowie das sich wandelnde Berufsbild der Architekt*innen.
Herzliche Gratulation zur Wahl zum Vorsitzenden des Architekturrats Schweiz. Was bedeutet diese neue Rolle persönlich für Sie?
Das Vertrauen, dass mir von meinen Kolleginnen und Kollegen der anderen Architekturhochschulen sowie von Seiten des SIA und des BSA mit dieser Wahl entgegengebracht wurde, freut mich sehr. Als Mitglied des Vorstands konnte ich bereits über zwei Jahre hinweg wichtige Erfahrungen sammeln. Zahlreiche Gespräche und Besuche an den Schulen ermöglichten mir, den Puls zu fühlen. Aus diesen Begegnungen sind neue Projekte und Handlungsfelder entstanden. Diese möchten wir nun gemeinsam mit dem neuen Vorstand und den Mitgliedern des Architekturrats angehen und umsetzen. Die Baukultur in der Schweiz gemeinsam weiterzuentwickeln, Architektur sichtbar zu machen und nachhaltige Impulse im Bauwesen zu setzen, ist mir ein zentrales Anliegen.
Architekturrat der Schweiz
Der Architekturrat der Schweiz ist ein Zusammenschluss aller Hochschulen und Fachhochschulen der Schweiz, an denen Architektur gelehrt und in diesem Bereich disziplinär und interdisziplinär geforscht wird. Er ist unabhängig von Wirtschaft und Industrie und vertritt die Interessen der schweizerischen Bildungslandschaft in Architektur auf nationaler und internationaler Ebene.
Die Förderung und die Diskussion um eine hohe Baukultur ist dabei in Lehre und Forschung ein zentraler Inhalt des Architekturrats und Ziel der weit über die Schweizer Grenzen renommierten Architekturausbildung der Schweizerischen Hochschulen. Nicht zuletzt ist diese Ausbildung die Grundlage dafür, dass es in der Schweiz seit Jahren eine grosse Anzahl an ausgezeichneten Architekten und Architektinnen gibt, die sich durch ihr tägliches Wirken für hohe Baukultur einsetzen.
Welche Themen stehen derzeit im Fokus?
Der Architekturrat versteht sich als nationale Plattform der zwölf Schweizer Architekturschulen unter Einbezug von SIA und BSA. Er ist sowohl Ermöglicher für Erfahrungs- und Wissensaustausch als auch gemeinsames Sprachrohr im Sinne einer Interessensvertretung. Entlang dieser beiden Handlungsfelder lancieren wir derzeit verschiedene Projekte. Zum Beispiel sollen Workshops und Symposien den Austausch zu aktuellen Herausforderungen in Lehre und Forschung vertiefen. Auch auf administrativer Ebene streben wir Synergien an, um voneinander zu profitieren. Darüber hinaus legen wir einen verstärkten Fokus auf Vernetzung und den Aufbau strategischer Partnerschaften. Und selbstverständlich wollen wir die unterschiedlichen Profile der Schulen sichtbarer machen, um die Vielfalt und die hohe Qualität der Architekturausbildung in der Schweiz zu verdeutlichen. Im Zentrum all unserer Bestrebungen steht dabei stets die Weiterentwicklung des Berufsbilds der Architekt*innen - ein gemeinsames Anliegen, das uns alle antreibt.
Wo sehen Sie aktuell die wichtigsten Herausforderungen für die Architekturausbildung in der Schweiz?
Die Architekturausbildung in der Schweiz geniesst weltweit ein hohes Ansehen. Als generalistisches Studium mit starkem Praxisbezug ist sie aus meiner Sicht einzigartig. Durch konkrete räumliche Interventionen werden Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen gefunden. Das Potenzial, unsere gebaute Umwelt nachhaltig zu gestalten, ist immens, ebenso wie die positive Energie und der damit verbundene Innovationsdrang und Optimismus von Architekt*innen ansteckend sind. Die Aufgaben und die Prozesse der Architektur werden zunehmend komplexer. Wirklich nachhaltiges Bauen lässt sich meist schwer skalieren und ist in der konsequenten Umsetzung oft eine ökonomische Herausforderung.
Die Forschung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Architekturhochschulen verfügen über viel Potenzial, ihre Innovationskraft auch in der Forschung wirkungsvoll einzusetzen. Als vielfältige Disziplin lässt sich die Architektur nur bedingt den traditionellen Wissenschaften zuordnen, was eine erfolgreiche Forschung im Rahmen der schweizerischen Fördergefässe erschwert. Umso wichtiger ist es, die Architekturlehrenden gezielt in der Forschung zu stärken.
Letztlich geht es aber immer um das sich wandelnde Berufsbild. Die komplexen Aufgaben der Architektur überspannen Massstäbe und Disziplinen und sind damit per se inter- und transdisziplinär. Entsprechend vielfältig sind die dazu erforderlichen Kompetenzen. Diese Komplexität im Rahmen eines Studiums abzubilden ist eine grosse Herausforderung.
«Die Brücke zwischen den ideologischen Ansprüchen der Architekturausbildung und der gebauten Realität zu schlagen, sehe ich weiterhin als grosse Herausforderung.»
Wie kann der Architekturrat vom transdisziplinären Know-how der BFH profitieren?
Die Berner Fachhochschule versucht, die Baukultur ganzheitlich und transdisziplinär zu gestalten. Dazu gehören die Studiengänge im Bereich Landschaftsarchitektur, Bauingenieurwesen, Architektur und Holztechnik. Die Erfahrungen, welche wir in diesem Zusammenspiel und durch gemeinsame Lerneinheiten machen, fliessen sicherlich in übergeordnete Diskussionen des Architekturrats ein - genauso wie diejenigen aller anderen Schulen. Unterschiedliche Herangehensweisen sowohl in didaktischer als auch inhaltlicher Sicht führen zu der angesprochenen Vielfältigkeit der Schweizer Architekturausbildung, von der wir alle profitieren.
Wenn Sie in vier Jahren zurückblicken: Was möchten Sie mit ihrer Arbeit im Architekturrat erreicht haben?
Ich würde mich sehr freuen, wenn der Architekturrat in vier Jahren als schweizweit wichtigstes Gremium für Fragen und Anliegen der Lehre und Forschung in der Architektur wahrgenommen wird, sowohl von den Architekturschulen selbst als auch von Praxis und Politik.