Wir sind im Winterschlaf! Eine künstlerische und sozialwissenschaftliche Untersuchung der Mensch-Tier-Grenzen im Zoo"

Zoologische Gärten bearbeiten eine Ambivalenz, die zeitgenössische Gesellschaften prägt, nämlich das wachsende Bedürfnis der Menschen nach mehr Nähe zum Tier bei gleichzeitigem Verschwinden von Tieren aus (städtischen) Räumen.

Steckbrief

  • Lead-Departement Hochschule der Künste Bern
  • Institut Institut Praktiken und Theorien der Künste
  • Forschungseinheit Künstlerische Selbstkonzeptionen
  • Förderorganisation SNF
  • Laufzeit 01.11.2011 - 30.04.2016
  • Projektverantwortung Priska Gisler
  • Projektleitung Priska Gisler
  • Projektmitarbeitende Julia Siegmundt
    Priska Gisler
    Luzia Hürzeler
  • Partner Zoo Zürich
    Uni Bern
    Universität Luzern
  • Schlüsselwörter Zoologische Gärten, Mensch/Tier-Grenzen, Raumordnung, künstlerische Installation

Ausgangslage

«Wir sind im Winterschlaf!» – Diese und ähnliche Hinweisschilder finden Zoobesuchende in vielen Zoos der Welt immer wieder vor. Weder schlafende noch wache Tiere können schreiben. Sie haben Fürsprecher gefunden, die sich einerseits für sie artikulieren, andererseits für den Zoo entschuldigen, denn das Publikum möchte die Tiere lieber sehen als im Schlafe wissen. Menschen, die selber die Erfahrung des Winterschlafes nicht machen können, übernehmen die Stimme des Tiers und weisen gleichzeitig Rollen und Räume zu – die Tiere sind für den Winterschlaf in den nicht zugänglichen Hinterräumen des Zoos platziert worden. Im Zentrum des Projekts steht die Erkundung dieses ambivalenten Mensch-Tier-Verhältnisses in der zoologischen Anlage. Seit einigen Jahren widmen sich verschiedene zoologische Gärten nicht mehr nur der enzyklopädischen Repräsentation der Artenvielfalt durch Lebendexemplare, sondern verstärkt auch ihrem Schutz und der Erhaltung. Dieser neuere Umgang mit Tieren zeichnet sich für die Zoos darin aus, dass sie die alten gefängnis-artigen Gehege oder die etwas jüngeren illusionistischen Panoramen (Hagenbeck) vermehrt durch grosszügige Anlagen ersetzen. Dazu gehört, dass den Tieren mehr Freiraum verschafft wird und den BesucherInnen detaillierte Hintergrundinformationen über die Lebensräume und Herkunftsgebiete der Tiere zur Verfügung gestellt werden. In der räumlichen Anlage geht diese Konzeptualisierung mit sich teilweise widersprechenden Effekten einher:

Vorgehen

Das Projekt untersucht – in einer Kombination künstlerisch-installativer Mittel und sozialwissenschaftlicher Vorgehensweisen –, inwiefern das ambivalente Verhältnis zwischen Menschen und Tieren in der gegenwärtigen Gesellschaft über die räumliche Ordnung im Zoo verhandelt wird, und inwiefern dabei der Zoo als Akteur in den Veränderungen dieses Ver-hältnisses fungiert. Theoretische Grundlage der Untersuchung bildet Foucaults Konzept der Heterotopie: Heterotopien sind räumlich abgrenzbare Orte, die eine Art Zusammenstellung entgegengesetzter Positionen oder eine Zusammenfassung bestimmter Aspekte der Welt umfassen können, wie sie etwa in Gärten oder Vergnügungsparks, aber auch in Zoos vorgefunden werden. Eine Heterotopie vermag Objekte und Lebewesen anders zu präsentieren als gewohnt; dadurch stellt sie sogenannte «reale» Anordnungen der Dinge auf überhöhende, verdichtende oder andere Weise in Frage.