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Caring Spaces – Räume in denen Fürsorge wächst

16.04.2026 Wie entstehen Räume, die das soziale Miteinander und fürsorgliche Beziehungen stärken? Im Themenfeld Caring Society wird zu solchen Caring Spaces geforscht mit dem Ziel, konkrete Massnahmen umzusetzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Themenfeld Caring Society forscht zu Caring Spaces – zu Räumen, in denen fürsorgliche Beziehungen möglich sind.
  • Caring Spaces umfassen geografische Räume wie neue Wohnformen, soziale Gemeinschaften aber auch digitale Begegnungsräume.
  • Drei Projekte zeigen auf, in welcher Bandbreite Caring Spaces verstanden werden können.

Nicht jeder Raum hat vier Wände. Im Themenfeld Caring Society verstehen wir unter dem Begriff und Schwerpunktthema «Caring Spaces» Räume, in denen Fürsorge möglich wird. Das umfasst sowohl geografische Räume, als auch soziale Gemeinschaften und digitale Begegnungsräume, die Nähe auch über Distanzen ermöglichen.

In Themenfeld-Projekten erforschen wir, wie innovative Wohnmodelle aussehen könnten; aber auch, was es bedeutet, keinen Raum – kein Zuhause – zu haben, also obdachlos zu sein. Wir wollen verstehen, wie Menschen in Pflege- oder Sozialinstitutionen ihre Rechte selbstbestimmt ausüben können.

Welche räumlichen Voraussetzungen helfen Menschen, fürsorgliche Beziehungen einzugehen? Wir suchen nach Antworten und leiten daraus konkrete Massnahmen ab, die Veränderung ermöglichen. Ein bereits umgesetztes Projekt ist das Menopause-Café: Ein Raum, in dem sich Betroffene und Interessierte in entspannter Atmosphäre und ohne Tabus über die Wechseljahre austauschen und voneinander lernen können. Weitere Projekte sind geplant, um unterschiedlichste Räume zu untersuchen. Die folgende Auswahl verdeutlicht die ganze Bandbreite von Caring Spaces – fürsorglichen Räumen.

Wir wollen verstehen, wie sich das Älterwerden in der Obdachlosigkeit gestaltet.

  • Sabrina Laimbacher und Simone Gäumann Co-Projektleiterinnen

Connect: Älterwerden in der Obdachlosigkeit 

Das interdisziplinäre Projekt CONNECT baut auf den Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt ReachOut sowie dem Vorprojekt CONNECT auf. Das zweijährige Projekt wird in den Städten Bern und Zürich durchgeführt. Drei Fragen an die Co-Projektleiterinnen Sabrina Laimbacher und Simone Gäumann:

Warum braucht es ein Projekt wie CONNECT?

Obdachlosigkeit bedeutet ein Leben unter extrem prekären Bedingungen. Wenn Menschen in der Obdachlosigkeit älter werden, verschärfen sich gesundheitliche Probleme und die Herausforderungen bei der Alltagsbewältigung. Aufgrund erlebter biografischer Stigmatisierung und negativer Institutionserfahrungen ziehen sich viele Betroffene zurück und meiden Unterstützungsangebote. Gegenwärtig ist noch wenig über die Situation älterwerdender Obdachloser bekannt. Hier setzt CONNECT an: Wir wollen verstehen, wie sich das Älterwerden in der Obdachlosigkeit gestaltet und welche subjektiven Bedürfnisse im Alter hinsichtlich Gesundheit und Wohnen entstehen.

Was untersucht das Projekt konkret?

CONNECT sucht älterwerdende obdachlose Menschen in Bern und Zürich ethnografisch auf, um aus ihrer Perspektive Veränderungen im Alter, Bewältigungsstrategien und Unterstützungsbedarfe sichtbar zu machen. Gleichzeitig involvieren wir ihre sogenannten Caring Communities – also Fachpersonen, informelle Anlaufstellen und Privatpersonen im sozialräumlichen Umfeld. Auf dieser Basis entwickeln wir gemeinsam ein Produkt, das den Zugang zu Unterstützung erleichtern und Caring Communities stärken soll. Dies wird getestet, weiterentwickelt und schliesslich implementiert.

