Physiotherapie und Mental Health

Physiotherapeutische Massnahmen im Bereich der psychischen Gesundheit (Mental Health) sind effektiv, aber noch wenig verbreitet. In diesem Fachkurs erwerben Sie die Grundlagen, um Patient*innen mit psychischen Komorbiditäten innerhalb der somatischen Versorgung und in der Psychiatrie erfolgreich zu behandeln.

Im Fachkurs

  • lernen Sie die unterschiedlichen Rollen der Physiotherapie in der Versorgung von Betroffenen von chronischen Schmerzen und psychischen Komorbiditäten, sowie von Betroffenen von psychischen Erkrankungen kennen;
  • lernen Sie die Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit und Erkrankung, physischer Aktivität und Training zu verstehen;
  • lernen Sie, wichtige Screening- und Messinstrumente in der physiotherapeutischen Befunderhebung gezielt einzusetzen;
  • führen Sie physiotherapeutische Programme bei komplexen psychiatrischen Patientinnen und Patienten durch;
  • erwerben Sie erweiterte Handlungskompetenzen im Umgang mit komplexen psychiatrischen Situationen, z. B. Suizidalität, Aggression oder selbstverletzendem Verhalten.

Steckbrief

  • Titel/Abschluss Fachkurs
  • Dauer 5 Kurstage + 1 Tag supervidierte Tutorate (online), 1 Tag für Peer-Hospitation
  • Unterrichtstage Diverse
  • Anmeldefrist 1. April 2022
  • Anzahl ECTS 6 ECTS-Credits
  • Kosten CHF 2’450
  • Unterrichtssprache Deutsch
  • Studienort Bern
  • Departement Gesundheit
  • Nächste Durchführung Mai bis Oktober 2022
    ⇢ 16. + 17., Mai und 27., 28. + 29. Oktober 2022

Inhalt + Aufbau

Porträt

Obwohl der Bedarf an physiotherapeutischen Massnahmen im Bereich der psychischen Gesundheit (Mental Health) steigt und die Interventionen wissenschaftlich belegt sind, ist diese Spezialisierung innerhalb der Physiotherapie noch wenig verbreitet.

Im ersten Teil des Fachkurses erwerben Sie die Grundlagen für die heutigen und künftigen Herausforderungen im Bereich Physiotherapie und Mental Health. Im Fachkurs erwerben Sie insbesondere Kompetenzen im Bereich Screening und Observation sowie die Behandlung und das Training von Patient*innen mit psychischen Komorbiditäten innerhalb der somatischen Versorgung. Wichtige Aspekte wie Motivation, Zielsetzung, Monitoring und Notfallmassnahmen werden mit Praxisbeispielen beleuchtet.

Die positiven Effekte von Physiotherapie bei Menschen mit schweren psychischen Störungen sind bekannt. Entsprechend gross ist der Bedarf an Physiotherapeut*innen mit Spezialwissen dazu. Im zweiten Teil des Fachkurses erwerben Sie grundlegende Kompetenzen, um physiotherapeutische Programme bei komplexen psychiatrischen Patient*innen durchzuführen. Zudem erwerben Sie erweiterte Handlungskompetenzen im Umgang mit komplexen psychiatrischen Situationen, z. B. Suizidalität, Aggression oder selbstverletzendem Verhalten. Die praktische Anwendung von nicht-pharmakologischen Massnahmen steht im Vordergrund.

Ausbildungsziel

Modul 1

  • Sie kennen die unterschiedlichen Rollen der Physiotherapie in der Versorgung von Patient*innen mit psychischen Problemen und Krankheiten.
  • Sie verstehen die Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit, physischer Aktivität und Training.
  • Sie erkennen psychologische Faktoren bei Patient*innen mit chronischen Schmerzen und den Einfluss dieser Faktoren auf die Behandlung und das Behandlungsresultat.
  • Sie kennen wichtige Screening- und Messinstrumente der Physiotherapie im Bereich Mental Health.
  • Sie beobachten gezielt das Verhalten von Patient*innen mit Mental-Health-Problemen.
  • Sie führen individualisierte und adäquat dosierte Trainingsmassnahmen durch.
  • Sie kennen körperliche Entspannungstechniken.
  • Sie wenden Vorsichtsmassnahmen an und wissen, wie Sie in Notfallsituationen reagieren sollen.

