Superfood aus dem Wasserbecken

10.08.2022 BFH-HAFL-Masteralumnus Robin Dorsaz führt im Wallis eine eigene Spirulina-Farm. Wie es dazu kam und was das überhaupt ist, erzählt er im Interview.

Herr Dorsaz, was versteht man unter Spirulina?


Spirulina zählen zu den so genannten Blaugrünbakterien. Wie Pflanzen wachsen sie durch Photosynthese und damit durch Chlorophyll, bestehen allerdings aus nur einer Zellmembran, ähnlich den Tieren. Gesundheitlich betrachtet ist diese Eigenschaft sehr wertvoll: Sie ermöglicht eine gute Verdauung und eine leichtere Aufnahme von Spurenelementen, Aminosäuren und weiteren Nährstoffen. Der grösste Vorteil ist der natürlich vorkommende Eisengehalt.

Wie wird Spirulina geerntet?


Die Ernte ist sehr speziell und erfolgt zweimal pro Woche: Auf Tischen werden die grösseren Spirulina herausgefiltert und zu einer grünen Biomasse gepresst. Durch Extrusion werden sie anschliessend verpackt – es ist ein entscheidender Schritt, bei dem «kleine Spaghetti» entstehen, die dann zehn Stunden lang bei 42 Grad Celsius dehydriert werden. Am Ende dieses Prozesses ist die Spirulina in Form von Flocken zum Verzehr bereit.
 

Zweimal pro Woche wird geerntet: Robin Dorsaz bei der Arbeit auf seiner Spirulina-Farm in Saxon im Kanton Wallis. (Bilder: zVg) Bild vergrössern
Zweimal pro Woche wird geerntet: Robin Dorsaz bei der Arbeit auf seiner Spirulina-Farm in Saxon im Kanton Wallis. (Bilder: zVg)


Sie sind der erste Spirulina-Produzent im Wallis: Was hat Sie inspiriert?


Ich habe Spirulina während eines Moduls in Ernährung an der BFH-HAFL entdeckt. In dem Kurs ging es um verschiedene Superfoods. Dort lernte ich Spirulina und dessen aussergewöhnliche Nährstoffgehalte kennen. Das hat mir sofort zugesagt. Als ich mich in Frankreich in der Spirulina-Produktion ausbildete, fand ich keine Nachteile. Im Gegenteil, Spirulina erfüllt viele Anforderungen, die an eine nachhaltige Produktion gestellt werden und die in der Schweiz immer höher werden. Die Kultur ist natürlich und erfolgt in einem geschlossenen Kreislauf. Das heisst, sie ist sehr wassersparend und verwendet keine Pestizide.

Sie haben Biologie und Sport studiert und einen Master in Agrarwissenschaften. Wie passt das zusammen?


Es ist sicherlich ein atypischer Werdegang, der mich aber mit verschiedenen, interessanten Bereichen in Berührung gebracht hat. Am Ende verbindet sie alle das Ziel, das Wohlbefinden des Menschen zu fördern, und das vor allem auch über das Thema Ernährung. Die vielfältigen Einblicke halfen mir zudem bei der Unternehmensgründung.
 

«Der Weg zu einem eigenen Unternehmen ist sehr lang und erfordert viel Eigeninitiative», sagt Dorsaz. Bild vergrössern
«Der Weg zu einem eigenen Unternehmen ist sehr lang und erfordert viel Eigeninitiative», sagt Dorsaz.


A propos Unternehmen: Ihre Familie ist im Walliser Weinbau tätig. Stiessen Ihre Ideen bei Ihren Verwandten sofort auf Anklang?


Ja, ich habe das Glück, in einer sehr unternehmerischen Familie zu leben. Die Anpassungs- und Innovationskraft ist bei uns sehr präsent. Man hat auch keine Wahl, wenn man in der landwirtschaftlichen Produktion tätig ist. Der Markt verändert sich so schnell, dass man immer nach zukünftigen Trends Ausschau halten muss.

Haben Sie einen Ratschlag für Studierende, die selbst eine innovative Idee umsetzen möchten?


Ich sage den Leuten, die unsere Spirulina-Produktion besuchen, dass wir uns in der Schweiz glücklich schätzen können: Wir leben sehr frei und haben viele Möglichkeiten. Der Weg zu einem eigenen Unternehmen ist jedoch sehr lang und erfordert viel Eigeninitiative. Man muss Energie und Zeit investieren, um ans Ziel zu gelangen. Da muss man sich stets neu motivieren.
 

Die «Spirulina-Spaghetti» werden rund zehn Stunden lang bei 42 Grad Celsius dehydriert. Bild vergrössern
Die «Spirulina-Spaghetti» werden rund zehn Stunden lang bei 42 Grad Celsius dehydriert.

Magazin infoHAFL

Dieser Beitrag ist Teil der Sommer-Ausgabe unseres Magazins infoHAFL.

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Redaktion

Fachgebiet: Lebensmittelwissenschaften
Rubrik: Studium