Welchen Beitrag möchte CONNECT langfristig leisten?

Unser Ziel ist es, Unterstützungsangebote so weiterzuentwickeln, dass sie niederschwellig, diversitätssensibel und bedürfnisorientiert sind. Durch die aktive Einbindung der Betroffenen wollen wir ihre Perspektiven sichtbar machen und gesellschaftliche Sensibilisierung fördern. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, die Marginalisierung älterer obdachloser Menschen zu verringern und ihnen mehr Selbstbestimmung im Alter zu ermöglichen.

Hier geht es  zum Projekt.

Das Projekt untersucht, welche Formen von nicht-formellem Zwang Menschen mit Behinderungen in Wohn- und Pflegeheimen erleben und wie diese entstehen.

  • Daniela Willener Co-Projektleiterin

Förderung eines selbstbestimmten Lebens von Menschen mit Behinderungen in Wohn- und Pflegeheimen durch die Reduktion von nicht-formellem Zwang

Wie lässt sich ein Wohn- oder Pflegeheim zu einem echten Caring Space entwickeln – einem Ort, der Fürsorge mit Selbstbestimmung verbindet? Ein aktuelles Forschungsprojekt geht genau dieser Frage nach. Es basiert auf einem Vorprojekt mit Betroffenen, Angehörigen, Beistands- und Fachpersonen. Co-Projektleiterin Daniela Willener führt aus:

Warum braucht es dieses Projekt?

Menschen mit Behinderungen, die in Wohn- und Pflegeheimen leben, erleben häufig Einschränkungen ihrer Freiheit und Selbstbestimmung. Neben den bekannten, rechtlich definierten Formen von Zwang wirken vor allem subtilere, nicht-formelle Zwangsformen stark auf ihren Alltag, etwa starre Essenszeiten oder institutionelle Abläufe. Diese Formen sind bisher kaum beschrieben und es fehlen systematische Ansätze, um sie zu reduzieren. Zudem zeigt sich, dass vertretungsberechtigte Personen eine zentrale, aber wenig erforschte Rolle spielen: Ihr Einbezug ist uneinheitlich, ihre Aufgaben sind oft unklar, und nicht-formeller Zwang bleibt auch für sie häufig unsichtbar. Das Projekt reagiert auf diesen dringenden Bedarf nach Klarheit, Sensibilisierung und strukturierten Handlungsmöglichkeiten.

Was will das Projekt konkret untersuchen?

Das Projekt untersucht, welche Formen von nicht-formellem Zwang Menschen mit Behinderungen in Wohn- und Pflegeheimen erleben und wie diese entstehen. Dazu werden in drei Institutionen Fallstudien durchgeführt. Dazu führen wir Interviews mit Menschen mit Behinderungen, vertretungsberechtigten Personen und Fachpersonen, analysieren strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen sowie Rollen, Entscheidungswege und Handlungsspielräume aller Beteiligten. Die Erkenntnisse aus dem Vorprojekt bilden dabei eine wichtige Grundlage; etwa fehlende Wahlmöglichkeiten, unklare Zuständigkeiten oder die Angst, den Heimplatz zu verlieren.

Welchen Beitrag möchte das Projekt längerfristig leisten?

Unser Ziel ist es, die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu stärken. Das Projekt soll Wissen darüber schaffen, wie nicht-formeller Zwang entsteht, wie er erkannt werden kann und welche Handlungsoptionen bestehen. Zentral ist die Entwicklung einer praxisnahen, gemeinsam mit Betroffenen und Fachpersonen erarbeiteten Tool-Box. Diese soll alle Beteiligten befähigen, nicht-formellen Zwang systematisch zu reflektieren, zu thematisieren und abzubauen. Damit soll langfristig ein Umfeld geschaffen werden, in dem Menschen mit Behinderungen ihre Rechte und Bedürfnisse selbstbestimmt leben können.