Modul 2

  • Sie haben einen Überblick über unterschiedliche Klassifizierungen und Kategorien psychischer Störungen.
  • Sie verstehen die biologischen, neurophysiologischen, genetischen und endokrinologischen Aspekte psychischer Krankheiten.
  • Sie kennen die grundlegenden Aspekte im Umgang mit Suizidalität, Aggression und selbstverletzendem Verhalten.
  • Sie kennen die Rolle und die Bedeutung der Physiotherapie in der Behandlung von schweren psychischen Krankheiten.
  • Sie verstehen das Konzept der therapeutischen Beziehung und die möglichen Einflüsse der therapeutischen Beziehung auf die Physiotherapie.
  • Sie wenden Modelle der Motivationstheorie praxisbezogen zur Förderung physischen Aktivität an.
  • Sie kennen die Grenzen und Möglichkeiten der Physiotherapie für Patient*innen mit Körperbildstörungen.
  • Sie planen differenzierte Bewegungs- und Trainingstherapie bei Patient*innen mit psychiatrischen Erkrankungen.
  • Sie haben grundlegende Kenntnisse über die aktuelle Evidenz und die wichtigsten Forschungsmethoden zu Physiotherapie im Bereich Mental Health.
  • Sie sind vernetzt und tauschen sich mit anderen Fachdisziplinen auf hohem professionellem Niveau aus.
  • Sie sind sich ethischer Standards stets bewusst, wenn Sie physiotherapeutischen Massnahmen im Bereich Mental Health anwenden.

Modul 1

  • Einführung in die Physiotherapie im Bereich Mental Health: Eine historische und internationale Perspektive
  • Psychische Komorbidität in der Physiotherapie
  • Zusammenhänge zwischen der psychischen Gesundheit, physischer Aktivität und Training
  • Einfluss von psychologischen Faktoren bei chronischen Schmerzen
  • Integration von psychologischen Theorien und psychologie-basierten Strategien in die allgemeine Physiotherapie
  • Zielsetzungsprozess bei Patient*innen mit Mental-Health-Problemen
  • Assessment und Observation in der klinischen Praxis
  • Planung, Monitoring und Dosierung von Trainingsmassnahmen
  • Entspannungstechniken kennenlernen
  • Vorsichtsmassnahmen und Umgang mit Notfallsituationen

Modul 2

  • Einführung in die Physiotherapie in der Psychiatrie und in Mental Health
  • Psychopathologie
  • Biologische und Neurophysiologische, genetische und endokrinologische Aspekte
  • Übersicht pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Massnahmen
  • Die therapeutische Beziehung in der Physiotherapie und Vertiefung der Motivationstheorie
  • Anwendung motivationsfördernder Massnahmen bei komplexen Patient*innen
  • Planung, Monitoring und Dosierung von Trainingsmassnahmen bei psychiatrischen Krankheitsbildern
  • Physiotherapie für Patient*innen mit Körperbildstörungen
  • Umgang mit Suizidalität, Aggression und selbstverletzendem Verhalten
  • Behandlungsrichtlinien evidenzbasierter Physiotherapie im Bereich Mental Health
  • Beschaffung, Interpretation und Anwendung von Physiotherapie-Forschungsergebnissen
  • Netzwerke und Kommunikation mit Fachspezialist*innen sowie Angehörigen
  • Rechtliche und ethische Aspekte
  • Fallanalyse und kollegiale Fallbesprechung in der Psychiatrie
  • Inputreferate
  • Skills-Training
  • Online Tutorat mit Supervision über praktischem Arbeiten
  • Gruppenarbeiten
  • E-Learning
  • Peer-Hospitationen

Die Abschlusskompetenzen werden mittels (Teil)-Kompetenznachweisen überprüft, die Sie im Selbststudium erarbeiten.

