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Summer School als Chance für eigene Projekte

09.09.2026 Wie lässt sich eine Summer School gezielt für die eigene Masterarbeit nutzen? Bosse, Masterstudent in Wood Technology an der Berner Fachhochschule, hat im Juli an der Hooke Park Summer Build in Dorset, England, teilgenommen. Im Artikel erzählt er von zwei Wochen zwischen experimentellem Holzbau, Handwerk, Robotik und internationalem Austausch.

Teilnehmende und Tutor*innen des Summer Build 2026, sitzen auf «The Datum», im Hintergrund das im Rahmen dieses Programms errichtete Projekt «The Wild Thing», Photo by Daniella Diaz Lamboglia. Bild vergrössern
Teilnehmende und Tutor*innen des Summer Build 2026, sitzen auf «The Datum», im Hintergrund das im Rahmen dieses Programms errichtete Projekt «The Wild Thing», Photo by Daniella Diaz Lamboglia.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Wochen lang arbeitete Bosse gemeinsam mit rund 18 internationalen Teilnehmenden an experimentellen Holzbauprojekten.
  • Er hat die Summer School selbst organisiert und in den Start seiner Masterarbeitsphase eingebunden. Besonders interessant war für ihn die Expertise von Hooke Park in seinem spezialisierten Themenbereich.
  • Die Verbindung von natürlichem Holz, Handwerk, Architektur, Robotik und digitaler Fertigung gab ihm neue Impulse für sein Fachgebiet.

Der Masterstudent Bosse erzählt, wie er den Hooke Park Summer Build erlebt hat, warum die Summer School für seine Masterarbeit besonders relevant war und welche Eindrücke und Erfahrungen er aus den zwei Wochen in England mitnimmt.

Architectural Association (AA)

Die Architectural Association (AA) ist eine der ältesten und bekanntesten Architekturschulen Grossbritanniens. Sie wurde 1847 in London gegründet. Mit ihren internationalen Programmen und Visiting Schools verbindet sie architektonische Ausbildung mit Experimenten und neuen Ansätzen.

Hooke Park bildet dabei ein ländliches Pendant zum Hauptstandort in London. Hier kann Architektur im Zusammenspiel mit Landschaft, Materialien und Konstruktion erforscht werden.

Hooke Park

Hooke Park ist das 150 Hektar grosse Arbeitswaldgebiet der AA in Dorset im Südwesten Englands. Der Ort blickt auf eine lange Geschichte des experimentellen Holzbaus zurück, die bereits vor der Übernahme durch die AA begann. In den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte die School for Woodland Industries des Parnham Trust dort mehrere wegweisende Holzbauten.

Die AA übernahm den Standort 2002. Seither hat er sich zu einem Campus für architektonische Ausbildung und experimentelles Arbeiten entwickelt. Heute ist Hooke Park der Standort des postgradualen Design + Make Programms. Die Studierenden verbinden Forstwirtschaft, Architektur, Materialexperimente, Handwerk und digitale Fertigung und entwickeln und bauen ihre Projekte direkt vor Ort. Der Nutzwald dient dabei sowohl als Materialquelle als auch als Ort für die Projekte. Traditionelles Handwerk wird mit Technologien wie 3D-Scanning, Modellierung und CNC-Fertigung kombiniert.

«Latoya», der 6-Achsige Industrie Roboter der den Hooke Park seit Jahren tatkräftig unterstützt. Hier ist er während erster Testläufe der Werkzeugpfade für die Bearbeitung der Glulam Elemente der hybriden Fachwerkträger zusehen. Bild vergrössern
«Latoya», der 6-Achsige Industrie Roboter der den Hooke Park seit Jahren tatkräftig unterstützt. Hier ist er während erster Testläufe der Werkzeugpfade für die Bearbeitung der Glulam Elemente der hybriden Fachwerkträger zusehen.

Summer Build

Der jährlich stattfindende Hooke Park Build ist ein zweiwöchiges Programm, das sich auf die praktische Umsetzung experimenteller Architektur konzentriert.

Dieses Jahr nahmen rund 18 Personen aus verschiedenen Ländern teil – hauptsächlich Architekt*innen, Designer*innen und Künstler*innen sowie Fachleute aus dem Handwerk. In meinem Fall war ich als Masterstudent in Wood Technology der BFH dabei. Alle Teilnehmenden lebten und arbeiteten gemeinsam auf dem Campus, zusammen mit den Tutor*innen und dem festen Team von Hooke Park.

