Forschende Volksmusikantinnen und -musikanten

Erkundet werden Partizipationspotenziale für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes. Trägerschaften volksmusikalischer Traditionen um den Alpstein setzen sich mit ihrem impliziten Wissen auseinander.

Factsheet

  • Schools involved Bern Academy of the Arts
  • Institute(s) Institute Interpretation
  • Research unit(s) Music and Cultural Heritage
  • Funding organisation Schweizerische Eidgenossenschaft (Bundesverwaltung)
  • Duration (planned) 01.09.2026 - 31.07.2027
  • Head of project Marc-Antoine Camp
  • Project staff Dr. Yannick Wey
  • Partner Roothuus Gonten

Situation

Das UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes von 2003 sieht «eine möglichst weitreichende Beteiligung» der Trägerschaften von Traditionen vor und fordert deren Selbstbestimmung bei Bewahrungsmassnahmen (Artikel 15). Dies gilt auch bei Implementierungen von Massnahmen durch Gedächtnisinstitutionen. Durch ihre archivischen und personellen Ressourcen können diese Institutionen einen professionalisierten Erhalt von Objekten gewährleisten, verfehlen jedoch ohne die Einbindung von heutigen Trägerschaften die Ziele einer lebendigen Traditionsbewahrung im Sinne des UNESCO-Übereinkommens. Das Roothuus Gonten, Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik, möchte zu einer verstärkten Nutzung ihrer historischen Notenbestände im aktuellen volksmusikalischen Schaffen des Alpsteingebiets – ein national anerkanntes Kulturerbe – anregen.

Course of action

Das Projekt konzipiert den Umgang der volksmusikalischen Traditionsträgerinnen und -träger mit schriftlichen Notenquellen als forschende Auseinandersetzung. Musikantinnen und Musikanten reflektieren in Gruppengesprächen die Nutzungen von Notendokumentationen für ihre musikalische Praxis und setzen den Umgang mit Schriftlichkeit zu ihrem Können und Wissen in Beziehung. Der zugrundeliegende Forschungsbegriff orientiert sich an Ansätzen der kollaborativen Handlungsforschung. Das oft nicht verbalisierte Erfahrungswissen kann offengelegt werden.

Result

In einer Zusammenfassung der Gruppengespräche mit Co-Autorschaft der teilnehmenden Musikantinnen und Musikanten sowie in Kurzfilmen werden die Ergebnisse zugänglich gemacht. Zusätzlich wird das Projekt als Beispiel einer partizipativen Methodik im Umgang mit historischen Dokumenten evaluiert und dargestellt, sodass es andere Gedächtnisinstitutionen mit Beständen zum immateriellen Kulturerbe zu einer adaptierten Übernahme anregen kann. In einem Folgeprojekt und als weiteren Impuls für die kreative Nutzung historischer Notenquellen in der aktuellen Volksmusikpraxis wird eine Edition von ausgewählten Stücken aus dem Bestand des Roothuus Gonten anvisiert.

This project contributes to the following SDGs

  • 4: Quality education