Projekt «Spursprung»

Marco Burger

Themen

Emergenz und Obsoleszenz

Standort

Brüssel

Studiengang

Bachelor Architektur

Modul

Bachelor-Thesis FS 26

Projekt «Sprusprung»

Spursprung transformiert ein fragmentiertes Hochstrassenviadukt in Brüssel zu einer tragenden Wohnstruktur, indem es durchgesteckte Wohnungen mit Re-Use-Bauteilen auf bestehender Infrastruktur kombiniert und so typologischen Wohnungsbau, nachhaltige Transformation und qualitätsvolle Stadträume miteinander verbindet.

Projektbeschrieb

Das Projekt „Spursprung“ setzt am Beginn eines neuen, autofrei gestalteten Perimeters in Brüssel an, in dem ein fragmentiertes stück Hochstrasse von einer schnellen, linearen Autospur in ein wichtiges Element eines netzartig verbundenen Fussgängerraums überführt wird. Die bestehende Struktur trennt Verkehr und Wohnen, oben wie unten, und lässt weder eine differenzierte Wohnnutzung noch eine qualifizierte öffentliche Nutzung zu. Gleichzeitig steht der klassische, „normale“ Wohnungsbau vor dem Problem, wie er mit Bestandsinfrastrukturen und Re‑use‑bauteilen umgehen kann, ohne in einen Clash zwischen standardgrundriss und experimenteller Erfindung zu geraten.

Das Projekt reagiert auf diese Situation, indem es das Viadukt als Tragstruktur akzeptiert und darauf drei geschosse Wohnraum mit durchwohnbaren nord‑süd‑grundrissen stapelt. Die Wohnungen von 1.5 bis 4.5 Zimmern sind so organisiert, dass sie trotz grosser tiefe der Grundrisse funktionieren – klar zoniert, belichtungs- und belüftungsseitig robust – und zugleich die Integration einzelner Re‑use‑bauteile selbstverständlich mittragen. Die Re-use bauteile regeln die Lastabtragung, die drei vertikalen erschliessungskerne sorgen für die Aussteifung. Somit kann der Baukörper weit auskragen und als schwebende Figur über dem von der Hochstrasse gedeckten Stadtraum erscheinen kann.

Die These des Projekts lautet, dass durchwohnen‑Grundriss und architektonische Erfindung keinen Gegensatz bilden müssen, sondern sich gegenseitig ergänzen können. Ein typologisch klarer Wohnungsbau bietet dabei ein robustes und lesbares Ordnungsprinzip, das über reine Funktionalität hinausgeht und als tragfähige Grundlage für Transformation dient. Gerade im Kontext bestehender Infrastrukturen ermöglicht diese Klarheit, neue Nutzungen präzise zu integrieren, ohne die räumliche Kohärenz zu verlieren.

Die Erfindung liegt dabei nicht im Bruch mit dem Typus, sondern in dessen Weiterentwicklung unter den Bedingungen des Bestands. Re‑use‑elemente und infrastrukturelle Strukturen werden nicht als Einschränkung verstanden, sondern als Ausgangspunkt des Entwurfs. So kann ein konventionell erscheinender Grundriss zur Trägerstruktur für komplexe räumliche und materielle Transformationen werden. Anstatt Norm und Experiment gegeneinander auszuspielen, verschränkt der Entwurf beide zu einem zusammenhängenden Ansatz für einen zukunftsfähigen Umgang mit bestehenden Stadtstrukturen.