Pädagogische Zuständigkeiten an Tagesschulen

Der Ausbau der Tagesschulen führt zu einer Verzahnung von Unterricht und Freizeit. Das SNF-Projekt «AusTEr» erkundet die pädagogischen Zuständigkeiten der unterschiedlichen Beteiligten.

Steckbrief

  • Departement BFH | Soziale Arbeit
  • Forschungsschwerpunkt Soziale Sicherheit und Intervention
  • Forschungsfeld Soziale Intervention
  • Förderorganisation Schweizerischer Nationalfonds SNF
  • Laufzeit (geplant) 01.01.2016 - 29.02.2020
  • Projektverantwortung Prof. Dr. Emanuela Chiapparini
  • Projektleitung Prof. Dr. Emanuela Chiapparini und Prof. Dr. Patricia Schuler
  • Projektmitarbeitende Dr. Christa Kappler
    Andrea Scholian
  • Mitwirkende Projektpartner Forschungsinstitutionen inkl. BFH ZHAW Soziale Arbeit
    Pädagogische Hochschule Zürich
  • Mitwirkende Projektpartner öffentliche Hand Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich
  • Schlüsselwörter Tagesschule, Kooperation, Professionalisierung, Freizeit, Schule, Soziale Arbeit

Ausgangslage

Die Nachfrage nach unterrichtsergänzender Betreuung nahm in den letzten zehn Jahren stark zu und in der ganzen Schweiz werden Tagesschulen ausgebaut. Im Rahmen des Pilotprojekts «Tagesschule 2025» führt die Stadt Zürich als erste Schweizer Gemeinde schrittweise und flächendeckend Tagesschulen ein. Durch die schulstufenabhängigen gebundenen Mittagessen und das zusätzliche Freizeitangebot sollen Schülerinnen und Schüler einen (sozial-)pädagogischen Mehrwert erfahren. 

Ziele

Das Projekt untersucht die Erreichung der (sozial-)pädagogische Ziele, die Qualität der Angebote, die finanziellen Rahmenbedingungen sowie die Klärung und Aushandlung von pädagogischen Zuständigkeiten zwischen den unterschiedlichen Beteiligten.

Vorgehen

Forschende der Berner Fachhochschule BFH, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft ZHAW und der Pädagogischen Hochschule Zürich PHZH befragten Schulleitungen, Leitungen Betreuung, Lehrpersonen, Fachpersonen Betreuung, Eltern, Kursanbietende, Schulsozialarbeitende und Schülerinnen und Schülern der Stadt Zürich vor und ein Jahr nach der Einführung der Tagesschulen.

Lösung

Die interprofessionelle Kooperation beschränkt sich bisher auf die organisatorische Ebene, z.B. bestehen institutionelle Austauschgefässe unter den Mitarbeitenden in pädagogische Teams. Allerdings ist die Kenntnis über die (sozial-)pädagogischen Tätigkeiten der jeweils anderen Profession ausbaufähig. Zudem erschweren asymmetrische oder einseitige Formen der Zusammenarbeit die nachhaltige interprofessionelle Zusammenarbeit und bergen daher Konfliktpotential.

Durch die angestrebte Verzahnung von Unterreicht und Freizeit erweitern Tagesschulen das Bildungsverständnis. Dieses basiert jedoch vorerst auf stereotypen Handlungsmuster – Lehrpersonen vermitteln Wissen und Fachpersonen in der Betreuung fördern die Persönlichkeits- und Identitätsbildung – und ist weiter ausbaufähig.

Das Wohlbefinden der Kinder in der Tagesschule ist abhängig von der Qualität des Essens, dem Kontakt zu gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen und von den Gestaltungmöglichkeiten der schulischen Freizeitaktivitäten. Gleichzeitig ist ein eingeschränkter Ausbruch aus der schulischen Normalität zu beobachten.
Das Steichen der Hausaufgaben an den Tagesschulen tangiert den Einbezug der Eltern. Je nach Vertrauen der Eltern zur Schule und je nach Schulleistungen der eigenen Kinder resultierten daraus unterschiedliche Haltungen: von der positiv interpretierte Abgabe der eigenen Verantwortung bis hin zur engeren Kontrolle der Schulleistungen durch die Eltern.