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Architektur Studierende mit internationalem Award ausgezeichnet
26.06.2026 Nicht einen, sondern gleich zwei Preise haben Studierende der Berner Fachhochschule beim SIT Furniture Design Award gewonnen. Entstanden sind die Möbelstücke im Kurs Design to Manufacture, in dem Studierende zahlreiche im Bachelor erworbene Kompetenzen zusammenführen und ein Projekt von der Konzeption bis zum fertigen Möbelstück realisieren.
Das Wichtigste in Kürze
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Zwei Projekte von Architekturstudierenden der BFH wurden beim internationalen SIT Furniture Design Award ausgezeichnet.
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Die Möbelstücke «Nodus» und «Axis» entstanden im Kurs «Design to Manufacture», in dem Studierende ein Möbelstück von der ersten Idee bis zur Umsetzung entwickeln.
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Die Auszeichnung ist für die Studierenden ein Meilenstein und eine grosse Ehre – und zugleich eine Bestärkung, Chancen zu ergreifen.
Im Gespräch erzählen die Gewinner*innen von der Entstehung ihrer preisgekrönten Projekte, von ihrem Weg durch das Architekturstudium und davon, wie dieser ihre Sicht auf Architektur sowie ihre fachliche und persönliche Entwicklung geprägt hat.
«Ich hatte immer gehofft, während meines Studiums Projekte wie dieses realisieren zu können», sagt Anaïs Reymond. Kurz vor dem Abschluss ihres sechsten Semesters treffen wir die Preisträger*innen im Innenhof des Pestalozzi-Gebäudes in Burgdorf: Die gelernte Zeichnerin Anaïs, die ihr Projekt gemeinsam mit Carla Zahno entwickelt hat (an diesem Tag leider verhindert), sowie das Zweierteam Jan Kuratli und Filip Milosevic. Dass sie es mit ihren Projekten «Nodus» und «Axis» bis auf die internationale Bühne des Möbeldesigns führen würde, hätte niemand von ihnen erwartet. Mit ihren Arbeiten überzeugten die vier Architekturstudierenden eine internationale Fachjury.
Zunächst überrascht und zugleich geehrt über die Anfrage zu diesem Gespräch, blicken sie auf die Entstehung ihrer Projekte zurück und erzählen, was diese Auszeichnung und der gesamte Prozess für sie bedeuten.
SIT Furniture Design Award
Der SIT Furniture Design Award wurde ins Leben gerufen, um die aussergewöhnliche Arbeit von Möbeldesigner zu würdigen und einem internationalen Publikum zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen Kreativität, Innovationskraft und visionäre Ansätze, die die internationale Möbel- und Designszene prägen.
Vom Referenzbild zum preisgekrönten Möbelstück
Der Wert dieses Projekts liegt nicht nur im fertigen Produkt, sondern im Prozess, der dorthin führt. So unterschiedlich «Nodus» und «Axis» am Ende aussehen, entstanden beide Projekte aus demselben Prozess: Im Kurs «Design to Manufacture». Die Studierenden lernen, einen Entwurf von der ersten Idee bis zum fertigen Möbelstück zu entwickeln und umzusetzen.
«Man macht wirklich alle Schritte – von Anfang bis zum Schluss.»
Alles beginnt mit einem Bild. Aus einer vorgegebenen Auswahl wählen die Zweierteams ein Referenzbild, dass sie während des gesamten Projekts begleitet. Aus diesem entwickeln die Studierenden erste Begriffe, die sie in schnellen Skizzen festhalten. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen die Crazy 8 Methode: 8 Minuten 8 Skizzen. So nehmen erste Ideen Form an.
Auf die ersten Entwürfe folgt die Auswahl von zwei Konzepten, die weiterentwickelt werden. Dabei werden Proportionen, Verbindungen, Materialstärken und konstruktive Details immer wieder getestet, angepasst und neu gedacht. Es entstehen Modelle, die während Coaching-Sessions diskutiert und weiterentwickelt werden. Begleitet werden die Teams von «Coachs», Dozierenden aus unterschiedlichen Fachbereichen, die ihre Erfahrungen aus Entwurf, Gestaltung und Fertigung einbringen. «Wir wurden während des gesamten Projekts von unseren Dozierenden begleitet und unterstützt», erzählt der gelernte Schreiner Jan. Erst nach mehreren Überarbeitungen, viel Austausch und einem Prototyp im Massstab 1:1 entsteht das Vertrauen, dass der Entwurf funktioniert und realisiert werden kann. Filip erinnert sich: «Beim letzten Coaching hatten wir das Gefühl: Okay, jetzt stimmt es!»