Hier geht es zum Projekt.

Das Projekt zielt darauf ab, bereits erprobte Formate aus Sozialer Arbeit und Social Design in zwei bis drei Berner Gemeinden praktisch anzuwenden.

  • Annina Tischhauser Projektleiterin

Diversität und Beteiligung in Gemeinden

Um die Teilhabe in Gemeinden auch für Bevölkerungsgruppen zu stärken, die bisher nur schwer erreicht werden, verbindet das Projekt innovative Ansätze der Sozialen Arbeit mit Methoden des Social Designs. So entstehen neue, sinnlich‑kreative Formen der Mitgestaltung. Dank einer Anschubfinanzierung aus dem Themenfeld wird derzeit ein Agora‑Antrag beim Schweizerischen Nationalfonds ausgearbeitet. Ziel ist es, die bisherigen Forschungserkenntnisse zu bündeln und gemeinsam mit ausgewählten Gemeinden konkrete Verbesserungen der Teilhabesituation zu entwickeln. Projektleiterin Prof. Dr. Annina Tischhauser führt aus:

Warum braucht es dieses Projekt?

Viele Gemeinden engagieren sich bereits für Beteiligung, Vernetzung und Unterstützung im Sinne einer sorgenden Gesellschaft. Dennoch bleiben bestimmte Bevölkerungsgruppen schwer erreichbar – etwa Menschen mit Mehrfachbelastungen, sozial isolierte Personen oder Menschen mit geringen Kenntnissen der Mehrheitssprache. Das Projekt reagiert auf diese Lücke, indem es bestehende Forschungsergebnisse zu diversitätssensibler Ansprache und Beteiligung bündelt und für Gemeinden nutzbar macht. Ziel ist es, Teilhabehürden abzubauen und neue Wege der Begegnung und Kommunikation zu eröffnen.

Was will das Projekt konkret erreichen?

Das Projekt zielt darauf ab, bereits erprobte Formate aus Sozialer Arbeit und Social Design in zwei bis drei Berner Gemeinden praktisch anzuwenden. Dazu gehört die Nutzbarmachung von Forschungsergebnissen des Departements Soziale Arbeit und der Hochschule der Künste zu diversitätssensibler Gestaltung von Ansprache und Beteiligung. Zur Zeit synthetisieren wir die bisherigen Projekterkenntnisse, nehmen Bedarfsabklärungen mit interessierten Gemeinden vor und legen für die Antragstellung das gemeinsame Vorgehen fest.

Welchen Beitrag möchte das Projekt längerfristig leisten?

Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, dass Gemeinden niederschwellige, diversitätssensible und kreative Beteiligungsformate und Tools zur Förderung der Teilhabe einsetzen können. Zudem stärkt das Projekt das öffentliche Engagement, schafft neue Räume für Begegnung und unterstützt Gemeinden dabei, Zugehörigkeit und Teilhabe aktiv zu gestalten. Dies sehen wir als Beitrag, Chancengerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt zu fördern.

Hier geht es zum Projekt.

Die vorgestellten Projekte machen deutlich, wie vielfältig Caring Spaces sein können. Gemeinsam ist ihnen, dass sie unterschiedliche Perspektiven einnehmen, Barrieren abbauen und Beziehungen stärken. Und sie verdeutlichen, dass fürsorgliche Räume nicht einfach gegeben sind, sondern aktiv gestaltet werden müssen. Sie entstehen, wenn Forschung, Praxis und Betroffene gemeinsam neue Formen des Miteinanders entwickeln.

Ziel des Themenfelds Caring Society ist es, eine fürsorgliche Gesellschaft voranzutreiben, in der Selbstbestimmung gestärkt und soziale Teilhabe für alle möglich wird. Dazu untersuchen wir auch weiterhin fürsorgliche Räume und überführen die gewonnenen Erkenntnisse möglichst in nachhaltige Strukturen.

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