Ambulante Sectiones im Spital Zweisimmen

Die Spital Simmental-Thun-Saanenland (STS) AG und das Geburtshaus Maternité Alpine haben ein Versorgungsmodell entwickelt, das eine lokale Versorgungslücke schliessen soll. Die Berner Fachhochschule Gesundheit evaluiert das Pilotprojekt.

Steckbrief

Ausgangslage

Nach der Schliessung der geburtshilflichen Abteilung des Spitals Zweisimmen im Jahr 2015 trat im Juli 2019 eine Vereinbarung zwischen dem Geburtshaus Maternité Alpine und der Spital STS AG in Kraft. Diese Vereinbarung ermöglicht, im Rahmen eines Pilotprojekts, die Durchführung von geplanten ambulanten Kaiserschnitten im Spital Zweisimmen mit postoperativer Verlegung der Frauen in die Maternité Alpine. Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) hat dieser Vereinbarung zugestimmt. Im Wesentlichen ermöglicht dieses Pilotprojekt, dass Frauen aus der Region Simmental-Saanenland bei problemloser Schwangerschaft und geplantem Kaiserschnitt im Spital Zweisimmen operiert und danach für das Wochenbett in die Maternité Alpine in Zweisimmen verlegt werden, ohne die Reise nach Thun auf sich nehmen zu müssen. Für dieses Projekt wurde von der Maternité Alpine ein Konzept entwickelt und zusammen mit der Spital STS AG der Prozessablauf unter Berücksichtigung der notwendigen Versorgungsqualität (z. B. Einbezug einer Geburtshelferin der Region, Anästhesiefachperson, Neonatologin und Hebammen der Maternité Alpine) definiert. Die Projektverantwortung obliegt der Maternité Alpine sowie der Spital STS AG. Die Berner Fachhochschule Gesundheit (BFH) wurde durch die GSI beauftragt, eine Evaluation dieses Pilotprojektes durchzuführen. Erwartet wird, dass in der Zeitspanne von zwei Jahren (1. Juli 2019 bis 30. Juni 2021) fünfzehn ambulante Kaiserschnitte durchgeführt werden.

Vorgehen

Diese summative, retrospektive externe Evaluation soll eine Entscheidungsgrundlage für die kantonale geburtshilfliche Versorgungsplanung in der Region Simmental-Saanenland bilden. Ziel der wissenschaftlichen Begleitung ist die Überprüfung 1) des Beitrags des Projektes zu einer verbesserten Versorgung in der Region Simmental-Saanenland und zur Förderung der integrierten Versorgung; 2) der Einhaltung und der Dokumentation der definierten Prozesse und Qualitätskriterien; 3) des Umgangs mit Risiken und der Risikoaufklärung der Eltern; 4) von Kosteneffekten. In dieser Evaluationsstudie wird mit einem Mehrmethodenansatz gearbeitet: 1) Die qualitativen Daten werden mittels semistrukturierter Telefoninterviews erhoben und zu wichtigen Themen zusammengefasst. Die Analyse findet mittels qualitativer thematischer Analyse nach Braun und Clarke (2006) statt. 2) Die quantitativen Daten werden mittels Dokumentenanalyse und standardisierter Eingabemaske erhoben und anschliessend mit der Statistiksoftware R analysiert. 3) In der Kostenvergleichsanalyse werden die direkten medizinischen Kosten der verschiedenen Betreuungsformen verglichen. Mehr Information zum Vorgehen der Kostenvergleichsanalyse kann dem in «frequenz» erschienenen Artikel entnommen werden.

Ausblick

Die Region Simmental-Saanenland soll eine Betreuung für Frauen mit geplantem Kaiserschnitt anbieten können. Seit Beginn des Pilotprojekts konnten 15 Frauen vom Angebot profitieren. Die Resultate der Evaluation liegen im August 2021 vor.