Zwei Projekte im Fokus

The Wild Thing ist eine Outdoor-Dusche mit Camping-Infrastruktur für Personen, die sich in Hooke Park aufhalten. Das Projekt umfasst mehrere Designelemente und Ideen unterschiedlichster Personen und Gruppen und spiegelt die interdisziplinäre Kooperation anschaulich wider für die der Hooke park steht.

The Wild Thing, «schwebend» neben einem alten Studierendenprojekt, The Datum. Die Vorderfassade besteht aus drei Designelementen: einer Schindelverkleidung, zwei Falltüren als Zugänge und einem zentralen Fassadenelement aus lokal produzierten Keramikkacheln. Bild vergrössern
The Wild Thing, «schwebend» neben einem alten Studierendenprojekt, The Datum. Die Vorderfassade besteht aus drei Designelementen: einer Schindelverkleidung, zwei Falltüren als Zugänge und einem zentralen Fassadenelement aus lokal produzierten Keramikkacheln.

Das zweite Projekt, The Wood Shed, ist ein laufendes Design + Make Projekt. Es basiert auf einem hybriden Fachwerksystem, das zweidimensionale Brettschichtholzelemente mit natürlich gewachsenen Ästen als Tragwerksausfachung kombiniert.

Explosionszeichnung des Trägers. Die Glulam-Elemente sind an den Faserverlauf der Struktur angepasst und werden manuell vor Ort produziert. Die finale Kontur wird mittels Roboter und CNC millimetergenau ausgefräst. Die Streben des Fachwerks werden in Handarbeit aus Rundhölzern aus dem umliegenden Wald hergestellt. Bild vergrössern
Explosionszeichnung des Trägers. Die Glulam-Elemente sind an den Faserverlauf der Struktur angepasst und werden manuell vor Ort produziert. Die finale Kontur wird mittels Roboter und CNC millimetergenau ausgefräst. Die Streben des Fachwerks werden in Handarbeit aus Rundhölzern aus dem umliegenden Wald hergestellt.
Prototyp des Fachwerkträgers an der Milan Design Week Bild vergrössern
Prototyp des Fachwerkträgers an der Milan Design Week

Das Gebäude soll künftig als überdachter Lagerplatz für das im Sägewerk von Hooke Park produzierte Holz dienen. Besonders interessant war die Kombination aus manuellem Handwerk und robotergestützter Fertigung. Die Äste wurden von Hand ausgewählt und entrindet, während CNC- und Robotertechnologie für präzisere Arbeiten an den Brettschichtholzelementen eingesetzt wurden.

Die Details der Verbindungen wurden während des Builds entwickelt und getestet, unterstützt durch Ingenieur*innen von Arup. Die fertige Struktur wird rund 12 Meter lang sein und aus vier Hauptfachwerken bestehen. Während des Summer Builds wurde das Material für die Fachwerke vorbereitet und das erste Fachwerk teilweise montiert.

Meine Erfahrungen

"Für mich war der Summer Build besonders spannend, weil hier Forstwirtschaft, Architektur, Holzverarbeitung, Tragwerksentwicklung, Robotik und Fertigung miteinander verbunden wurden."

Auch die internationale Gruppe und das gemeinsame Leben vor Ort machten die Erfahrung für mich besonders wertvoll – sowohl persönlich als auch im Hinblick auf Networking für meine Masterarbeit. Ausserhalb der Werkstatt erkundeten wir die Jurassic Coast, gingen im Meer und verbrachten Zeit miteinander.

Bikepacking entlang der Jurassic Coast, ein gelungener Abschluss. Bild vergrössern
Bikepacking entlang der Jurassic Coast, ein gelungener Abschluss.

Zum Abschluss der Reise machte ich eine Bikepacking-Tour von Hooke Park in Richtung London Gatwick. Die Route führte mich entlang der Jurassic Coast Steilküste, an Stränden und weiter durch Wälder entlang ehemaliger Bahntrassen. Es war ein passender Abschluss der Reise und eine weitere Möglichkeit, die Landschaft aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Bosses Erfahrung am Hooke Park zeigt, wie eine solche Möglichkeit direkt mit dem eigenen Studium und einem individuellen Projekt verbunden werden kann. Die AHB ermutigt und unterstützt ihre Studierenden dabei, ihre Projekte umzusetzen.