Titel + Abschluss

Dozentinnen + Dozenten

Emanuel Brunner, PhD

Emanuel Brunner ist Physiotherapeut und Dozent an der OST – Ostschweizer Fachhochschule in St. Gallen. Dort arbeitet er an der Entwicklung des neuen Bachelor-Studiengangs in Physiotherapie. Am Kantonsspital Winterthur behandelt er Patient*innen mit komplexen Schmerzproblemen und psychischer Komorbidität. Er ist Vorstandsmitglied der Schweizer Arbeitsgruppe für Physiotherapie in der Psychosomatik und Psychiatrie (SAG PPP).

Prof. em. Michel Probst

Michiel Probst ist Physiotherapeut und emeritierter Professor für Physiotherapie und Mental Health Care and er University of Leuven (KU Leuven), in Belgien.  Als klinischer Physiotherapeut arbeitete er mehr als 35 Jahre mit psychiatrischen Patientinnen und Patienten. Michel Probst ist ein führender Experte in den Bereichen Ess- und Körperbildstörungen, ein begnadeter Dozent und ein hervorragender Mentor.

Marie Strube Dinkel

Marie Strube Dinkel arbeitet als klinische Physiotherapeutin mit Psychiatrischen Patienten und Patientinnen an den Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) in Bern. 

Weitere Fachspezialistinnen und Fachspezialisten

Partner

Voraussetzungen + Zulassung

  • Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten FH/HF

Es gelten die allgemeinen Zulassungsbedingungen, die Sie im folgenden Dokument finden:

Organisation + Anmeldung

5 Kurstage, Mai bis Oktober 2022
Zusätzliche supervidierte Tutorate online und Peer-Hospitation zwischen den Modulen.
Unterrichtszeiten: in der Regel von 08.30 – 16.30 Uhr
Für 6 ECTS-Credits rechnen wir mit einem Workload von 180 Stunden (inkl. der Kurstage).

Modul 1

  • Montag, 16. Mai 2022
  • Dienstag, 17. Mai 2022

Modul 2

  • Donnerstag, 27. Oktober 2022
  • Freitag, 28. Oktober 2022
  • Samstag, 29. Oktober 2022

Anmeldefrist

22. April 2022

Im Rahmen des Online-Anmeldeprozesses benötigen wir von Ihnen folgende Dokumente:

  • Kopien Ihrer Bildungsabschlüsse (im PDF-Format, max. 1 MB pro Dokument)
  • Passfoto (JPEG)

Bitte laden Sie diese Dokumente auch dann hoch, wenn Sie diese bereits im Rahmen einer anderen Anmeldung eingereicht haben. Wenn Sie Fragen oder Probleme bei der Online-Anmeldung haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Geschäftsbedingungen

Es gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Änderungen bleiben vorbehalten. Im Zweifelsfall ist der Wortlaut der gesetzlichen Bestimmungen und Reglemente massgebend.

Rückzugsregelung: Gemäss Weiterbildungsreglement ist ein Rückzug ohne Kostenfolge bis zum Ablauf der Anmeldefrist möglich. Nach diesem Zeitpunkt sind bei einer Abmeldung vor Beginn der Weiterbildung 50% des zu verrechnenden Betrages geschuldet.

Alle Weiterbildungsangebote Physiotherapie

Unsere Weiterbildungsangebote lassen sich einzeln oder in Kombination mit anderen besuchen und dadurch modular bis hin zum Master of Advanced Studies (MAS) aufbauen. Das ermöglicht Ihnen eine maximale Flexibilität.