Empowerment und Verlernen von Rassismus Entwicklungsprojekt swissuniversities

Im Hochschulkontext werden weder die eigenen Erfahrungen mit rassistischen Ausgrenzungsdynamiken noch der strukturelle und institutionelle Rassismus genügend reflektiert. Das Entwicklungsprojekt schafft dazu Lernräume für Studierende of Color und für Lehrende.

Steckbrief

Ausgangslage

Rassismus zeigt sich auf vielfältige Weise: In strukturellem Ausschluss und institutioneller Diskriminierung sowie im Wegsehen, Bagatellisieren und im Nicht-Handeln gegenüber rassistischer Diskriminierung oder dem (unbeabsichtigten) Zum-Schweigen-Bringen von People of Color. Das ereignet sich nicht nur ausserhalb, sondern auch innerhalb des Hochschulkontextes. Bislang ist es im Hochschulkontext jedoch kaum üblich, kritisch und persönlich die eigenen Verstrickungen in Abwertungs-, Unterdrückungs- und Ausgrenzungsdynamiken zu reflektieren.

Ziele

Das Projekt entwickelt und erprobt Reflexionsformate, um Rassismus nicht nur als Thema in der Lehre zu behandeln, sondern auch im Hochschulalltag rassismuskritisch denken und handeln zu lernen. Damit soll zum einen der Tabuisierung und Dethematisierung von Diskriminierungserfahrungen und Rassismus entgegengewirkt und zum anderen soll es möglich werden, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren und so neue Handlungsoptionen zu erarbeiten und zu erproben. 

Vorgehen

Kern des Projektes sind separate Reflexionsformate für Studierende of Color und Dozierende. Beide Formate werden in einem zweisemestrigen Prozess durchgeführt und im Herbstsemester 2021 und Frühlingssemester 2022 angeboten.

Empowerment für Studierende: 

Das Reflexionsformat für Studierende of Color (es gilt die Eigenbezeichnung) soll eine diskriminierungsfreie Auseinandersetzung mit eigenen Rassismuserfahrungen ermöglichen, aber auch das Herausarbeiten von (gemeinsamen) Handlungsstrategien und das Einstehen für die eigenen Anliegen, Perspektiven und Rechte. Es zielt somit auf die Stärkung und Selbst-Ermächtigung (Empowerment) der Studierenden. Studierenden of Color wird dazu ein Raum zur Verfügung gestellt, in dem sie sich zusammen mit einer erfahrenen Fachperson of Color austauschen, unterstützen und stärken können. 

Die inhaltliche Gestaltung des Formates wird von Studierenden und der Fachperson gemeinsam und prozessorientiert erarbeitet. 

Verlernraum für Lehrende: 

Für Lehrende ergibt sich die Herausforderung, eigene – oft unbewusste – diskriminierende sowie rassistische Einstellungen und Handlungen kritisch zu reflektieren, aktiv zu verlernen und sich engagiert gegen Diskriminierungen zu wenden. Der Verlernraum gegen Rassismus soll dies ermöglichen und setzt sich daher mit folgenden Fragen auseinander:  

  • Wie trage ich in meinem alltäglichen Denken und Tun dazu bei, Rassismus auszublenden, zu bagatellisieren oder zu reproduzieren? 
  • Wie kann ich meine privilegierte Position als Lehrende nutzen, mich aktiv und engagiert gegen Diskriminierung zu wenden und den Handlungsraum für von Rassismus-Betroffene zu vergrössern? 

Neben fachlichen Inputs wird ein Schwerpunkt auf der Reflexion der eigenen Praxis liegen: Die Lehrenden haben die Gelegenheit, eigene Praxisbeispiele einzubringen und angstfrei zu thematisieren. Der Verlernraum wird von Tzegha Kibrom, Coach begleitet. 

Evaluation

Ein Workshop im Sommer 2022 soll die Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesen Prozessen zusammentragen und gemeinsam weitere Schritte für eine diskriminierungsfreie Hochschule erarbeiten. 

Ein vertiefender Evaluationsprozess im Herbstsemester 2022 soll diesen exemplarischen Lernprozess reflektieren und dabei die Erkenntnisse auch für andere Departemente der BFH und andere Hochschule fruchtbar machen. 

Das Projekt wird gefördert durch swissuniversities und ist Teil des Programms «Diversität, Inklusion und Chancengerechtigkeit in der Hochschulentwicklung (2021–2024)». 
 

Reflexion über Verlernraum mit Tzegha Kibrom, Coach im Verlernraum Rassismus

Veranstaltungsreihe: Empowerment für Studierende

  • Mittwoch, 9. März 2022: Rassismus und Soziale Arbeit - Input Rahel El-Maawi und Diskussion; offen für alle Studierenden
  • Dienstag, 5. April 2022: Wo gibt es Handlungsbedarf in Ausbildung und Praxis der Sozialen Arbeit? Für Studierende mit Rassismuserfahrung*
  • Dienstag, 26. April 2022: Informeller Raum; für Studierende mit Rassismuserfahrung* und weisse Studierende**, getrennt mit anschliessendem Austausch
  • Montag, 9. Mai 2022: Wie sprechen wir über eigene Rassisumserfahrungen? Für Studierende mit Rassismuserfahrung*
  • Dienstag, 7. Juni 2022: Nachhaltig rassismuskritische Hochschule - Wie machen wir weiter?

Jeweils 18 Uhr, Raumangabe siehe Eingangsmonitore, BFH Hallerstrasse 10, Bern

Anmeldung erwünscht unter: rasa.soziale-arbeit@bfh.ch

* Studierende mit Rassismuserfahrung = Den Menschen, die Rassismuserfahrungen machen, werden körperliche, soziale und kulturelle Eigenschaften aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder ihrer Religion zugeschrieben. In aktuellen Rassimusdebatten wird der Begriff BiPoC – Black, Indigenous, and People of Color verwendet. Mit diesem Ausdruck wird nicht die Hautfarbe beschrieben sondern die Marginalisierung aufgrund Rassismuserfahrungen.

** weisse Studierende = Die Bezeichnung «weiss» bzw. «Weisssein» bezieht sich nicht auf die Hautfarbe der Menschen, sondern ist ein soziales und politisches Konstrukt. Mit «Weisssein» wird eine dominante und privilegierte Position in der Gesellschaft beschrieben.