Was mit demselben Prozess entspringt, führt zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Ausgehend von zwei verschiedenen Referenzbildern entstehen mit «Nodus» und «Axis» zwei Möbelstücke, die nicht nur unterschiedliche gestalterische Ansätze verfolgen, sondern auch die individuellen Denkweisen ihrer Entwickler*innen widerspiegeln. Während das eine Projekt zum Experimentieren und Mitgestalten einlädt, untersucht das andere das Zusammenspiel von Struktur, Hierarchie und Reduktion.
NODUS: «Spielerisch. Nüchtern. Straightforward.»
Ausgangspunkt für «Nodus» war das Referenzbild «House A» des japanischen Architekten Ryue Nishizawa (2004– 2007). Inspiriert von dessen räumlicher Offenheit und den miteinander in Beziehung stehenden Elementen entwickelten Anaïs und Carla ein Möbelstück, das sich bewusst jeder eindeutigen Zuordnung entzieht.
‘Nodus’ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «Knotenpunkt». Genau diese Idee steht im Zentrum des Projekts des Duos. Das modulare System aus einfachen Grundformen mit ineinandergreifenden Verbindungen lässt sich auf unterschiedliche Weise zusammensetzen – etwa als Couchtisch, Stuhl oder Regal. «Unser Ziel war es, etwas Einfaches zu schaffen, das unendlich viele Möglichkeiten eröffnet. Es war sogar schwierig, für den Award zu erklären, was das Möbel eigentlich ist, weil es sich nicht auf eine einzige Funktion festlegen lässt.» sagt Anaïs.
Das Möbelstück soll jedoch nicht nur genutzt, sondern vor allem entdeckt werden. Die Nutzerinnen und Nutzer sind eingeladen, mit den einzelnen Elementen zu experimentieren, eigene Kombinationen zu entwickeln und den Raum nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Das Projekt zeigt, dass Minimalismus und Einfachheit keine Einschränkungen darstellen, sondern vielmehr eine Einladung zur Kreativität sind. «Nimm es in die Hand und mach etwas Eigenes daraus.», ruft die angehende Architektin.
AXIS: Spannung. Reduktion. Klarheit.
Ausgangspunkt für «Axis» war das Referenzbild des Louis-Vuitton-Gebäudes von Frank Gehry in Paris. Besonders die Dachaufnahmen mit ihren linearen Strukturen, Flächen und Knoten faszinierten Jan und Filip. Aus diesen ersten Assoziationen entstand Schritt für Schritt ein Möbelstück, welches das Zusammenspiel von linearen und flächigen Elementen sowie deren Hierarchie und gegenseitige Abhängigkeit untersucht. Für das Duo funktioniert kein Komponent für sich allein: erst im Zusammenspiel entsteht das Gesamtobjekt.
Die flächigen Elemente aus schwarzem MDF (Medium-Density Fibreboard) bilden die Topografie des Möbelstücks, während die linearen Elemente aus Eiche die tragende Struktur übernehmen. Innerhalb der Konstruktion wird bewusst zwischen primären und sekundären Bestandteilen unterschieden: Die Hauptachse aus Eiche bildet das Zentrum des Möbelstücks, während ein zweites Stützelement diese durchdringt, ohne ihre Kontinuität zu unterbrechen. Diese konstruktive Logik ist zugleich Ausdruck des gesamten Entwurfsprozesses. Was zu Beginn noch zahlreiche Themen vereinte, wurde im Laufe des Semesters immer weiter reduziert.
