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Wie KI die Aus- und Weiterbildung verändert
10.09.2026 Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasend schnell und verändert die Berufsbilder: Auch in technischen und Informatikberufen sind neue Grundkompetenzen gefragt. Die BFH-TI reagiert darauf mit neuen Studienangeboten, modularer Weiterbildung, angepassten Vermittlungs- und Prüfungsformaten und noch stärkerem Praxisbezug.
Noch vor wenigen Jahren war KI in der Aus- und Weiterbildung ein Thema für wenige Expert*innen, heute gehört sie in vielen Berufen zu den Grundkompetenzen. An der BFH-TI ist sie inzwischen in jedem Studiengang präsent. Dabei liegt der Fokus eher auf den KI-Anwendungsbereichen – zum Beispiel in Medizin, Wirtschaft und Umwelttechnik – und weniger auf der Forschung oder der reinen Programmierung. Im Umgang mit KI werden zudem ethische und rechtliche Fragen immer wichtiger.
Generative AI Lab
Generative KI (GenAI) ist heute einer der wichtigsten Teilbereiche der künstlichen Intelligenz: Sie ist darauf trainiert, völlig neue Inhalte wie Texte, Bilder, Musik, Videos oder Programmcodes zu erstellen, anstatt Daten nur zu analysieren. Die BFH-TI betreibt mit dem Generative AI Lab eine innovative Forschungseinrichtung, die sich der Weiterentwicklung in dieser Domäne widmet. Anwendungsbereiche sind beispielsweise Gesundheit, Wohlbefinden, Industrie, Kunst und Kommunikation.
Noch näher an den Unternehmen
Ganz grundsätzlich biete KI in vielen Bereichen eine massive Effizienzsteigerung, sagt Bramwell Kaltenrieder, Leiter Weiterbildung Technik und Informatik und Professor für Digital Business, Innovation und Entrepreneurship an der BFH-TI. «Betriebe wollen natürlich maximal von den neuen Möglichkeiten durch KI profitieren. Dadurch rücken wir als Bildungsinstitution noch näher an die Wirtschaft.» Denn als Zudienerin für die Unternehmen sei die BFH-TI verpflichtet, die Studierenden optimal für die Berufswelt zu rüsten. Im Idealfall lernen die Studierenden heute etwas, das sie bereits morgen im Betrieb direkt umsetzen können. Beispiele dafür sind Kompetenzen, um Software-Prototypen zu bauen oder um Prozessoptimierungen im Workflow durch die Integration von Generativer KI (GenAI) oder Machine Learning voranzutreiben.
Der schnelle Wandel der Berufsbilder erfordert auch eine Anpassung der Weiterbildungsangebote an der BFH-TI. «Lebenslanges Lernen ist heute eine berufliche Notwendigkeit», sagt Bramwell Kaltenrieder. Die BFH-TI trägt diesem Wandel Rechnung: Mehrere CAS-Programme wurden gezielt auf den Einsatz von KI ausgerichtet. Dazu zählen etwa «Künstliche Intelligenz», aber auch «Generative AI», «Agentic AI & Decision Intelligence» oder «AI-powered Customer Acquisition», «Data & AI Analytics» und viele mehr.
«Die Nachfrage nach praxisorientierten Weiterbildungsformaten zur KI-Anwendung ist gross», betont Kaltenrieder. Dies zeigten etwa die hohen Anmeldezahlen für das CAS «Application Development with AI», das im Frühling 2026 erstmals startete. Seit letztem Jahr bietet die BFH zudem Short Advanced Studies (SAS) an: Diese rund 50 kompakten Weiterbildungskurse dauern nur wenige Tage und sind ideal, um sich schnell neues Know-how anzueignen – auch im Bereich von KI.
«Betriebe wollen von den Möglichkeiten durch KI profitieren. Dadurch rücken wir als Bildungsinstitution noch näher an die Wirtschaft.»
KI verändert das Lernen und das Lehren
KI verändert aber auch die Wissensvermittlung an sich: Die Zeiten des klassischen Frontalunterrichts sind längst vorbei. Heute erarbeiten sich die Studierenden vieles selbst, auch durch den Einsatz von GenAI-Tools. Bei Flipped-Classroom-Formaten, die an der BFH-TI ebenfalls praktiziert werden, bringen sich die Studierenden die Lerninhalte zu Hause bei, und die Präsenzzeit an der Hochschule wird für Übungen und Diskussionen zur Vertiefung und Interaktion genutzt.
