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Mensch und Umwelt müssen im Zentrum stehen
26.08.2026 Selbständig leben im Alter, die Zukunft bedrohter alpiner Siedlungen gestalten, Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Holzbranche: Das sind Inhalte von Forschungsprojekten an der BFH, die sich den Zielen einer «Caring Society» verschreiben – einer fürsorglichen Gesellschaft, die sich um das Wohlergehen aller Menschen kümmert. Transdisziplinäre Zusammenarbeit sei dabei entscheidend, sagt William Fuhrer vom Departement Architektur, Holz und Bau.
Das Wichtigste in Kürze
- Die «Caring Society» gehört zu den strategischen Themenfeldern der BFH. Es geht um eine fürsorgliche Gesellschaft, die sich um das Wohlergehen aller Menschen kümmert.
- Die Forschenden der BFH greifen drängende Fragen unserer Zeit auf und bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen.
- Um mit Forschungsprojekten komplexe gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen, bietet sich eine transdisziplinäre Zusammenarbeit an.
Die zunehmende Alterung der Gesellschaft ist eine Herausforderung für die Schweizer Politik und Gesellschaft: Es braucht immer mehr altersgerechten Wohnraum. Hochhäuser sind hierzulande beliebte Wohnorte für ältere Menschen. Viele dieser in der Nachkriegszeit gebauten Häuser sind renovationsbedürftig. «Ältere Menschen haben spezifische Anforderungen an ihre Wohnsituation», sagt Tannys Helfer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Departement Gesundheit der BFH. Wolle eine ältere Person beispielsweise selbständig einkaufen gehen, sei sie auf einen hindernisfreien Einkaufsweg angewiesen.
Ein interdisziplinäres Team der BFH untersuchte im Rahmen des Projekts «Healthy Up High», wie zwei Berner Hochhaussiedlungen mit Blick auf die Bedürfnisse ältere Bewohner*innen revitalisiert werden können. Sinnvoll seien zum Beispiel die Reaktivierung der Gemeinschaftsräume, rutschfeste und beschilderte Gehwege oder die Verbesserung der Ernährungsversorgung etwa durch Mittagstische, hielt das Team der Forschenden fest. Viele Massnahmen würden sich gegenseitig unterstützen, ergänzt die Projektleiterin Tannys Helfer. «Mittagstische fördern sowohl die Mobilität als auch die soziale Integration.» Einige der Massnahmen werden derzeit von den beiden beteiligten Baugenossenschaften in Bern West umgesetzt. Im Folgeprojekt «Healthy up High in der Schweiz» wurden die lokal verankerten Massnahmen etwa um Themen wie Hitzeschutz oder Biodiversität in Grünflächen erweitert und für die ganze Schweiz aufbereitet.
Themenfeld: Caring Society
Im Themenfeld Caring Society richten wir den Blick auf die Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Lebensgestaltung und sozialen Lebenslagen. Die Lebensqualität und Gesundheit von Menschen jeden Alters zu fördern, ist das Ziel einer sorgenden, inklusiven Gesellschaft.
Vier Schwerpunktthemen:
- Generationen und Alter
Was es braucht, um das Wohlergehen und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen jeden Alters zu fördern. - Mentale Gesundheit
Wie psychische Gesundheit durch soziale Teilhabe, Entstigmatisierung und soziale Unterstützung gefördert wird. - Caring Spaces
Wie verschiedenartige Räume Nutzer*innen dienen und zu Solidarität, sozialer Inklusion und Fürsorge beitragen. - Soziale Gerechtigkeit
Wie in einer vielfältigen Gesellschaft soziale Ungleichheiten überwunden und mehr Partizipation ermöglicht werden.
Strategisches Themenfeld der BFH
Die beiden Projekte verfolgen die Ziele einer «Caring Society», einer fürsorglichen Gesellschaft, die sich um das Wohlergehen aller Menschen kümmert und dabei soziale, gesundheitliche, technologische, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigt. Die «Caring Society» gehört zu den strategischen Themenfeldern der BFH.
Rund 90 Forschungsprojekte der BFH wurden bisher in diesem Themenfeld gefördert. William Fuhrer vom Departement Architektur, Holz und Bau war am Folgeprojekt «Healthy up High in der Schweiz» beteiligt, neben Expert*innen der Departemente Gesundheit und Soziale Arbeit. Für ihn ist transdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend. «Um in Forschungsprojekten umfassende und nachhaltige Lösungen für komplexe Probleme zu erreichen, müssen wir diese aus verschiedenen Blickwinkeln und zusammen mit der Bevölkerung analysieren», ist er überzeugt. Dabei müssten die Umwelt und der Mensch im Zentrum stehen. Als Mitglied des Bieler Stadtlabors legt William Fuhrer besonderen Wert darauf, Ansprüche der Betroffenen in Stadtplanungs-Projekte einzubeziehen. Im Stadtlabor sollen Studierende an konkreten Beispielen lernen, wie Lösungen in Zusammenarbeit mit Bieler Behörden, Bieler Interessen- und Fachverbänden und der Bevölkerung entwickelt werden können.
