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Mit Matching-Plattform «NewMatch» im Pflegeberuf bleiben

10.06.2026 Pflegende verlassen häufig nicht nur ihre Organisation, sondern oft gleich den Beruf. Das Forschungsprojektprojekt «Umstieg statt Ausstieg», finanziert vom SBK Sektion Bern, entwickelt eine digitale Matching-Plattform, die innerberufliche Wechsel unterstützt, den Berufsverbleib stärkt und zugleich ein Instrument der Professionsentwicklung innerhalb der Pflege sein soll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Plattform «NewMatch» unterstützt Pflegende beim Wechsel innerhalb des Berufs unterstützt und soll Berufsausstiege verhindern.

  • Beim Matching werden Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit und Entwicklungsperspektiven berücksichtigt.

  • Gesundheitsorganisationen erhalten Hinweise, wie sie Pflegende langfristig im Beruf halten können. 

Der Personalmangel in der Pflege ist seit Jahren bekannt und Gegenstand gesundheitspolitischer und wissenschaftlicher Debatten. Ebenso bekannt ist, dass gute Arbeitsbedingungen entscheidend dafür sind, ob Pflegende im Beruf bleiben. Studien zeigen, dass hohe Arbeitsbelastung, schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, begrenzte Entwicklungsperspektiven und unzureichende Unterstützung durch Führung und Organisation oft dazu führen, dass Pflegende kündigen.

In der Praxis zeigt sich: Viele Pflegende verlassen nach einer Kündigung nicht nur ihre Organisation, sondern das gesamte Berufsfeld. Bisher existieren kaum organisationsübergreifende Ansätze. Mit dem Austritt endet häufig auch die Zuständigkeit der bisherigen Arbeitgeber, während mögliche passende Einsatzbereiche innerhalb der Pflege für die Betroffenen wenig sichtbar bleiben. Vor diesem Hintergrund stellt sich nicht mehr die Frage, warum Pflegende gehen, sondern wie Übergänge innerhalb der Pflege so gestaltet werden können, damit ein Verbleib im Beruf möglich ist.

Das Projekt: Passung statt Fluktuation

Das Projekt «Umstieg statt Ausstieg» setzt genau hier an. Im Zentrum steht die Entwicklung der digitalen Matching-Plattform «NewMatch», die Pflegende dabei unterstützt, gezielt Arbeitgeber zu finden, deren Rahmenbedingungen zu ihren individuellen Anforderungen, Präferenzen und beruflichen Perspektiven passen. Ziel ist nicht eine erhöhte Fluktuation zwischen Organisationen, sondern eine bessere Passung zwischen Fachperson und Arbeitsumfeld, um vorzeitige Berufsausstiege zu vermeiden.

Gleichzeitig dient die Plattform auch als Sensibilisierungsinstrument für Gesundheitsorganisationen. Durch die strukturierte Erfassung von Erwartungen, Belastungen und Entscheidungsgründen wird sichtbar, welche Faktoren für attraktive Arbeitsbedingungen und langfristige Bindung besonders relevant sind. Die Plattform ist damit nicht nur ein Instrument zur Stellenvermittlung, sondern eine datengestützte Grundlage für organisationsübergreifende Lern- und Entwicklungsprozesse.

An der Matching-Plattform interessiert?

Ab 1. Juli 2026 können Gesundheitsorganisationen in der Testphase ihre offenen Stellen kostenlos veröffentlichen.

Pflegefachpersonen mit Kündigungsabsicht oder bereits erfolgter Kündigung erhalten ab dem 1. August Zugang zur Plattform und können diese im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation erproben.

www.newmatch.ch

Die Entwicklung des Matchingkonzepts

Das Projekt verbindet wissenschaftliche Analyse mit praxisnaher Entwicklungsarbeit. Zunächst wurden Studien zu Arbeitsbedingungen, Belastungen und Austrittsabsichten ausgewertet. Ziel dieser Analysen war es, jene Faktoren zu identifizieren, die für eine passgenaue Vermittlung innerhalb der Pflege relevant sind.

Dabei zeigte sich: Das Matching muss über klassische Kriterien von Jobportalen hinausgehen. Neben den üblichen Kriterien wie Arbeitsort, Beschäftigungsgrad oder Lohn spielen arbeitsorganisatorische und kulturelle Aspekte eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, im Beruf zu bleiben.

Das Assessment erfasst daher u. a. Erwartungen an Mitbestimmung in der Dienstplanung, individuelle Dienstplanpräferenzen, kurzfristige Anpassungsmöglichkeiten von Arbeitszeiten sowie Unterstützungsangebote durch den Arbeitgeber. Dazu gehören beispielsweise Angebote zur Kinderbetreuung und deren tatsächliche Nutzbarkeit im Alltag. Solche Faktoren sind für viele Pflegende entscheidend, werden in klassischen Rekrutierungsprozessen aber selten berücksichtigt.

Ergänzend wurden qualitative Befragungen mit Pflegenden und Gesundheitsorganisationen durchgeführt. Auf beiden Seiten zeigte sich grosses Interesse an einem Instrument, das Wechsel innerhalb der Pflege strukturiert, niederschwellig und auf Basis von validen Angaben unterstützt. Gleichzeitig wurden die Grenzen dieser Anforderungen an die Plattform deutlich: Faktoren wie Führungsqualität oder Teamkultur sind zwar zentral, lassen sich jedoch nur begrenzt standardisiert erfassen. Daher muss die Plattform zwischen messbaren Kriterien und schwer operationalisierbaren Kontextfaktoren unterscheiden.

Ein zentrales Anliegen war zudem Transparenz hinsichtlich der Funktionsweise des Matchings. Damit Vertrauen in den Algorithmus entstehen kann, muss nachvollziehbar sein, auf welchen Informationen und Gewichtungen Vorschläge basieren. Gleichzeitig wurde der Wunsch geäussert, Bewerbungsunterlagen direkt über die Plattform hochladen zu können, um den Wechselprozess zu vereinfachen.

Erweiterte Funktionen wie Dokumentenmanagement werden als Perspektive aufgenommen, erfordern aber zusätzliche Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit und werden daher erst in späteren Ausbaustufen geprüft.

Professionsentwicklung im Gesundheitswesen

Professionsentwicklung ist zentral für die Qualität, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung. Sie zeigt sich im beruflichen Alltag, wenn Fachpersonen ihr Handeln reflektieren, neues Wissen umsetzen und ihre Rollen weiterentwickeln. Gleichzeitig betrifft sie die Professionen als Ganzes: die Klärung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Entwicklung von Standards und die Stärkung professioneller Identität. Dabei stellt sich die Frage, wie individuelles Lernen und kollektive Entwicklungen zusammenspielen. Wir geben Einblick in Forschungsprojekte, Weiterbildungsangebote und Praxisbeispiele und zeigen, wie Professionsentwicklung im Gesundheitswesen konkret gelebt und weitergedacht wird.

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