«Die Studierenden an der BFH-TI können jederzeit Wissen abrufen, unkompliziert Daten aufbereiten oder mithilfe von GenAI Berichte schreiben lassen», sagt Stefan Grösser, Professor für Decision Analysis and Policy und Leiter Business Engineering. Schriftliche Berichte oder die abgelieferten Bachelor- oder Masterarbeiten sind bei der Überprüfung von Lernzielen nicht mehr so zentral wie früher. Der mündliche Teil einer Prüfung werde viel stärker gewichtet. «Beim Nachfragen merkt man sofort, ob die Absolvent*innen sich auskennen», betont Grösser.
Die Präsentation einer Bachelor- oder Masterarbeit sollte demnach heute nicht mehr als fünf Minuten beanspruchen – den Grossteil der Abschlussprüfung bildet die mündliche Verteidigung der Arbeit. «Generell versuchen wir auch, das Augenmerk auf den Prozess zu richten und nicht nur das Ergebnis zu bewerten», sagt Grösser. «Die Studierenden kommen dank KI mit wenig Aufwand zu einer Lösung. Die Aufgabe der Dozent*innen besteht deshalb verstärkt darin, sie hinsichtlich Lösungsentwicklung zu coachen.»
KI in den Masterarbeiten
Wie omnipräsent KI an der BFH-TI ist, zeigt sich auch an den Abschlussarbeiten. «Seit kurzem drehen sich 60 bis 80 Prozent der Masterarbeiten in der Weiterbildung um das Thema KI in verschiedensten Anwendungsbereichen», sagt Bramwell Kaltenrieder. Eine kürzlich eingereichte Arbeit untersuchte zum Beispiel, wie sich mithilfe von KI Foodwaste in grossen Spitälern reduzieren lässt.
Doch menschliche Fähigkeiten wie Führungsqualitäten, Empathie, Kreativität und Strategiedenken bleiben nach Ansicht von Stefan Grösser im Zeitalter von KI weiterhin wichtig: «Echte Differenzierung entsteht erst, wenn Technologie-Skills auf unverzichtbare Human Skills treffen.» An der BFH werde deshalb beides gefördert – zum Beispiel im neuen Modul «Relationships & Community 101». So könnten die Absolvent*innen nicht nur mit KI, sondern vor allem auch gegenüber KI bestehen.
Kritisches Denken als Fachkompetenz
Denn die Allgegenwärtigkeit von KI hat auch ihre Schattenseiten. Die grösste Gefahr sieht Stefan Grösser darin, dass Studierende keine Grundkompetenzen mehr entwickeln, weil GenAI viele Arbeiten übernehmen kann. «Mathematik, Informatik und das Programmieren bleiben essenzielle Grundlagen, welche die Fachkräfte weiterhin verinnerlichen müssen.»
Im Extremfall drohe sonst «Cognitive Outsourcing»: «Dieses Problem entsteht, wenn wir die GenAI ganz für uns arbeiten lassen und die eigenen grauen Zellen nicht mehr anstrengen. Diese Disziplin ist für die Kompetenzentwicklung jedoch essenziell. Unser Gehirn lernt auch in einem GenAI Umfeld immer noch gleich.» Genau deshalb sieht Grösser das kritische Denken als eine der wichtigsten Fachkompetenzen der Zukunft. Dazu brauche es die erwähnten Grundkenntnisse. Ähnlich wie beim Aufkommen des Taschenrechners können viele Aufgaben ausgelagert werden. «Wir müssen nicht mehr alles selbst herleiten können, die Fähigkeit zum Überprüfen und Abschätzen darf uns aber nicht abhandenkommen», sagt Grösser. «Ich sehe die Verantwortung bei uns in der Lehre und in der Führung, die nächste Generation optimal zu begleiten und Rahmenbedingungen vorzugeben. Viel wird jedoch auch davon abhängen, wie einsichtig die Studierenden unter Zeitdruck tatsächlich sind.»