«Um in Forschungsprojekten umfassende und nachhaltige Lösungen zu erreichen, müssen wir diese aus verschiedenen Blickwinkeln und zusammen mit der Bevölkerung analysieren.»
Eine intakte Umwelt sei für eine «Caring Society» ebenso wichtig, betont William Fuhrer. Darauf lege das Departement Architektur, Holz und Bau besonderen Wert. Dafür stehe allein schon die Erforschung und Weiterentwicklung von Holz, das nicht nur als nachwachsender Baustoff verstanden wird, sondern im Zusammenhang mit Wertschöpfungsketten, Kreisläufen und der gebauten Umwelt. Ebenso prägt das Departement den Diskurs über erneuerbare Materialien, den verantwortungsvollen Umgang mit dem Bestand sowie die Gestaltung lebenswerter Räume.
«Im Kern geht es darum Lösungen zu entwickeln, die Mensch und Umwelt dabei unterstützen, den aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen zu begegnen.»
Fachkräftemangel und bedrohte Siedlungen
Im Themenfeld «Caring Society» stehen derzeit unter der Leitung von Norbert Winterberg, Fachgruppenleiter am Institut für digitale Bau- und Holzwirtschaft zwei weitere Projekte in den Startlöchern. Initiiert wurden beide von Stefan Lobsiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut. Das Projekt «Brennen statt Ausbrennen» widmet sich dem anhaltend hohen Fachkräftemangel in der Holzbranche, insbesondere in den handwerklich-technischen Berufen. «In diesem Projekt wollen wir systemisch analysieren, wie sich Führungskultur, Arbeitszeitmodelle, Zukunftsperspektiven und psychische Gesundheit in den Betrieben auf den Fachkräftemangel auswirken», sagt Norbert Winterberg. «Ziel sind unter anderem konkrete Handlungsoptionen für KMU der Holzbranche, mit denen sie Fachkräfte gewinnen, entwickeln und langfristig binden können», ergänzt Stefan Lobsiger.
«Ziel sind konkrete Handlungsoptionen für KMU der Holzbranche, mit denen sie Fachkräfte gewinnen, entwickeln und langfristig binden können.»
Das Projekt «Hauswärts» widmet sich in Zusammenarbeit mit dem Departement Soziale Arbeit der Frage, wie alpine Siedlungen in Naturgefahren-Zonen zukunftsfähig gestaltet werden können. Im Zentrum stehen Umsiedlungen und andere Anpassungsstrategien, deren soziale Folgen und die partizipative Gestaltung dieser Prozesse. «Es geht nicht nur um planerische und bauliche Fragen, sondern auch darum, wie die Legitimität solcher Prozesse durch transparente, partizipative und für die Betroffenen nachvollziehbare Verfahren gestärkt werden kann», betont Norbert Winterberg. Ebenso wichtig sei es, Identität, psychisches Wohlbefinden und gesellschaftliche Teilhabe der betroffenen Menschen zu wahren, hält Stefan Lobsiger fest.
«Es geht nicht nur um planerische und bauliche Fragen, sondern auch um die Legitimität solcher Prozesse.»
Motivierende Bewegung im Alltag
Auch Henriette Lutz beschäftigte sich am Institut für Siedlung, Architektur und Konstruktion der BFH mit den Zielen der «Caring Society». In einem Projekt zu bewegungsfördernder Architektur ging es um die Frage, welchen Beitrag die Gestaltung von Wohnungen und Wohnumgebungen leisten kann, damit ältere Menschen länger mobil bleiben und somit länger in ihrem eigenen Zuhause wohnen können. So wie in den eingangs beschriebenen Projekten zeigte sich auch hier: Mehr Bewegung wirkt sich nicht nur direkt positiv auf die Gesundheit aus, sondern fördert auch Begegnungen und soziale Interaktionen. «Entscheidend ist, dass die Anreize zu Bewegung einen positiven und motivierenden Charakter haben und die Bewegung ganz selbstverständlich in den Alltag integriert wird», sagt Henriette Lutz. Dabei zeigten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte und Synergien mit dem Projekt «Healthy up high in der Schweiz». Das Interesse von Stiftungen, Gemeinden und Immobilienbesitzer*innen an den Resultaten ist gross. Aktuell erarbeitet die BFH im Rahmen des Modellvorhabens «Gesund im Bestand: Bezahlbare und soziale Transformation in Bern» kollaborative Strategien für gesunde, bezahlbare und sozialverträgliche Verdichtung.