«Am Anfang hatten wir einen Entwurf, der praktisch alle Themen unseres Referenzbildes aufnehmen sollte. Wir wollten wirklich alles darin haben. Im Laufe des Prozesses wurde es dann immer weniger, weniger und weniger – bis nur noch das Wesentliche übrig blieb.» Filip, Bachelorstudent in Architektur.
Das Ergebnis ist ein Möbelstück, dass bewusst mit der Wahrnehmung spielt. «Das Projekt ist extrem auf die Regeln von linearen und flächigen Elementen reduziert. Es erzeugt eine gewisse Spannung. Auf den ersten Blick wirkt es instabil, es ist aber in Wirklichkeit sehr stabil», sagt Filip.
«Auf den ersten Blick wirkt es instabil, es ist aber in Wirklichkeit sehr stabil.»
Der Kern dieser Anerkennung
Mit den beiden preisgekrönten Projekten blicken die Preisträger*innen auch auf ihre bisherigen Jahre im Architekturstudium zurück. Die Arbeiten stehen exemplarisch für einen Lernprozess, in dem einzelne Erfahrungen, Methoden und Kompetenzen schrittweise zusammenfinden und gezielt miteinander verbunden werden.
Für den angehenden Architekten Filip liegt gerade darin die besondere Stärke des Projekts: «Am Anfang ist es ein bisschen so, als würde man einzelne Klaviertasten drücken, ohne wirklich Klavier spielen zu können. Die einzelnen Tasten stehen sinnbildlich für die verschiedenen Kompetenzen, die wir im Studium erwerben. Zunächst lernt man sie einzeln kennen. Je weiter man im Studium kommt, desto mehr lernt man jedoch, sie gezielt miteinander zu verbinden und gemeinsam einzusetzen. Wie beim Klavierspielen entsteht erst durch das Zusammenspiel der einzelnen Tasten eine Melodie. Genauso entsteht auch dieses Projekt: Erst wenn verschiedene Kompetenzen zusammenwirken, entsteht ein stimmiges Ganzes.»
Für Anaïs hat das Projekt vorallem auch gezeigt, dass man in der Architektur «eine gesunde Mitte zwischen Kreativität und Pragmatismus finden» muss. Für den gelernten Schreiner Jan macht gerade die Zusammenarbeit den besonderen Reiz dieses Projekts aus: «Starke Projekte leben immer sehr stark von der Teamarbeit.» Ideen werden im Duo und gemeinsam mit den Dozierenden diskutiert, hinterfragt und weiterentwickelt. Der Austausch unterschiedlicher Perspektiven erweist sich dabei als wesentlicher Bestandteil des Projekts und spiegelt zugleich die Realität der späteren Berufspraxis wider.
«Starke Projekte leben immer sehr stark von der Teamarbeit.»
Was bleibt
«Als ich die E-Mail bekommen habe, hatte ich wirklich Gänsehaut», erzählt die Preisträgerin Anaïs. Dass sich «Nodus» unter zahlreichen internationalen Einreichungen durchsetzen konnte, bedeutet ihr sehr viel. «Diese Auszeichnung ist ein Meilenstein – im Studium, aber auch im Leben.»
Auch Jan und Filip erleben den Preis als besondere Anerkennung ihrer Arbeit. Dass ihr Möbelstück nicht nur bei ihren Mitstudierenden, sondern auch weit darüber hinaus Anklang findet, erfüllt sie mit Stolz.
«Es ist eine grosse Wertschätzung für ein persönliches Projekt und zusätzlich eine grosse Ehre, eine Jury aus der Branche zu überzeugen», sagt Jan. Der 28-jährige Berner Filip ergänzt: «Es ist schön zu sehen, dass das Projekt nicht nur uns gefällt, sondern auch andere Menschen anspricht. Unsere Klasse hat das Projekt auch geschätzt. Aber einen Preis zu gewinnen, ist noch einmal ein Schritt weiter.»
Dabei hatten beide Teams zunächst gezögert, ihre Projekte überhaupt für den Wettbewerb einzureichen. Schliesslich entschieden sie sich, die Chance zu nutzen. Die Erfahrung schenkt ihnen weit mehr als einen Preis: Selbstvertrauen und die Überzeugung, dass es sich lohnt, Chancen zu nutzen.